Nächster Vortrag - Sahara Club Treffen 19.-22. Juni 2025

Die Polizei, dein Freund und Helfer

Das erste Mal in eine Polizeikontrolle geraten wir im Süden Mexikos – und das ausgerechnet an dem Tag, an dem wir nach Belize ausreisen wollen! Auf Baja California gab es ein paar Militärkontrollen und auch auf dem Festland einige Polizeicheckpoints. Meistens wurden wir durchgewunken, ab und zu befragt, woher wir kommen und wohin wir wollen. Manchmal wollte ein besonders neugieriger Polizist einen Blick in unseren Campervan, Muggl, werfen. Aber eine richtige Polizeikontrolle erlebten wir erst nach etwa 40.000 Kilometern. Nichts in den USA, nichts in Kanada!

Neues Spielzeug bekommen

Es ist Dienstagmorgen, der 20. Februar. Wir haben uns in Chetumal auf den heutigen Grenzübertritt nach Belize vorbereitet und fahren gerade auf der Avenida Insurgentes Richtung Süden, als uns eine Polizistin anhält. „Na bravo“, denken wir uns, „das hat uns gerade noch gefehlt. “ Ausgerechnet am letzten Tag erwischt es uns noch, und ich mache mich auf Verhandlungen mit korrupten Polizeibeamten gefasst. Die junge Beamtin meint, wir wären zu schnell gewesen, und grinst dabei. Ich frage, wie schnell wir denn waren, bekomme aber keine Antwort. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir zu schnell waren, außer diese breit ausgebaute Avenida wäre unsinnigerweise eine 30er Zone. Den Mexikanern traue ich ja alles zu. Wir sind erst etwa vier Kilometer gefahren, und Christoph fährt Muggl immer ganz langsam warm. Also frage ich nochmal, um wie viel wir denn zu schnell waren. Wieder keine Antwort. Die Polizistin scheint sehr amüsiert, und eine mexikanische Polizeikontrolle habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Hinter der Beamtin tritt ein Polizist hervor, auch er grinst und sagt, wir wären zu schnell gefahren, aber auch er gibt uns keine Antwort, wie schnell wir waren. Mir kommt das alles ganz komisch vor. Als der Polizist einen Schritt zur Seite tritt, sehe ich die Polizistin wieder, in der Hand eine Laserpistole, mit der sie auf das nächste Fahrzeug zielt. Jetzt ist mir alles klar: Die haben gerade neue Laserpistolen bekommen und finden das neue Spielzeug ganz toll. Man drückt uns einen Zettel in die Hand, auf dem steht, man solle doch bitte die Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts respektieren, und wünscht uns gute Fahrt und einen schönen Tag. Wir sind sprachlos, aber happy zugleich und verlassen Mexiko, ohne auch nur einen der berühmt-berüchtigten korrupten Polizisten getroffen zu haben.

Es gibt Sie doch

In Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras lässt uns die Polizei ganz in Ruhe. Obwohl es in Guatemala sehr viel Polizeipräsenz und Kontrollen gab, sind Touristen gänzlich uninteressant. Die erste korrupte Polizei begegnet uns tatsächlich in Nicaragua, und ich wundere mich schon ein bisschen, dass die trotz der Unruhen im Land noch Zeit haben, Touristen abzuzocken! Es ist Mittwochvormittag, der 16. Mai, und wir verlassen León Richtung Süden. Am Ortsausgang stehen zwei Polizisten und halten uns an. Einer kommt ans Fenster und meint, wir wären über eine durchgezogene Linie gefahren. Klar, sage ich, muss man hier ja, sonst kann man die Spur nicht wechseln, und wir wollen ja nach Granada und nicht nach León, denn da kommen wir ja gerade her. Eine kurze Diskussion hin und her, er will 20 US-Dollar von uns und winkt mit einem gelben Zettel, der das Ganze offiziell aussehen lassen soll. Ich sage, wir hätten kein Bargeld und verlange einen Einzahlungsschein für die Bank, dann würden wir unsere Strafe natürlich ganz ordnungsgemäß bezahlen. Er geht weg und diskutiert kurz mit seinem Kollegen, dann werden wir weitergewunken. Netter Versuch


Wir warnen gleich die anderen Overlander, die wir in León getroffen haben, denn die wollen am nächsten Morgen in die gleiche Richtung, und tatsächlich erwischt es einen von denen auch. Mit 100 US-Dollar hatten sie es versucht. Muss wohl am Sprinter liegen. Da kommt uns Muggls Alter und dass er schon so verkratzt und verbeult ist, zugute, was das Schmiergeld etwas schmälert. Aber auch die beiden machen es uns nach, verlangen einen Einzahlungsschein und werden weitergeschickt. Bei der Rückfahrt durch Nicaragua sechs Wochen später und in der fortgeschrittenen Krise lässt sich kein Polizist auch nur irgendwo sehen. Die Polizisten sind unter der totalen Kontrolle der diktatorischen Regierung und somit Feind der Bevölkerung, sodass sich die Polizei nicht mehr auf die Straßen traut.

Das nächste Mal besucht uns die Polizei am 23. Mai in einer regnerischen Nacht am Coyote Beach auf der Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Wir hatten einen schönen sonnigen Tag am Strand, und als es gegen halb acht zu regnen anfängt und außerdem schon dunkel ist, gehen wir ins Bett. Um kurz nach neun, uns kommt es vor wie mitten in der Nacht, weil wir ja schon geschlafen haben, weckt uns eine Polizeisirene mit zusätzlicher Discobeleuchtung auf. Das kommt einem schon ein bisschen beängstigend vor, wenn einen die Polizei mit vollem Programm besucht. Ich steige aus, und Christoph meint erst noch zu mir: „Du machst das schon. “ „Spinnst du? Du kommst gefälligst mit raus“, erwidere ich.

Der jüngere der beiden Polizisten ist sehr nett und fragt, ob alles in Ordnung ist, wer wir sind, was wir machen und wie lange wir hier bleiben wollen. Ein anderer, etwas grimmig dreinschauender älterer Polizist verlangt unsere Reisepässe und verschwindet damit. Wir stellen uns unter Muggls Markise und unterhalten uns mit dem jungen Polizisten, der uns erzählt, dass er schon mal in Hamburg war, aber im Herbst, was wohl ein rechter Temperaturschock für ihn gewesen sein muss! Der grimmige kommt wieder und belehrt uns, wie gefährlich es hier wäre und dass ja Raub und Raubmorde im ganzen Land immer wieder vorkämen. Ich verkneife mir zu sagen, dass wir schon fünf Monate in Mexiko überlebt haben und fast zwei in Guatemala. Der junge Polizist hat uns ja schon ausgiebig befragt und erklärt ihm, wir würden ja morgen früh weiterfahren. Der grimmige fragt, ob wir Waffen oder Drogen haben. Wir verneinen, und offenbar glaubt er uns, denn wir werden nicht durchsucht. Er gibt uns unsere Reisepässe zurück und murmelt eine Verabschiedung, bevor er hinter Muggl verschwindet. Der junge Beamte verabschiedet sich mit Handschlag, wünscht uns eine gute Nacht und eine gute Weiterreise.

Mit Costa Rica geht es auch gleich weiter. Am 4. Juni campen wir mit anderen Overlandern mitten in San José am Ende einer Straße hinter einem Walmart inmitten grüner Wiesen. Wir stehen gerade mal eine Stunde, es ist schon dunkel, als fünf Polizisten auf drei Motorrädern ankommen. Und ich sage noch: „Gut, dass die jetzt schon kommen und uns nicht mitten in der Nacht rausklopfen. “ Sie fragen, wo wir herkommen, und wollen unsere Ausweise sehen. Es wäre nicht gut, dass wir hier stehen, wir sollen doch lieber rüber zum Walmart-Parkplatz fahren, da wäre ein Wachmann, das wäre sicherer. Dass der Walmart für uns nicht infrage kommt, war uns vorher schon klar, und ich antworte, wir würden lieber hier stehen bleiben, weil es viel ruhiger ist und auch nicht so hell beleuchtet wie auf dem Parkplatz vom Walmart. Außerdem sind wir ja zu zweit. Begeistert sind sie zwar nicht, trotzdem lassen sie uns hier parken und verschwinden wieder. Wir haben tatsächlich eine sehr ruhige Nacht, und am Morgen gegen sieben Uhr kommt eine neue Truppe vorbei, diesmal vier Polizisten auf zwei Motorrädern, um zu sehen, ob wir noch leben und auch noch vollzählig sind. „Ob alles gut ist? “, fragen sie. „Ja, alles bestens“, antworten wir. Einer der Polizisten verabschiedet sich sogar mit „Auf Wiedersehen“ und „Gute Reise“ auf Deutsch!

Das nächste und das letzte Mal sind wir in Panama dran, und zwar gleich ein paar Kilometer nach der Grenze. Panama ist sehr strikt, was Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht, und komischerweise herrscht auf vielen Straßen außerhalb der Ortschaften eine Höchstgeschwindigkeit von nur 40 km/h! Das wurde uns ca. 15 Minuten nach der Grenze fast zum Verhängnis. Mit 67 km/h wurden wir „gelasert“. Ja, richtig gelesen, die Verkehrspolizei in Panama benutzt Laserpistolen! 50 US-Dollar sollte das kosten. Der Polizist sieht in Christophs Pass, dass wir heute erst eingereist sind, und fragt, wie lange wir schon hier wären. „Höchstens 20 Minuten“, sagen wir. „Ohhh“, erwidert er und sagt, er müsse uns ein Ticket schreiben und erklärt, dass wir bis zu unserer Ausreise Zeit hätten, es zu bezahlen, und fängt schon damit an. Wir sind enttäuscht über uns, weil wir nicht aufgepasst haben, und über die Sinnlosigkeit einer Begrenzung von 40 km/h auf dieser schnurgeraden und gut ausgebauten Straße. Der Beamte verschwindet kurz, und ich glaube, er hat sich in dem Moment von seinen Kollegen, es waren insgesamt drei oder vier Polizisten, das Okay geben lassen, uns ziehen zu lassen, denn als er zurückkommt, erklärt er, dass er uns kein Ticket ausstellen wird, aber wir sollen auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen achten! Wir können es kaum glauben, sind erstmal sprachlos und bedanken uns eindringlich bei dem freundlichen Polizisten, der uns an unserem ersten Tag in Panama so herzlich begegnet ist.

Auf der Rückreise durch Costa Rica, Nicaragua, Honduras und Guatemala gibt es keine Polizei- oder Militärkontrollen. Erst in Mexiko wird es wieder lustig. Auf der Fahrt von La Mesilla nach San Cristóbal de las Casas in Chiapas, das sind 176 km, kommen wir an drei Militärkontrollen, einer Polizeikontrolle und einem sehr modernen Polizeicheckpoint vorbei. Die drei Militärkontrollen sind, wie wir es schon von Baja California gewohnt sind, neugierige junge Männer, die einfach interessiert, wie ein Campervan von innen aussieht. Die Polizeikontrolle mustert uns nur von außen und winkt uns durch, ohne irgendetwas zu fragen. Am modernen und noch sehr neu aussehenden Checkpoint, wo jeder durch muss, kommen wir uns vor wie an einer Mautstation. Man fährt an die Schranke, wo man auf einen Buzzer drücken muss, der entscheidet dann nach Zufallsprinzip, ob wir kontrolliert werden oder weiterfahren dürfen. Ein grünes oder rotes Licht zeigt an, ob man kontrolliert wird oder nicht. Bei uns leuchtet es natürlich rot. „Bravo“, denken wir, und ein überdurchschnittlich großer Mexikaner (vermutlich der größte Mexikaner aller Zeiten) bittet uns, die Schiebetür zu öffnen. Es kommen aber nur die üblichen Routinefragen, die man sonst auch schon immer gestellt bekommt: Woher? Wohin? Haustiere? Tabakwaren? … etc. Von so einer professionell, ja sogar fast bedrohlich aussehenden Kontrollstation hätte ich fast erwartet, dass sie uns das halbe Auto ausräumen lassen, aber nichts. Auch hier werden wir mit „Buen Viaje“ verabschiedet.

Unser fazit

Wir haben bis auf die Situation in Nicaragua nur positive Erfahrungen mit Polizei und Militär gemacht. Die Menschen sind uns freundlich und höflich begegnet, was vielleicht auch ein bisschen an unserem Reisemobil lag. Das kann ich mir mit einem neueren und/oder größeren Fahrzeug auch anders vorstellen, wie ja auch die Erfahrung unserer Reisefreunde im Sprinter gezeigt hat, von denen 100 US-Dollar für das gleiche „Vergehen“ gefordert wurden. Trotz allem würden wir empfehlen, immer mit ins Fahrzeug zu gehen, wenn jemand hineinsteigen will. Theoretisch muss man sie ja gar nicht reinlassen, aber wir denken einfach, es könnte uns verdächtig machen, wenn wir Nein sagen würden. Polizisten sowie Militärs haben IMMER gefragt, ob sie reinschauen oder reingehen dürfen, wobei nie ein Polizist reingegangen ist, sondern nur Militärs. Außerdem haben wir immer laminierte Kopien unserer IDs und Führerscheine gezeigt. Nur einmal ist das einem Polizisten in Mexiko aufgefallen, und er wollte das Original sehen. Es zu sehen reichte ihm dann auch, er hat es nicht genommen. So war es bei uns. Wir haben aber auch schon Geschichten gehört, wo Reisende ihre Originaldokumente „freikaufen“ mussten oder jemandem bei einer Kontrolle etwas untergejubelt wurde. Man sollte generell vorsichtig sein, aber man muss unserer Erfahrung nach keine Angst davor haben. Ich beginne jede Begegnung immer mit einem Späßchen, was die Situation in der Regel gleich zu Beginn auflockert. Das hilft übrigens auch bei Grenzübergängen und ist natürlich einfacher, wenn man ein bisschen Spanisch spricht.

Grenzübertritt von Nicaragua nach Honduras bei Guasaule

Nicaragua nach Honduras bei Guasaule

Am Samstag, 23. Juni 2018 wollten wir Eigentlich hier nicht mehr durch, zu lange hatte die Einreise nach Nicaragua damals gedauert, und die gut 3,5 Stunden sind uns noch zu gut in Erinnerung. Es ist aber jetzt die kürzeste Strecke aus dem Land, und da wir ja noch mit Aiden und Joanna unterwegs sind, beschließen wir, den kürzesten und unkompliziertesten Weg zu nehmen. Wir fahren wie so oft an einer langen Schlange LKWs vorbei und reihen uns kurz vor dem verblichenen hellblauen Bogen der „Bienvenidos“ (Willkommen) ein. Lastwagenfahrer sind sehr geduldige Menschen, und das müssen sie in Zentralamerika auch sein. Ein Kontrolleur an einem kleinen Häuschen will unsere Reisepässe und den TIP sehen. Wir parken rechts und somit wieder vor dem hellblauen Gebäude, in dem sich Migration und Aduana befinden – möge die Tortur beginnen!

Erstmal erwischen wir natürlich die falsche Schlange und werden zum ganz anderen Ende in den Raum geschickt, genau wie im Supermarkt, wo man ja auch immer die langsamste Reihe erwischt. Zum Glück sind die Schlangen nicht lang, und es geht schnell vorwärts. Irgendwo erscheint uns heute alles besser organisiert, und es sind mehr Kabinen besetzt. Wir zahlen 4,- $ und werden im System ausgecheckt, einen Stempel gibt es leider nicht. Als nächstes müssen wir wieder einen Fahrzeuginspektor finden, was sich diesmal als einfach erweist, denn er trägt wie letztes Mal ein hellblaues Poloshirt mit einer orangefarbenen Warnweste. Als wir näher kommen, erkennen wir ihn als den netten Herrn von damals, der Muggl auch schon bei der Einreise inspiziert hat. Ein Polizist kommt mit, und sie werfen einen Blick ins Auto, inklusive Kühlbox. Der Polizist macht sich Notizen, und in ein paar Minuten sind wir auch schon fertig.

Die wie immer letzte Station, die Aduana, wo wir Muggl ausstempeln, liegt wieder im Gebäude. Die Frau diesmal ist sehr freundlich, und wir sind auch hier schnell fertig. Wir können es kaum glauben und überlegen, ob wir nicht irgendwas vergessen haben, aber nach 45 Minuten ist alles erledigt. Auf der Brücke zwischen den Grenzen werden wir von einer jungen Frau vom Tourismusamt noch kurz über unsere Reisepläne befragt: welche Regionen wir bereisen wollen, welche Aktivitäten wir geplant haben, wo wir vorhaben zu übernachten, wie lange wir bleiben wollen und schließlich, wie alt wir sind.


Die honduranische Seite dieser Grenze ist sehr heruntergekommen. Ein riesiger Kiesplatz mit Schlaglöchern so groß, dass ein Mittelklasse-PKW darin verschwinden könnte, befindet sich gegenüber dem Migrationsgebäude. Alles ist vollgestopft mit LKWs, sodass auch wir dort parken müssen. Schon bei der Einfahrt wurden wir von Grenzhelfern belagert, die uns beim Papierkram helfen wollen, und junge Burschen, die das vermutlich mal werden wollen, bieten uns an, auf unsere Autos aufzupassen – alles natürlich gegen Propina (Trinkgeld). Wir lehnen dankend ab, sagen, dass wir einen Hund haben, der aufpasst, und reihen uns in der langen Schlange vor den Beamtenhäuschen ein. Es geht schnell, eine junge Beamtin bearbeitet uns, und nach ca. 20 Minuten sind wir hier fertig.

Die Aduana, wo wir die Papiere für Muggl kriegen, ist auf der hinteren Seite der Kabinenreihe. Aiden hat, ohne dass wir es mitbekommen haben, schon irgendwas gedeichselt, und wir müssen uns dort nicht anstellen, sondern werden in ein Büro hinter den Kabinen gewunken. Dort sitzt eine Frau an einem Schreibtisch und begrüßt uns freundlich. Hier machen wir alle den TIP für unsere Fahrzeuge. Sie braucht jeweils zwei Kopien von Fahrzeugschein, Christophs Reisepass und Führerschein und füllt ein Formular aus. Zuletzt drückt sie einen Stempel in Christophs Reisepass. Außerdem müssen wir für die drei Monate (weniger gibt es nicht) 35,- $ bezahlen. Wir sind zurück im Land der Kopien. Als nächstes muss ich gegenüber dem Gebäude in einer kleinen Hütte Kopien von dem Formular, das sie uns ausgestellt hat (1x), sowie dem Stempel in Christophs Reisepass (2x) machen. Der Weg dorthin ist ein Spießrutenlauf, denn ich muss durch drei Reihen LKWs, die sich Richtung Nicaragua stauen, den Parkplatz überqueren und dabei noch zahlreichen Pfützen ausweichen. Wieder angekommen, nimmt sie die Kopien entgegen und händigt uns unser TIP aus. Ach, es wäre oft so viel einfacher, wenn die sich einfach einen Kopierer reinstellen würden. In Honduras ist es nicht Pflicht, eine Autoversicherung zu haben, also machen wir uns gar nicht erst auf die Suche nach einem Versicherungsbüro, das wäre Zeitverschwendung, so viel haben wir gelernt. Total Zeit: überraschenderweise nur ca. 1 Std. 40 min.

Grenzübertritt Costa Rica nach Nicaragua bei Peñas Blancas

Costa Rica - Nicaragua bei Peñas Blancas

Am 21. Juni 2018 treffen wir Mittags Joanna und Aidan, unsere compañeros, mit denen wir durch Nicaragua reisen wollen, in La Cruz, 20 km vor der Grenze zu Nicaragua. Um 12:15 Uhr treffen wir an der Grenze ein und müssen erst in einem kleinen Kiosk rechts davon unsere 8,- $ Tourist Tax bezahlen. Dann durchqueren wir die Schlange LKWs, die sich rechts an der Grenze vorbei gebildet hat, und parken gegenüber dem Migrationsgebäude, wo wir aus Costa Rica auschecken. Dort können wir dann auch gleich noch eine Kopie vom TIP machen und müssen dann, wie soll es auch anders sein, wieder 300m zurück in das Gebäude, wo wir damals bei der Einreise die Versicherung und den TIP bekommen haben. Am selben Schalter wird die Reaktivierung des pausierten TIPs wieder pausiert, da wir ja noch nicht wissen, ob Nicaragua uns reinlässt und nach Norden hin auch wieder raus oder ob wir schlimmstenfalls zurückkommen müssen. Das ist aber alles kein Problem, die Frau am Schalter ist sehr nett und schnell, sodass wir nach ein paar Minuten wieder draußen sind.

Auf geht’s nach Nicaragua, aber erst müssen wir wie immer am letzten Costa Ricaner vorbei, der meistens ein paar Meter von der Grenze entfernt positioniert ist und kontrolliert, ob wir auch wirklich alles erledigt und jeden Stempel haben. Wir kommen der nicaraguanischen Grenze näher, ein Mann will unsere Reisepässe sehen, erklärt, dass wir jetzt durch die Fumigation fahren müssen, danach links parken müssen und die Fumigation im Gebäude neben der Aduana bezahlen müssen. Alles klar! Hier ist das alles nicht so verwirrend für uns, weil wir ja schon mal da waren. Wir parken zufälligerweise genau da, wo wir das letzte Mal auch schon geparkt haben, und gehen erstmal zur Migration. Eine mehr oder weniger freundliche, rundliche junge Frau muss erstmal ihr Handy anstecken und gruschelt dann unter dem Tisch rum. Sie verlangt unsere Reisepässe, fragt (stark nuschelnd), was wir beruflich machen und an welchem Grenzübergang wir ausreisen wollen. Letzteres wissen wir noch nicht, weil wir ja noch nicht wissen, wie und wo wir durchs Land kommen. Wir zahlen 24,- $ und sind jetzt offiziell im Krisenland Nicaragua.

Jetzt geht’s um Muggl. Hinter dem Gebäude halten wir am Tresen der Seguridad (Versicherung). Eine Frau wird vom Häkeln abgehalten, der Versicherungsschein für 30 Tage und 12,- $ ist schnell ausgestellt. Weil wir jetzt schon mal auf der anderen Seite des Gebäudes sind und vorne kein Fahrzeuginspektor in Sicht war, suchen wir gleich den Menschen, bei dem wir die Fumigation zahlen müssen, aber der Schalter ist leer. Wir fragen bei der benachbarten Frau, die bei der Aduana sitzt, und die meint, der müsste eigentlich da sein. Sie kommt hinter ihrem Schreibtisch hervor, geht zum Schalter der Fumigation und klopft mal ordentlich gegen die Glasscheibe. Ein Mann im Glaskasten schreckt auf, und wir sind alle vier sehr amüsiert, sind wir doch schon dreimal daran vorbeigelaufen. 3,- $ kostet die Fumigation, und wir kriegen das dazugehörige Dokument von dem verschlafenen Mann ausgestellt.

Jetzt kommt der schwierigste Teil: Wir müssen den Fahrzeuginspektor finden, aber es ist wieder keiner da. Die Leute sind sehr hilfsbereit, und irgendjemand sagt, er würde ihn für uns suchen, jemand anderes sagt, der wäre in der Mittagspause. Na, das sind ja beste Voraussetzungen! Nach ca. 15 Minuten kommt aber tatsächlich jemand mit dem Fahrzeuginspektor im Schlepptau zu uns. Der drückt uns erstmal ein Papier in die Hand und dreht wieder um. Ich denke mir nur: „Neeiiiin, bitte nicht weggehen! “ Ich fülle den Zettel aus, und zum Glück ist der Inspektor wieder da. Er schaut Muggl kurz von außen an und fragt dann, ob er reinsteigen darf. Klar, wir haben ja nichts zu verbergen. Ein knapper Blick reicht ihm, er fragt, ob wir eine Drohne haben, was wir verneinen, und mit einem „Buen Viaje“ werden wir verabschiedet. Jetzt noch zur Aduana, wo wir die Versicherung, den Reisepass und den Führerschein herzeigen müssen und endlich Muggls TIP kriegen. Total: 2 Std. 15 Min. Total relaxed und von den Unruhen im Land nichts zu merken.

Grenzübertritt Honduras nach Nicaragua bei Guasaule

Das Auschecken aus Honduras verläuft reibungslos. Wir parken unser Fahrzeug vor einem blauen Gebäude, wo es ausgecheckt wird. Auf der anderen Seite der Straße erhalten wir bei der Migration unseren Salida-Stempel. Nach nur 15 Minuten ist alles erledigt, und wir setzen unsere Fahrt in Richtung Brücke fort. Ein LKW-Fahrer, der in der Schlange wartet, rät uns, einfach vorbeizufahren. Das bedeutet, wir müssen zunächst einen Hügel überqueren und auf die Gegenfahrbahn wechseln, um nicht warten zu müssen. Ein Beamter vor der Brücke überprüft, ob wir alle Formalitäten erledigt haben und ob unsere Dokumente den Exit-Stempel für uns und unser Fahrzeug, Muggl, enthalten.

Die nicaraguanische Seite wirkt chaotisch – und das ist sie auch! Zunächst erhalten wir bei einem Pförtner ein Dokument zur Deklaration, das wichtig ist, um nicht wieder ganz am Anfang der Schlange stehen zu müssen. Ein Beamter überprüft unsere Reisepässe, gefolgt von einer Beamtin, die uns fragt, ob wir vorher etwas beantragt haben. Wir verneinen, da wir von nichts wussten. Weiter geht es zur Fumigation, wo wir drei Dollar zahlen und Muggl ein wenig besprüht wird.

Nun wird es richtig anstrengend: Bei der Migration kommen wir zwar sofort dran, benötigen aber diverse Kopien: zweimal die Fotoseite des Reisepasses, zweimal die Stempelseite mit den Stempeln von Honduras, einmal den Fahrzeugschein und einmal Christophs Führerschein. Die Kopien erhalten wir schnell in einer kleinen Kopierstube gegenüber. Wir bringen unsere Papiere zurück, geben unsere Reisepässe ab und warten. Nach einer halben Stunde kommt ein anderer Beamter mit unseren Unterlagen zurück und beschwert sich, dass die Kopien zu klein sind. Wir hatten beide Pässe auf einem Blatt kopiert und die Seiten auseinander geschnitten, um Papier zu sparen. Letztendlich akzeptiert er es, aber von Christophs Reisepass haben wir die falsche Stempelseite kopiert, also zurück in den Kopierladen.

Als ich zurückkomme, sortiert der Beamte immer noch die Papiere und tackert Christophs und meine separat zusammen. Dann beginnt die Befragung: Beruf, Zivilstand, Alter, Fahrzeugmarke und -typ, Farbe und Kennzeichen, wie viel Bargeld wir dabeihaben (nach Abzug der Migrationsgebühr noch 26 Dollar), wie lange wir bleiben wollen, wohin wir in Nicaragua fahren und wohin danach. Er will sogar wissen, wann wir Deutschland verlassen haben, wann wir in die USA eingereist sind und wie lange wir dort waren. Er notiert alles auf den Kopien unserer Reisepässe – jetzt verstehe ich, warum er so viele Seiten wollte!

Nach dem Verhör verschwindet er mit allen Dokumenten, einschließlich unserer Reisepässe, hinter einer Glastür. Er deutet einem Kollegen auf unsere Reisepässe, der nur mit den Schultern zuckt. Wir fühlen uns wie die ersten Deutschen, die jemals nach Nicaragua eingereist sind – ein System ist nicht erkennbar! Irgendwann kommt er mit einem neuen Formular zurück, setzt sich in eine leere Zöllnerkabine und füllt es aus. Ich vermute, er überträgt die Antworten, die er zuerst auf die Kopien unserer Reisepässe gekritzelt hat, in das Formular.

15 Minuten später führt er uns hinaus und deutet auf einen älteren Herrn in einer orangenen Warnweste, der zusammen mit einem Polizisten unser Fahrzeug inspizieren wird. Er meint, wir seien fast fertig – ich glaube ihm nicht! Wir warten weitere 10 Minuten, bis der Herr frei ist. Er hat wenigstens Humor, der erste Mensch mit Humor, dem wir heute begegnen. Die Fahrgestellnummer will er nicht kontrollieren, er und ein junger Polizist, der mittlerweile dazugekommen ist, sind neugierig. Ich öffne die Schiebetür, der ältere Herr schaut sich um und fragt: „Was liegt denn da in der Hängematte? “ Wir haben ein kleines rosa Schweinchen in einer Hängematte über dem Bett. Ich sage: „Oh je, das hat keinen Reisepass. “ Er lacht. Sie wollen wissen, ob wir eine Drohne haben und meine Kamera anschauen. Sie fragen, was Christoph beruflich macht und ob wir Reporter sind. Der Polizist schaut in die Kühlbox und den Kleiderschrank und will in die Tasche unter dem Sitz schauen, wo der Dutch Oven verstaut ist.

Fertig inspiziert, aber noch lange nicht fertig. 1,5 Stunden sind vergangen, seit wir zum ersten Mal beim Kopieren waren. Während der Wartezeiten, als der Beamte mit unseren Dokumenten zwischendurch immer wieder verschwand, habe ich diesen Bericht geschrieben. Wir waren zweimal Geld holen, einmal Córdobas und einmal US-Dollar – das erzählen wir ihm besser nicht, das würde seine ganzen Aufzeichnungen durcheinanderbringen. Wir warten wieder 20 Minuten, bis der Beamte, bei dem wir zuerst waren, endlich unsere Migration bearbeitet. Wir zahlen 24 Dollar (12 Dollar pro Person) und sind nach 3 Stunden fertig! Halt, nein, wir müssen noch zur Aduana, Muggl einchecken und zur Station, wo normalerweise das Gepäck gescannt wird, und erklären, dass wir kein Gepäck haben.

Fertig? Nein, denn für Nicaragua ist, anders als in Guatemala, El Salvador und Honduras, wieder eine Autoversicherung obligatorisch. Also ab ins Nebengebäude, wo die Bank ist. Dort hat die Versicherungsangestellte kurzerhand ihr Büro ins Freie verlegt und sitzt an einem kleinen Tischchen im Schatten. Es dauert 5 Minuten, den Versicherungsschein auszustellen, und für 12 US-Dollar ist diese für 30 Tage gültig.

Gesamte Zeit: 4 Stunden und 15 Minuten, davon 3,5 Stunden an der nicaraguanischen Grenze.

Fahrt durch die Nicaraguanische Revolution

Regen, regen, regen ...

Der unaufhörliche Regen bremst unsere Fahrt durch Costa Rica Richtung nicaraguanische Grenze. Noch 150 Kilometer liegen vor uns, und wir kommen nur schleppend voran. Endlich erkennen wir ein kleines Restaurant am Straßenrand und nutzen die Gelegenheit für eine Pause. Der Besitzer weist uns freundlich an, unter dem Vordach zu parken, damit wir beim Ein- und Aussteigen trocken bleiben. Wir bestellen etwas zu essen und hoffen, dass der Regen nachlässt. Doch es wird nicht besser – es schüttet wie aus Eimern, nein, wie aus Badewannen, Sturzbächen, ganzen Wasserfällen. In diesem Moment denken wir an einen Freund, der ebenfalls in Costa Rica unterwegs ist und uns vor ein paar Tagen noch versicherte: „Die Regenzeit hier ist gar nicht so schlimm.“ Ich bin gespannt, ob er nach dieser Nacht seine Meinung ändert.

Inzwischen suchen auch die Tiere Schutz im Restaurant: Grashüpfer, Spinnen, Geckos – alles flüchtet vor dem Regen. Die Engländer sagen „it rains cats and dogs“, aber in Costa Rica könnte man getrost sagen „it rains elephants and hippos“. Das übertrifft wirklich alles, was wir bisher erlebt haben. Irgendwann können wir endlich weiterfahren und erreichen gegen 23:30 Uhr La Cruz, nur 20 Kilometer vor der nicaraguanischen Grenze. Eigentlich wollten wir schon vor sechs Stunden hier sein.

Doch nicht nur der Regen hat uns aufgehalten. Der Zoll hat unsere Weiterreise verzögert, indem er unser aus Deutschland bestelltes Ersatzteil nicht herausgeben wollte. Expressversand hin oder her, den Costa Ricanern war das herzlich egal! Das Paket lag über eine Woche beim Zoll, und Manuel, der bei der Iveco-Werkstatt in San José arbeitet und für Import und Export zuständig ist, musste fünfmal ins Zollbüro, bis er es endlich bekam.

Unser Zündschloss hatte schon seit einiger Zeit immer wieder Probleme gemacht. Manchmal konnten wir Muggl nicht abstellen, selbst wenn wir den Schlüssel abgezogen hatten. Da wir nicht irgendwo in Nicaragua liegen bleiben wollten, beschlossen wir, es auszutauschen. In letzter Minute klappte es dann doch noch: 20 Minuten vor Ablauf unserer Deadline kam Manuel freudestrahlend mit dem Paket an. Der Einbau dauerte nur etwa 15 Minuten. Schon verrückt – tagelanges Warten und dann ist das Teil in 15 Minuten ausgetauscht!

Es ist Donnerstagvormittag, der 21. Juni, und wir warten auf dem Parkplatz einer Tankstelle in La Cruz auf unsere Companeros. Wir werden Nicaragua nicht alleine durchqueren. Die Tanks sind voll, Wasser und Lebensmittel aufgefüllt. Während der Wartezeit befrage ich Truckerfahrer, die aus dem Norden kommen, wie die Fahrt durch Nicaragua war. „Schwierig“, antworten sie. Wir sollen auf keinen Fall alleine fahren und uns am besten einem costa-ricanischen Truck-Konvoi anschließen. Diese erkennt man an den Nummernschildern und großen gelben Plaketten mit der Länderkennung CR an allen Seiten der Trucks. Sie würden uns zwischen sich nehmen und haben ihre Ausweichrouten. Keine schlechte Idee! Seit Wochen tüftle ich an einer Route durch das krisengebeutelte Land, basierend auf Berichten anderer Reisender, Nachrichten und Verkehrsberichten.

Kurz vor 12:00 Uhr mittags sind wir abfahrbereit und erreichen die Grenze 20 Minuten später. Aus Costa Rica kommen wir schnell heraus, und die Einreise nach Nicaragua ist nicht wirklich schwierig. Ein bisschen chaotisch und unorganisiert, aber das scheint hier normal zu sein. Den Herrn am Schalter, bei dem wir die Fumigation bezahlen müssen, wecken wir erst einmal auf. Die Frau, bei der wir die Versicherung für Muggl abschließen, häkelt entspannt, und der Inspektor muss aus seiner verlängerten Mittagspause geholt werden. Die Leute hier sind gelassen, keine Spur von Revolution. Niemand macht uns Angst oder fragt, ob wir uns sicher sind, dass wir nach Nicaragua wollen. Aiden und Joanna brauchen an der Grenze etwas länger, da sie einen Hund dabei haben. Semuc, der Mexikaner, muss ordnungsgemäß angemeldet werden, denn auch ein Vierbeiner hat einen Reisepass. Gegen halb drei, nach einigen Wartezeiten und einer Mittagspause, sind wir endlich fertig. An diesem Tag fahren wir nur noch knapp 10 Kilometer zu einem kleinen Strand am Lago Nicaragua, wo wir mit Fleischpflanzerl und Pasta den Sonnenuntergang genießen und früh ins Bett gehen. Aiden hat uns eine Eskorte besorgt, und so klingelt um halb fünf der Wecker! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so früh aufgestanden bin. Schnell Kaffee trinken, alles verstauen und los geht’s. .. fast! Denn gegen halb eins in der Nacht hat es mal für eine Stunde richtig geschüttet und den Untergrund aufgeweicht. Neben Muggl ist ein Bach vorbeigelaufen. Das Wasser ist zwar versickert, aber der Boden ist noch schlammig. Aiden fährt sich fest und kommt rückwärts die leichte Steigung nicht mehr hoch. Also spannen wir Muggl dahinter und ziehen. Wir sind immer wieder erstaunt, wie leicht er viel schwerere Fahrzeuge ziehen kann.

5:15 Uhr – mit 15 Minuten Verspätung kommen wir in Rivas an der Puma-Tankstelle an, wo wir unseren ersten „Schlepper“ treffen. Der Mann steht neben einem Motorrad und winkt uns zu. Er stellt sich als Roni vor und begrüßt uns herzlich. Wir folgen ihm etwa 15 Kilometer im Zickzack durch drei umliegende Dörfer, denn in Rivas gibt es zwei Straßenblockaden (Tranques genannt), die von Anhängern der Studentenbewegung errichtet wurden und den Transportverkehr blockieren sollen. Aiden ist in einer WhatsApp-Gruppe von Nicaraguanern, die Touristen durchs Land navigieren und ihnen bei Umfahrungen helfen. Roni ist einer von ihnen. Am Abend zuvor hatten wir die Nachricht erhalten, dass eine Sperre von Regierungsanhängern abgebaut worden war, kurz darauf aber die Info, dass sie wieder aufgebaut wurde. Die Umfahrung verläuft problemlos, und Roni verabschiedet sich noch herzlicher, als er uns empfangen hat. Das Bier, das wir ihm schenken wollen, nimmt er nicht. Wir sollen es für den nächsten aufheben.

7:25 Uhr – den nächsten „Schlepper“ treffen wir 53 Kilometer weiter am Ortseingang von El Rosario. Welch Überraschung, es sind gleich drei: Frank, der Vizepräsident des nicaraguanischen Motorradclubs „Güegüenses Nicaragua“, zusammen mit Jorge und Betsy. 18 Kilometer bis kurz vor San Marcos begleiten uns die drei durch schmale Feldwege, wo einmal sogar ein Pferdetrolley zur Seite gehoben werden muss, damit wir durchkommen. Die letzten 135 Kilometer unserer heutigen Etappe müssen wir alleine schaffen. Daher gehen wir unsere weitere Route mit Frank durch, und er meint, wir sollten keine weiteren Probleme haben. 8:25 Uhr – wir verabschieden uns, machen Erinnerungsfotos und werden unser Bier los.

Kurz nach San Marcos kommen wir an zwei Police-Checkpoints vorbei, die von maskierten, bewaffneten jungen Männern übernommen wurden. Später erzählt uns jemand, dass diese nicht zur Studentenbewegung gehören, sondern die Situation nur ausnutzen. Gestoppt werden wir an keinem der beiden. Die ersten winken uns durch, und die zweiten stehen nur neben der Straße und beobachten den Verkehr.

10:28 Uhr – 90 Kilometer später stauen wir uns am Ortseingang von La Paz. Straßenverkäufer laufen die Reihe ab, und wir erkundigen uns, was los ist. Baustelle? Unfall? Es ist tatsächlich ein Tranque, eine Blockade. Eine Frau sagt, wir könnten vorfahren und 20 oder 30 Cordobas (54 – 82 Euro-Cents) bezahlen oder einfach warten. Sie würden jede Stunde Fahrzeuge durchlassen. Wir beschließen, an den LKWs vorbeizufahren und gegebenenfalls zu bezahlen. Als wir vorne ankommen, kommen uns zwei der „Blocker“ entgegen. Als sie „Turista + Alemania“ auf unserer Windschutzscheibe lesen, wird die Blockade sofort zur Seite geräumt, und wir dürfen ohne Bezahlung passieren. La Paz ist ein kleiner Ort, und wir beschließen, durchs Dorf zu fahren und nicht die Umgehungsstraße zu nutzen, da wir dort weitere Blockaden vermuten. Fast schon aus dem Ort draußen, verzögert sich unsere Fahrt erneut, um einen fast verhungerten Welpen zu füttern. Er ist so mit einer Mango beschäftigt, dass er die Schüssel Futter und mich erst bemerkt, als ich sie ihm unter die Nase schiebe. Er schwänzelt wie verrückt und futtert schnell. Die Mango ist sofort uninteressant oder dient als Dessert. Für so etwas nehmen wir uns immer Zeit!

11:14 Uhr – nach etwa sechs Stunden und 263 gefahrenen Kilometern erreichen wir Malpaisillo, wo wir bei Jimmy, einem Freund von Aiden und Joanna, unterkommen. Jimmy ist 22 Jahre alt, hat vor kurzem die Uni geschmissen und eine Bar eröffnet. Stolz zeigt er uns seinen neuen Boden aus schwarzem Sand. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so zügig vorankommen. Eigentlich hätten wir den Rest auch noch fahren können, aber der Zwischenstopp bei Jimmy war abgemacht, und er freut sich, dass wir da sind. Also richten wir uns ein und fühlen uns fast, als würden wir etwas Verbotenes tun. Wir verstecken uns tagsüber in einer Bar, lassen uns vom Besitzer über die Lage im Land aufklären und warten auf den nächsten Morgen, um wieder früh loszufahren. Am Nachmittag macht Jimmy einen kleinen Stadtrundgang mit uns. Es ist eher ein Dorf, und auch dieser kleine Ort hat seit kurzem einen Tranque, eine Blockade, die mehr als Mahnmal dient, um sich mit den Studenten solidarisch zu zeigen. Da wir den größten Teil des Landes schon geschafft haben und es am nächsten Tag nur noch 77 Kilometer bis zur Grenze sind, geht es nicht ganz so früh los. Der Norden des Landes ist weniger dicht besiedelt und sehr flach, sodass dort hauptsächlich Landwirtschaft betrieben wird, erklärt Jimmy.

6:30 Uhr – unsere einzigen Roadblocks an diesem Tag sind drei Rinderherden, die schnell wieder weg sind. Die Fahrt verläuft problemlos und ohne jegliche Anzeichen von „Tranques“. Vor der Grenze steht wie immer eine Schlange von LKWs, und die Straßenverkäufer sind schon vorher da. Einer will uns weismachen, dass die Polizei uns vermutlich nicht durchlassen werde. Aber das wollen wir doch erst einmal selbst sehen und fahren wie immer an der langen Schlange vorbei.

8:09 Uhr – wir erreichen den Parkplatz vor dem Grenzgebäude. Weit und breit keine Polizei in Sicht, weder auf dem Weg zur Grenze noch an der Grenze. Überhaupt haben wir in ganz Nicaragua keinen einzigen Polizisten gesehen, nirgendwo! Was die Nicaraguaner jetzt natürlich ausnutzen. Ein junger Bursche erklärt uns, dass sie jetzt alle ohne Führerschein fahren. Ja, wenn’s nur das ist! Die Polizei steht unter dem Scheffel der Regierung und wird verdächtigt, Studenten erschossen und Häuser angezündet zu haben, wobei auch Menschen ums Leben gekommen sind. Somit ist auch sie der Feind.

Fazit unserer Fahrt durch Nicaragua:

Die Nicaraguaner haben sich sehr um uns bemüht, waren freundlich und hilfsbereit. Wir haben uns nie unsicher gefühlt oder Angst gehabt. Natürlich mag es schwarze Schafe geben, wie jene jungen Männer, die die beiden Police-Checkpoints übernommen haben. Ich nenne sie jetzt mal Hooligans, und die gibt es in Deutschland oder der Schweiz schon beim Fußball, ganz ohne Revolution. Das Leben geht hier weitgehend normal weiter. An Straßenbaustellen wird gearbeitet, Männer ziehen Stromleitungen oder mähen die Grünflächen neben den Schnellstraßen. Auch der Schwerverkehr läuft, wenn auch auf Umwegen. Weder bei der Einreise noch bei der Ausreise hatten wir das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung wäre. Wochenlang hatten wir vorher die Lage beobachtet, Berichte von anderen Reisenden gehört und gelesen, Zeitungen, Nachrichten und diverse Foren verfolgt. Letztendlich kommt es aber immer auf die Menschen vor Ort an, denn morgen kann schon wieder alles ganz anders sein