Nächster Vortrag - Sahara Club Treffen 19.-22. Juni 2025

Maya – Wie eine kleine Hündin unsere Herzen eroberte

Es ist Samstagabend, der 10. März 2018, als wir dieses kleine Wesen zum ersten Mal sehen. Sie gehört der Familie, auf deren Nachbargrundstück wir campen wollen. „Wir haben Welpen“, sagen sie. „Ach, die schauen wir uns mal schnell an“, antworten wir. Neun Welpen sind es insgesamt: acht Weibchen und ein Rüde. Vier sind schon vergeben, fünf warten noch. Sie sehen unterschiedlich aus, was auf verschiedene Väter hindeutet – typisch für Straßenhunde. Etwa zwei Monate alt sind sie, doch eine ist kleiner und viel dünner als die anderen. Diese kleine Hündin lässt uns die ganze Nacht nicht los. Sie sieht so traurig aus.

Am nächsten Morgen wollen wir uns nur schnell bei der Familie bedanken und verabschieden. Doch die kleine Hündin sitzt wieder traurig da und wirkt abwesend. „Sie muss sich immer übergeben“, sagt Lauren. „Irgendwas stimmt nicht mit ihr. “ Die Mutter lässt die Welpen nicht mehr trinken. Ab und zu schafft es einer, ein paar Tropfen Milch zu ergattern, aber die kleine Hündin hat keine Chance. Wir holen Hundefutter aus dem Auto und füttern sie. Doch bald erbricht sie wieder, winselt und leidet. Wir überlegen, was wir tun sollen. Wir bieten der Familie an, sie zu einem Tierarzt zu bringen und die Behandlung zu bezahlen. Doch weil es Sonntag ist, finden wir keine geöffnete Tierklinik. Am Montag ist Feiertag, also auch da nichts. Wir bieten an, sie ein paar Tage mitzunehmen, am Dienstag zum Tierarzt zu gehen und sie dann zurückzubringen. Doch die Familie signalisiert, dass sie sie nicht zurückhaben wollen und sogar sagt, sie würden warten, bis sie stirbt, um sie dann auf den Müll zu werfen. Das schockiert uns. Also kommt es für uns nicht mehr infrage, sie zurückzulassen. Sie kommt mit!

Ich frage Lauren nach einem Eimer Wasser, und Christoph holt Spülmittel, ein Handtuch und eine Pinzette aus dem Auto. Wir entfernen ein paar Zecken aus ihren Ohren, eine so groß wie eine Kichererbse, und waschen die Kleine. Zuerst protestiert sie, aber als sie merkt, dass die Flöhe das auch nicht mögen, findet sie es gut. Wir setzen sie im Muggl auf die Kühlbox und geben ihr frisches Wasser. Sie verhält sich ruhig und sieht uns gespannt an. Sie wirkt erleichtert, als würde sie denken: Egal, was ihr mit mir macht, es kann nur besser werden.

Wir haben von der Humane Society gehört, die in Belize aktiv ist und sich um Tiere kümmert, vor allem um Straßenhunde. In der Hoffnung, dort jemanden zu treffen, fahren wir nach Placencia. Doch niemand ist da. Wir überlegen weiter, was wir tun sollen. Wir wollen so schnell wie möglich weg, also fahren wir nach Hopkins, um Internet zu suchen und weiter nachzudenken. Ich erinnere mich, dass man Hunden, die nicht fressen können, klein geschnittenes Hühnchen mit weich gekochtem Reis und Karotten in kleinen Portionen mehrmals am Tag füttert. In Hopkins koche ich also. Mit einer Gabel zerdrücke ich alles fein. Die kleine Hündin frisst gierig und legt sich danach mit vollem Bauch schlafen. So machen wir es den ganzen Sonntag und Montag. Am Montagabend treffen wir endlich jemanden von der Humane Society in Hopkins. Kelly wirft einen Blick auf unsere Kleine und sagt aufmunternd, sie sehe gar nicht schlecht aus. Sie habe schon Welpen in schlechterem Zustand gesehen. Das beruhigt uns. Sie gibt ihr ein Wurmmittel, ein Halsband, eine Leine, eine grüne Quietscheente, eine Tüte Hundefutter und eine Tüte Hundekekse. Jetzt sind wir versorgt.

Am Dienstag können wir endlich zur Tierärztin, Dr. Mia. Sie schätzt die Hündin auf sieben Wochen und wiegt sie: nur 2,5 kg. Es ist schwer zu sagen, wie viel sie wiegen sollte, da wir nicht wissen, welche Rassen sie hat. Die Tierärztin meint, es könnte ein Schäferhund-Mix sein. Ich erinnere mich, dass Lauren sagte, die Mutter sei ein Schäferhund-Mix. Die Mama ist ein schöner Hund: lange Beine, schlank und elegant, mit riesigen Ohren. Die Kleine kommt ganz nach ihrer Mama, sie haben die gleiche Maserung im Gesicht. Leider habe ich es verpasst, ein Foto von ihr zu machen. Die Kleine hat geschwollene Lymphknoten und Fisteln im Mund. Sie bekommt für zwei Wochen Antibiotika. Wenn die Lymphknoten abschwellen, wird sie hoffentlich besser fressen und schlucken können. Es kann auch sein, dass ihr Magen geschrumpft ist oder sich der Mageneingang verengt hat, was bei lange unterernährten Hunden vorkommt. Also braucht sie mehrmals am Tag ganz kleine Portionen Futter. Außerdem bekommt sie die erste Welpenimpfung gegen Würmer.


Die Tierärztin fragt uns, was wir mit ihr machen wollen: abgeben oder behalten? Gute Frage. Wir haben uns nicht groß Gedanken gemacht. Für uns war nur wichtig, dass sie nicht bei diesen Leuten bleiben muss. In den beiden Tagen mit uns hat die Kleine unser Herz gewonnen. Vor allem Christoph ist so verliebt, dass ein „Abgeben“ nicht mehr infrage kommt. Also haben wir jetzt einen Hund!

Manche fragen sich, warum man einen Hund aus dem Ausland „holen“ sollte, wenn es in Deutschland oder der Schweiz so viele Tierheimhunde gibt. Das mag stimmen, und ich bedauere sie alle. Doch für mich gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die meisten Hunde in deutschen und schweizerischen Tierheimen landen dort, weil ihre Besitzer sie nicht mehr wollen. Sie erkennen, dass ein Hund Arbeit und Kosten bedeutet. Straßenhunde gibt es kaum, und die Zucht geht weiter, als wäre ein reinrassiger Hund besser als ein Mischling oder weil gerade Chihuahuas im Trend sind.


In vielen Ländern leben Straßenhunde, weil sich niemand um sie kümmert. Sie vermehren sich, aber das sind oft die liebsten Hunde der Welt, weil sie wissen, dass sie ganz unten in der Rangordnung stehen. Wir trafen liebe Straßenhunde, die nicht einmal Futter wollten, sondern nur ein bisschen Liebe, Streicheleinheiten oder einen sicheren Schlafplatz unter einem Dach. Wir hatten nie vor, einen Hund zu adoptieren, aber wir kümmerten uns um viele Straßenhunde und Welpen. An sie dachten wir noch lange, als wir weiterzogen. Maya konnten wir jedoch nicht zurücklassen. Eine Verkettung verschiedener Umstände ließ sie bei uns bleiben.

Also füttern wir sie mehrmals täglich mit weichem Hühnchen, Reis und Karotten. Das klappt gut, sie erbricht weniger und wird lebendiger. In den ersten Tagen schlief sie viel, jetzt spielt sie und wird frech. Sie stiehlt unsere Socken und versucht, Schuhe zu tragen, die ihr noch zu schwer sind. Es wird Zeit, sie zu erziehen, und wir stellen fest, dass sie schnell lernt. In den ersten beiden Wochen bringt sie uns „Sitz“ und „Pfote geben“ bei. Wir sind begeistert!

Nach einer Woche gehen wir zurück zur Tierärztin. Maya kann nun einen Namen in ihren Reisepass eintragen: Maya. Den Reisepass braucht sie, um mit uns zu reisen. Dort werden ihre Impfungen vermerkt, und bis maximal zehn Tage vor dem Grenzübertritt müssen wir mit ihr zum Tierarzt, um ein Gesundheitszeugnis zu erhalten. Wir informieren uns über die Grenzübertritte in Zentralamerika. Da alle Länder unterhalb Mexikos Hochrisikoländer für Tollwut sind und die gleichen Bestimmungen haben, sollten wir keine Probleme haben. Maya kann noch keine Tollwutimpfung erhalten, da diese frühestens ab der 12. Woche gegeben wird. Nach Guatemala dürfen Welpen unter 12 Wochen ohne Impfung einreisen. Wenn man jedoch von einem Tollwut-Hochrisikoland in ein Tollwut-kontrolliertes Land wie Mexiko reisen will, kann das Probleme geben, da diese Länder eine Tollwutimpfung zwingend verlangen.

Maya hat knapp ein Pfund zugenommen, und die Tierärztin ist zufrieden. Da sie viel aufgeweckter wirkt, scheint es nun nur noch bergauf zu gehen. Am 19. März reisen wir mit Maya von Belize nach Guatemala ein. Wir haben ihre Papiere dabei, aber niemand interessiert sich dafür. Keiner fragt nach „Mascotas“ und niemand will ins Auto schauen. Das war einfach! In Guatemala finde ich endlich wieder ordentliche Supermärkte. In einer Abteilung für Kleintiere bin ich glücklich. Maya bekommt eine Schüssel, eine Decke, drei verschiedene Spielzeuge, eine Tüte Welpenfutter und eine Tüte Leckerlis. Das alles gibt es in Belize nicht. Gegenüber Guatemala ist Belize ein wahres Hundeparadies, obwohl Hunde auch hier einen schweren Stand haben.

Die nächsten eineinhalb Wochen verbringen wir damit, unseren kleinen Scheißer zu füttern, zu knuddeln und zu erziehen. Sie hört schnell auf ihren Namen und hat Muggl zu ihrer Homebase gemacht. Sie liegt gern im Schatten unter ihm oder quietscht, wenn sie rein will. Am Lago Peten Itza lernen wir ein kanadisch-französisches Paar kennen, das auch mit Hund reist. Wir campen ein paar Tage am gleichen Platz, und mit Chuleta hat Maya jemanden zum Spielen. Von ihr lernt sie auch zu bellen und verteidigt ab jetzt ihr Zuhause, wenn andere Hunde in die Nähe kommen. Das Babybellen klingt zwar noch nicht furchterregend, aber es hat Wirkung. Die Streuner machen einen Bogen um Muggl.

Sie macht täglich Fortschritte. Mittlerweile klettert sie alleine aufs Bett oder auf den Beifahrersitz, wo sie jetzt schläft. Nachts weckt sie uns, wenn sie Pipi muss, und morgens schleicht sie sich zu uns ins Bett. Manchmal döst sie noch ein wenig mit uns, manchmal macht sie gleich ihre Morgentoilette und putzt sich wie eine Katze. Das Füttern klappt mal besser, mal schlechter. Jedes Mal, wenn ich von Hühnchen auf normales Hundefutter umstellen oder es zufüttern will, wird es schlimmer. Auch Einweichen hilft nicht. Ich vermute, dass nicht nur die geschwollene Lymphe und/oder der geschrumpfte Magen das Problem sind. In Foren suche ich nach „Hund kann nicht schlucken“ oder „Hund bleibt Futter im Hals stecken“, finde aber nichts. Sodbrennen, Reflux – alles geht mir durch den Kopf. Ich google Symptome und mögliche Lösungen, aber nichts ist eindeutig.

Am Ostersamstag erreichen wir frühmorgens Antigua, wo wir uns für zwei Wochen ein Airbnb reserviert haben. Muggl soll in die Werkstatt, wir machen einen Spanischkurs und gehen zum Zahnarzt. Ich habe Tierärzte herausgesucht, und als ich am Sonntagnachmittag im Park vor unserer Unterkunft mit Kathy ins Gespräch komme, die auch zwei Straßenhunde adoptiert hat, gibt sie mir weitere Empfehlungen. Wir tauschen Nummern aus, und wenn ich Fragen habe, darf ich mich melden.

Am Montagnachmittag geht es Maya wieder schlecht. Sie erbricht und sieht elendig aus. Ich laufe sofort mit ihr zum Tierarzt, den mir Kathy empfohlen hat. Zum Glück ist er in der Nähe und der Ostermontag kein Feiertag. In der alten Praxis mit alter Ausstattung und Instrumenten untersucht Dr. Sican sie. Er schaut sie genau an, tastet ihren Hals ab und horcht ihr Herz. Dann sagt er: „Das ist sehr interessant. “ Ein kurzes Zögern, dann: „Sie hat einen Herzfehler! “ Mir bleibt die Luft weg. So gelassen und routiniert der Tierarzt auch ist, für mich bricht eine Welt zusammen. Ein Herzfehler! Was bedeutet das? Er zeichnet mir alles genau auf, auch die genaue Bezeichnung: „Persistencia del 4. arco aortico“ auf Spanisch, „Persistenz des 4. Aortenbogens“ auf Deutsch. Ich soll das mal googeln, da findet man gute Artikel und Erklärungen.

Heulend trage ich Maya zurück. Sie scheint zu wissen, dass das nicht gut ist, und schaut mich an, als wolle sie mich trösten. Bei einer Persistenz des 4. Aortenbogens drückt die Aorta, die direkt vom Herz kommt, auf die Speiseröhre. Sie ist angewachsen, was sie nicht sein sollte. Das hat zur Folge, dass die Speiseröhre abgedrückt wird und kein Futter oder nur sehr wenig durchkommt. Das ist ein seltener Herzfehler bei Hunden, der am häufigsten bei Deutschen Schäferhunden vorkommt. Da steckt wohl doch mehr Schäferhund in ihr, als wir dachten und als uns lieb ist. Die Symptome, die ich in den Artikeln im Internet finde, stimmen genau mit Mayas überein. Einerseits sind wir erleichtert, weil wir endlich wissen, was sie hat, andererseits sind wir schockiert, dass es so gravierend ist.

Ab sofort bekommt Maya gemixtes Hühnchen mit Reis und Karotten, ganz flüssig und aus erhöhter Position, damit die Erdanziehungskraft hilft, das Futter hinunterzubefördern. Am Dienstag haben wir einen Termin zum Röntgen bei Dr. Sican. Das ganze Ausmaß wird deutlich: Die Blockade der Speiseröhre hat einen Megaösophagus bedingt, eine Erweiterung der Speiseröhre – und zwar wirklich mega! Die Speiseröhre der kleinen ist sehr stark erweitert, was für einen so kleinen Hund in so jungem Alter ungewöhnlich ist. Sie braucht so schnell wie möglich eine OP, damit sich die erweiterte Speiseröhre wieder etwas zurückbildet.

Ich will trotzdem andere Meinungen und schreibe Dr. Mia, Mayas erste Tierärztin in Belize, eine E-Mail mit Fotos. Ich gehe auch in eine andere Tierklinik in Antigua. Dr. Rosales, mit dem ich dort spreche, ist sehr hilfsbereit. Er führt diese Art von Operation nicht durch, kennt aber einen Spezialisten in Guatemala City, bei dem er uns gleich für den nächsten Tag anmeldet. Dr. Mia antwortet sofort, ist schockiert von Mayas Röntgenbildern, meint aber, dass wir Glück haben, einen Spezialisten gefunden zu haben, der diesen Herzfehler überhaupt erst diagnostizieren konnte. Meistens bleibt dieser Herzfehler unerkannt. Er könnte chirurgisch gut korrigiert werden, und der Megaösophagus kann mit der richtigen Ernährung und Füttern aus erhöhter Position gut gehandhabt werden. Das macht uns Hoffnung.

Am Mittwochnachmittag, dem 4. April, fahren wir mit Mayas Röntgenaufnahmen in einem Uber-Taxi zur Tierklinik zu Dr. Viau nach Guatemala City. Auch er ist ein sehr alter Tierarzt. Er schaut sich Mayas Röntgenbild an und sein Blick sieht nicht optimistisch aus. Er will auch die Fotos von Mayas Geschwistern sehen, um das Ausmaß einschätzen zu können. Er macht uns wenig Hoffnung. Er sagt, wir sollten sie einschläfern lassen, sie würde trotz Operation nie ein gesunder Hund werden. Ich frage, was wäre, wenn wir Maya nicht operieren lassen würden, sondern immer mit gemixtem Futter ernähren würden. Er meint, das Herz wird sich auf Dauer vergrößern, da die Speiseröhre auf die Aorta drückt und das Herz mehr arbeiten muss als bei einem gesunden Hund. Sie wäre dann immer schnell außer Atem, das Herz ständig stark belastet, und sie hätte kein langes Leben. Also auch keine Option!

Er sieht unsere Enttäuschung und meint, er könnte sie schon operieren. Dazu würde er sie aber mindestens zwei Wochen durch einen Schlauch ernähren, sie wäre ihm zu schwach für eine Operation. Frustriert fahren wir zurück nach Antigua und überlegen weiter, was wir tun sollen. Wir hatten beschlossen, dass wir sie sofort einschläfern lassen würden, wenn sie ständig leiden müsste. Da sie aber seit sie flüssiges Futter bekommt kein einziges Mal mehr erbrochen hat und immer munterer, fitter und verspielter wird, fällt uns die Entscheidung schwer. Am nächsten Morgen sind wir uns einig: Wir lassen sie von Dr. Sican operieren. Gleich am Nachmittag erkundigen wir uns über ihre Chancen und Risiken, wie lange die Genesung dauern wird und ob sie nicht zu dünn und schwach für eine Operation ist. Letzteres ist für ihn kein Problem. Er hat schon kleinere und jüngere Hunde operiert. Die Chancen, dass sie die OP überlebt, stehen bei 70%. Zehn Tage nach der Operation sollen die Fäden gezogen werden und so lange sollten wir mindestens in Antigua bleiben.

Die Operation wird für kommenden Dienstagnachmittag, den 10. April, angesetzt. Bis dahin erhöhen wir Mayas Portion langsam. Das flüssige Hühnchen klappt so gut, dass man ihr beim Wachsen zuschauen kann. Außerdem wird sie zwischendrin mit Bananen und Peanutbutter verwöhnt. Sie muss sich kein einziges Mal mehr übergeben und ist der glücklichste Hund auf der Welt. Wir merken täglich, wie sie mehr Energie hat, nach Hause rennt, weil sie den Weg zu unserer Unterkunft kennt, und dort mit den anderen Bewohnern spielt, die sie mittlerweile auch in ihr Herz geschlossen haben. Nur in der Schule schläft sie brav auf meinem Schoß. Spanischunterricht ist halt langweilig für einen kleinen Hund.

Am Tag der Operation bringen wir sie gleich am Morgen zu Dr. Sican. Dann habe ich keinen hungrigen Plagegeist am Hals, denn sie darf ja nichts essen. Um 17:00 Uhr wird sie operiert. Harte Stunden für uns. Erst am nächsten Morgen gehen wir wieder zu Dr. Sican, um nach ihr zu sehen. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut! Gott sei Dank! Sie kommt mir wieder so dünn vor und hat eine riesige Narbe hinter dem linken Vorderbein. Ihre Ohren, die sie sonst immer freudig hochgestellt hat, hängen traurig und ängstlich runter. Sie tut mir so leid und ich würde sie am liebsten sofort mitnehmen. Abholen dürfen wir sie aber erst am Nachmittag nach der Schule. An diesem Nachmittag rückt Maya keinen Zentimeter mehr von mir. Sie sucht Körperkontakt und schläft in der Nacht sogar auf mir, was bedeutet, ich schlafe kaum, weil ich ja nicht aus Versehen auf die Wunde drücken will. Ich habe meinen Spanischunterricht auf den Nachmittag verschoben, damit Maya daheim bleiben kann und immer jemand von uns bei ihr ist. Wir füttern sie alle drei Stunden und tragen sie dazwischen immer wieder raus, damit sie ihr Geschäft verrichten kann. Ein bisschen benommen wirkt sie schon noch von der Narkose, was normal ist. Sie hat aber nach wie vor einen gewaltigen Appetit und nimmt fleißig zu. Sie ist nach der Operation so schnell wieder fit, dass ich sogar sage, die Genesung geht mir fast zu schnell. Sie hat so viel Energie, spielt und fängt richtig an, mit uns zu raufen. Außerdem versucht sie, Schuhe aufs Bett zu schleppen und die Treppe runter und hoch zu hüpfen. Wir müssen sie da gelegentlich ein bisschen bremsen.

Am Freitag, dem 13. April, nässt ihre Wunde ein wenig. Ich lasse das vorm Wochenende noch vom Tierarzt anschauen. Alles gut, meint er, das ist nur Wasser, das aus dem Gewebe austritt. Er sieht sie sich genauer an, kontrolliert, wie sie atmet, und ist zufrieden. Ich soll Mitte nächster Woche wiederkommen und sie anschauen lassen. Er dokumentiert diesen Fall akribisch, weil er so selten ist. Damit sie sich nicht an der Wunde lecken kann, hat sie ein Satellitenhalsband bekommen und damit sie sich nicht kratzen kann, kaufe ich ihr noch ein T-Shirt.

Dass die nächsten Tage dramatisch werden sollten, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch am Samstag ist noch alles bestens. Sie spielt, liegt in der Sonne und freut sich riesig, wenn ich nur in Richtung ihrer Futterschüssel gehe. Am späten Sonntagabend ist sie umtriebig. Sie will sich nicht hinlegen und ich habe das Gefühl, irgendwas taugt ihr nicht. Sie findet einfach nicht die richtige Position, was zur Folge hat, dass sie kaum schläft. Ich gehe gleich am Montagmorgen mit ihr zum Tierarzt. Röntgenaufnahme – Lungenentzündung! Oh nein, nicht auch das noch! Was muss die arme Kleine denn noch alles mitmachen?! Jetzt wird es richtig schwierig, sagt Dr. Sican. Er erhöht erstmal die Antibiotika. Weiter kann man nichts machen, nur abwarten. Das werden drei harte Tage, meint er, und ich soll gleich morgen früh zu ihm kommen. Dann kriegt sie Sauerstoff. Dazu soll es aber nicht mehr kommen.

Details erspare ich euch. Maya stirbt am Montagabend, dem 16. April, um 22:25 Uhr in unseren Armen. Ich weiß das so genau, weil ich Minuten vorher noch versucht habe, den Tierarzt anzurufen. Innerhalb von zwei Stunden ging es ihr so schlecht und sie hat einfach aufgegeben. Wir sind schockiert, können es nicht fassen. Es dauert ein paar Tage, bis wir realisieren, was passiert ist. Wir haben alles versucht und nie aufgegeben, hatten so viel Glück, einen Tierarzt zu finden, der die Situation richtig erkennt und sie dann auch noch operieren konnte. Da fragt man sich schon, was das alles soll, wenn es dann so ausgeht.

Am nächsten Morgen bringen wir sie in die Praxis. Noch bevor der Tierarzt kommt, sind wir da. Auch er ist erstaunt und schockiert. Damit hat wirklich niemand gerechnet. Bei einer Lungenentzündung stirbt ein Hund nicht so schnell. Eine Lungenembolie wird vermutet. Wir überlegen, wo wir Maya beerdigen sollen. Am Stadtrand gibt es einen Aussichtspunkt, den Kathy empfohlen hat. Der nächste Tierfriedhof ist ein Stück entfernt und einfach beim Tierarzt abgeben wollen wir sie nicht. Ein Assistent von Dr. Sican bietet an, seinen Schwager zu fragen, der hätte eine Finca am anderen Ende der Stadt und die würden da auch ihre eigenen Hunde begraben. Ohne den Platz anzuschauen, nehmen wir das Angebot an. Sie packen Maya für uns ein. Um 16:00 Uhr sollen wir wieder in die Praxis kommen und der Assistent würde uns zur Finca seines Schwagers begleiten. Dort können wir sie dann beerdigen. In der Zwischenzeit kaufen wir Blumen und eine Kerze. Auch Gladys, die Putzfrau aus unserem Airbnb, und Rachel, unsere Zimmernachbarin, kaufen ihr Blumen. Die beiden waren ganz vernarrt in Maya. Als wir bei Francisco ankommen, hat der sogar schon ein Grab geschaufelt. Wir sind froh, dass wir das nicht selbst machen müssen. Es kostet uns schon so viel Kraft, das zuzuschaufeln. Es ist zwar nicht der allerschönste Platz. Die Finca ist neben einer Straße und einer Autowerkstatt. Aber Franciscos Familie ist so herzlich. Sie haben sieben Straßenhunde und vier Katzen. Da ist sie erstens nicht alleine und zweitens bei Leuten, die Tiere genauso lieben wie wir. Wir dürfen sie jederzeit besuchen.

Grenzübertritt von Honduras nach Guatemala bei El Florido

Am 2. Juli 2018 entscheiden wir uns für diese Grenze da sie uns auf den ersten Blick am unkompliziertesten erscheint. Wir parken um 9:45 Uhr vor dem weiß-blauen Gebäude, wo sich Migration und Aduana von Honduras und Guatemala in ein und demselben Gebäude befinden – das hatten wir noch nie! Union Aduanera Guatemala Honduras nennen sie sich, und wir sind begeistert von dem Zusammenschluss. Innerhalb von knapp 15 Minuten sind wir aus Honduras aus- und in Guatemala eingecheckt. Der Schalter der Aduana ist für beide Länder ein und derselbe, und es hätte tatsächlich unkompliziert und schnell gehen können, wenn man nicht dazwischen wieder Kopien bräuchte, und zwar vom Salida- und Entrada-Stempel des Fahrzeughalters, also Christoph. Dazu muss man 200m nach Guatemala marschieren, wo sich eine junge Frau in ihrem Wohnzimmer eine kleine Kopierstube eingerichtet hat. Man kann sich mit stapelweise Kopien von Fahrzeugschein, Fotoseite des Reisepasses und Führerschein ausrüsten, aber man braucht sicher mindestens eine Kopie des Stempels, den man gerade gekriegt hat, und meistens mehrere des TIPs.

Als wir zurück an den Schalter der Aduana kommen, müssen wir erstmal anstehen und hoffen, dass auch bald der Mann vor uns zum Kopieren geschickt wird. Da wir den TIP für Guatemala ja schon haben, hoffen wir, schnell durch zu sein. Wir haben den damals suspendiert, als wir ausgereist sind, weil man sonst drei Monate nicht nach Guatemala zurück einreisen kann. Die junge Frau geht mit uns kurz raus und vergleicht Muggls Kennzeichen und die Fahrgestellnummer, wobei wir uns bei der Frau entschuldigen, weil Muggl schon arg dreckig ist. Als wir in der vereinigten Grenze fertig sind, werden wir doch noch in ein kleines Büro neben der Migration geschickt, wo wir unseren TIP für Honduras schließen müssen. So ganz durchdacht ist das mit der vereinigten Grenze also doch nicht. Auch hier geht es aber schnell, und der Mann macht, wie fortschrittlich, die Kopien, die er braucht, selber. Der Mann, der uns dann die Schranke nach Guatemala öffnet, will noch eine Kopie unseres reaktivierten SATs (das ist der TIP, heißt in Guatemala nur anders), und dann sind wir auch „schon“ durch. In Guatemala ist man nicht verpflichtet, eine Autoversicherung zu haben, und nachdem wir auch nicht nach einem Versicherungsbüro suchen wollen, das es eh nicht gibt, fahren wir gleich weiter. Total Zeit: 1 Std. 17 min. Davon waren ca. 25 Minuten Wartezeit. Zahlen müssen wir nichts außer 20 Quetzales für die Kopien.

Grenzübertritt von Guatemala nach Mexiko bei La Mesilla

Der abenteuerlichste Grenzübergang erwartet uns: eng und immer enger zum Migrationsgebäude hin. La Mesilla gleicht einem riesigen Marktplatz. Um 12:36 Uhr kommen wir an. Ein freundlicher Beamter im blauen Poloshirt mit aufgesticktem SAT-Emblem begrüßt uns. Er weist uns an, zuerst zur Aduana zu gehen, und fragt, ob wir nach Guatemala zurückkehren wollen. Wir verneinen und entfernen den Aufkleber von unserer Windschutzscheibe, der bis heute dort klebte. Diesen kleben wir auf die Rückseite des SAT-Formulars, das bei der Aduana abgestempelt und behalten wird. Christophs Reisepass interessiert ihn nicht. Danach geht es zur Migration, wo unsere Reisepässe gestempelt werden. Bei der Kontrolle fragt der Beamte nach Whisky und Tabak. Ich sage, Whisky schmeckt uns nicht und rauchen tun wir auch nicht. Das ist nicht mal gelogen, und Christoph raucht nur ab und zu. Trotzdem will er ins Auto schauen, prüft die Kühlbox und schaut in die Schränke. Ins Auto steigt er nicht, es reicht ihm, dass ich die Schränke öffne und erkläre, was drin ist. Mitten im Marktgetümmel gibt es dann wie immer eine Fumigation. Muggl wird diesmal nur mit einem dampfstrahlerähnlichen Gerät besprenkelt, dafür zahlen wir 50 Quetzales.

Um 12:56 Uhr, nach 20 Minuten, verlassen wir den Ort und fahren die 3 Kilometer zur mexikanischen Grenze. Dort schickt uns der Beamte aber erstmal wieder zurück. Der Salida-Stempel hat ein falsches Datum: heute ist der 10. Juli, nicht der 10. Juni! Mist! Einmal nicht aufgepasst, aber das musste ja irgendwann passieren.

Also zurück ins Gewusel. Wir suchen einen Parkplatz, aber der Taxiparkplatz, der zur Hälfte leer ist, wird uns verweigert. Alles Erklären hilft nichts. In der Zeit des Verhandelns wären wir leicht zur Migration marschiert und hätten einen neuen Stempel bekommen. Ich laufe die Straße hinunter zu dem freundlichen alten Verkehrslotsen, der uns vorhin noch Richtung Ortsausgang gewunken hat. Er versteht sofort. Wir parken am Hinterausgang eines Supermarktes, der sonst wohl eine Ladezone ist.

Bei der Migration ist es dem Mitarbeiter sehr unangenehm. Er entschuldigt sich mehrmals für sein Malheur. Der falsche Stempel wird für ungültig erklärt, und ein neuer kommt rein. Gut, das war einfach. Jetzt gibt es erstmal eine Taco-Pause!

Um 14:45 Uhr stehen wir wieder beim Mexikaner vor der Migration, und mit uns ein Minibus. Das war ja klar. Ich frage mich, wie viele Menschen in einem Minibus Platz haben. Wir warten gut 35 Minuten, bis wir endlich dran sind, und bekommen dann den klassischen Zollzettel zum Ausfüllen. Immerhin müssen wir uns danach nicht mehr ganz hinten anstellen, sondern werden dazwischen gewunken. Danach noch schnell zur Aduana und fragen, ob jemand Muggls Aufenthaltsgenehmigung sehen will. Der Beamte erklärt uns, dass er für 10 Jahre einfach rein und raus darf, so oft und wann er will. Dafür hat er bei seiner ersten Einreise einen Aufkleber auf die Windschutzscheibe bekommen. Na, der hat’s leicht!

Um 15:26 Uhr sind wir endlich fertig und machen uns auf den Weg nach San Cristóbal de Las Casas. Fast jedenfalls, denn weit kommen wir nicht. Die erste Militärkontrolle erwartet uns schon drei Kilometer nach der Grenze. Ach, wie haben wir das vermisst. „Revisión del vehículo“ heißt es, und ich mache geduldig die Schiebetür auf. Sie ist kaputt, sage ich, und der neugierige Mexikaner hilft mir, sie anzuheben. Ja, neugierig sind sie, die jungen Soldaten des Militärs, aber auch sehr höflich. Sein Kollege steigt hinein und sieht sich um. Er öffnet vorsichtig den Kleiderschrank und verschließt ihn danach auch wieder sorgfältig. Trotzdem kommt uns diese Militärkontrolle ernsthafter vor als die, die wir bisher auf der Baja hatten. Zwei Militärs laufen mit Hunden am Kontrollposten herum, und als wir weiterfahren, sehen wir am Ende der Absperrung ein Nagelbrett liegen.

Total Zeit ohne Militärkontrolle: 2 Stunden 45 Minuten, aber mit Taco-Pause. Hätte der Beamte auf der guatemaltekischen Seite seinen Stempel nicht falsch eingestellt, hätte das unser schnellster Grenzübergang werden können.

Grenzübertritt von La Hachadura Guatemala nach El Salvador

Am 8. Mai 2018 erreichten wir den Grenzübergang La Hachadura von Guatemala nach El Salvador. Schon von weitem sahen wir das Chaos, das uns erwartete. Wir hatten gelesen, dass man einfach an den LKWs vorbeifahren sollte. Also passierten wir die etwa drei Kilometer lange Lastwagenschlange und erreichten die guatemaltekische Grenze. Dort checkten wir aus, machten Kopien von Christophs Reisepassstempel und Muggls Aufenthaltsgenehmigung (TIP – Temporary Import Permit) in Guatemala. Glücklicherweise lag der Copyshop direkt gegenüber.

Im Büro des SAT, das für den temporären Fahrzeugimport zuständig ist, erklärte ich, dass wir Muggls Aufenthaltserlaubnis pausieren wollten, da wir auf dem Rückweg erneut durch Guatemala reisen würden. Eine Kündigung oder ein Ablauf der Erlaubnis hätte eine dreimonatige Einreisesperre zur Folge. Am Schalter prüfte ein Mitarbeiter unsere Dokumente und bat uns zu warten. Da alle Sitze besetzt waren, standen wir eine halbe Stunde. Ohne erkennbares System wurden wir schließlich aufgerufen. Eine zunächst grimmig wirkende Beamtin kümmerte sich um uns, überprüfte Muggls Kennzeichen und Fahrgestellnummer und pausierte die Aufenthaltsgenehmigung.

Weiter ging es zum Check-in nach El Salvador. Der knappe Kilometer zwischen den Grenzbüros war voller LKWs, die sich über eine zweispurige Brücke drängten. Da Gegenverkehr aus El Salvador kam, mussten wir uns zwischen den Lastwagen einreihen. Währenddessen unterhielten wir uns mit den Fahrern und erfuhren, dass ein nördlicherer Grenzübergang schneller gewesen wäre. Wir wunderten uns, da wir das einzige Auto waren.

Endlich angekommen, passierten wir eine Schranke, die die offizielle Immigration darstellte, denn Stempel gibt es nicht mehr. Die C4-Länder Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua vergeben gemeinsam ein 90-Tage-Visum, was die Grenzabfertigung beschleunigt – außer für Fahrzeuge. Wegen Muggl mussten wir zur Aduana und ein Formular ausfüllen, das nur auf Spanisch verfügbar war. Zum Glück erhielten wir ein Beispielformular, das uns half, die Fragen zu verstehen. Auch hier wollte der Beamte Muggl sehen und überprüfte die Angaben im Formular, einschließlich Nummernschilder und Fahrgestellnummer. Er suchte sogar nach der Modellbezeichnung, die jedoch nicht vermerkt war, zeigte aber den Willen zur genauen Kontrolle. Danach trug er alles ins System ein, was weitere 15 Minuten dauerte.

Schließlich überprüften wir die Angaben und nach insgesamt gut drei Stunden waren wir endlich fertig.

El Mirador – Die grösste Maya Pyramide der Welt

El Mirador - Eine 100-Kilometer - Wanderung durch den Dschungel Guatemalas

In den ersten Tagen in Guatemala hören wir immer wieder von El Mirador. Die Einheimischen fragen uns, ob wir vorhaben, dorthin zu wandern, da es so beeindruckend sei und die Trockenzeit die beste Zeit dafür wäre. El Mirador ist die größte und bedeutendste Maya-Stätte der Präklassik. Nicht nur die Höhe der größten Pyramide, La Danta, mit etwa 70 Metern ist beeindruckend, sondern auch das Volumen von 2,8 Millionen Kubikmetern. Damit zählt sie zu den größten Pyramiden der Welt. Die mehr als 30 Gebäude sind bisher nur zu einem Bruchteil ausgegraben, und man kann nur erahnen, was unter den bewachsenen Hügeln noch verborgen liegt.

Begeistert von der Idee, erkundigen wir uns, wie und von wo aus man dorthin gelangt. Schnell stoßen wir auf die Organisation Cooperativa Carmelita. Carmelita ist das letzte Dorf vor dem Outback und liegt bereits im Maya-Reservat. Fast das gesamte Dorf arbeitet für die Expeditionen zu El Mirador. Also marschieren wir in Flores ins Büro dieser Cooperativa und informieren uns genauer. Es klingt alles großartig! Die Tour dauert fünf Tage: Am ersten Tag wandert man 17,5 Kilometer, am zweiten Tag 23 Kilometer, dann hat man einen Tag bei den Ruinen und wandert die gleiche Strecke in zwei Tagen zurück. Mulis tragen unser Gepäck, und übernachtet wird in Camps in Zelten.

Wie es der Zufall will, kommt gerade ein Deutscher von der Expedition zurück ins Büro und erzählt ebenfalls begeistert von seiner Erfahrung. Also gut, wir sind dabei. Aber was machen wir mit Maya? Ich frage Juan Carlos, den Mann im Büro, ob er eine Idee hat, was Leute mit Hunden in diesem Fall machen. Kein Problem, meint er. In Carmelita können sie jemanden finden, der fünf Tage auf Maya aufpasst. Das machen sie ab und zu so. Er selbst schaut sich Maya an, da er einen dreimonatigen Pitbull-Welpen hat. Da Maya jedoch mehrmals am Tag Futter braucht und nicht nur morgens und abends, klappt es leider nicht, dass er sie nimmt. Aber er meint, in Carmelita gibt es Familien, die das immer mal wieder machen. Er würde Hugo, den Chef der Organisation, anrufen und uns schon mal anmelden. Hugo wird, wenn wir ankommen, jemanden für uns gefunden haben. Es gibt nur eine Schranke am Eingang zum Reservat, die wir passieren müssen. Dort müssen wir unser Ticket zeigen und sollen nicht sagen, dass wir einen Hund haben. Na gut

Wir bringen schnell die Klamotten, die wir für die Wanderung brauchen, in die Wäscherei, kaufen ein paar Lebensmittel und um 15:00 Uhr geht es schon los nach Carmelita. Gut 80 Kilometer sind es von Flores nach Carmelita. Die Straße ist jedoch sehr schlecht und nicht asphaltiert, sodass wir mit drei Stunden rechnen müssen. Die Fahrt ist schön, wenn auch ziemlich holprig. Es geht durch grüne Wiesen, über Hügel, an Ranchos, Pferde- und Rinderherden vorbei. Ab und zu kommt ein kleines Dorf, wo Kinder, Hunde und Schweine in allen Größen auf den Straßen herumlaufen.

Als wir an der Schranke ankommen, zeigen wir unser Ticket. Der Mann fragt uns nicht nach Haustieren, sondern sagt gleich „Inspektion des Fahrzeugs“, also will er ins Auto schauen. Na bravo! Maya hatte sich während der Fahrt unterm Bett hinter den Campingstühlen versteckt und geschlafen. Ich musste sie kurz suchen und dachte mir, der Hund kann doch nicht während der Fahrt verschwinden! Kurz vor der Schranke ist sie aber wieder hervorgekrochen. Ich mache die Schiebetür auf, und sie liegt neben der Kühlbox ganz flach am Boden, mit dem Kopf zwischen ihren Pfoten und schaut mich mit großen Augen an. Er sieht sie nicht, ich stehe dazwischen, stelle mich dumm und frage, was er denn suchen würde. „Mascotas“, sagt er. Er sieht sie immer noch nicht, aber ich kann jetzt nicht sagen, dass wir keine Haustiere haben. Ich muss sie also verraten.

„Ach so“, sage ich, „das wussten wir gar nicht. Wir haben einen Hund, aber sie ist doch noch ein Welpe. “ Das beeindruckt ihn wenig, und er lässt uns nicht passieren! Damit hatten Juan Carlos und wir nicht gerechnet. Alles Verhandeln hilft nichts, obwohl es in den Dörfern überall Straßenhunde gibt. Wir sind stinksauer, aber wir müssen umdrehen, ob wir wollen oder nicht. Aber was jetzt? Schnell nachdenken, welche Optionen bleiben uns: Zurückfahren und versuchen, unser Geld wiederzubekommen und El Mirador sausen lassen?

Schlussendlich fahren wir ins letzte Dorf zurück und beschließen, jemanden zu suchen, der vertrauenswürdig aussieht und einfach zu fragen, ob jemand auf unsere Kleine für die fünf Tage aufpassen kann. Aber wo anfangen? Auf der Hinfahrt ist uns eine alte Frau aufgefallen, die vor ihrem Haus saß und um sich herum eine ganze Horde kleiner Schweinchen versammelt hatte, die etwa eine Handvoll groß waren. Ich steige die paar Stufen von der Straße zum Haus hinauf, wo mir die Frau schon entgegenruft „Adelante…“, was so viel heißt wie „Hereinspaziert“ oder „Kommen Sie näher“. Ich erkläre auf Spanisch, dass ich eine sehr komische Frage habe, worauf sie entgegnet, keine Frage sei komisch.

Als ich ihr unsere Situation schildere und frage, ob sie jemanden wüsste, überlegt sie kurz und ein Nachbar die Straße hoch fällt ihr ein. Den ruft sie sofort an, und das funktioniert tatsächlich über’s Buschtelefon: Sie ruft „also ohne Telefon“ dem Nachbarn gegenüber zu, der ruft dem Nachbarn daneben zu, der wiederum dem Nachbarn daneben zuruft, bis die Nachricht Raul erreicht, welcher gleich anmarschiert kommt. Ich erkläre die ganze Situation nochmal. Raul zögert nicht lange und ist einverstanden, was auch daran liegen mag, dass wir ihm Geld geboten haben. Aber Maya braucht ja auch Pflege, mehrmals täglich Futter und morgens und abends Antibiotika.

Wir folgen Raul mit Maya und ihren Sachen zu seinem Haus. Es ist eingezäunt, hat er uns erklärt, da können keine anderen Tiere rein. Seine Frau Dora erwartet uns, und eine ganze Schar Kinder folgt uns. Alle sind neugierig, was das für ein spezieller Hund ist, der so viel Spielzeug und eine Tüte Hundefutter und Hundekekse dabei hat. Hier interessieren sich die Leute nicht besonders für Hunde, streicheln tut sie sowieso keiner, und Hundefutter kriegen die in den seltensten Fällen. Raul hat auch einen Hund, und es sieht aus, als würde es ihm recht gut gehen. Er zeigt mir, wo Maya schlafen wird, und ich lege ihre Decke auf den nackten Boden in seinem Wohnzimmer. Mit nacktem Boden meine ich Erde, also kein Beton, Holz oder gar Fliesenboden. Die Leute hier sind sehr arm.

Ihr werdet euch jetzt denken, wie können die nur ihren Hund einfach bei irgendwelchen Leuten lassen? Maya hat die ersten zwei Monate ihres Lebens unter weit schlimmeren Bedingungen gelebt, und wir haben komischerweise ein sehr gutes Gefühl. Ein bisschen traurig war ich natürlich schon, als wir sie zurückgelassen haben.

Also fahren wir ziemlich zügig wieder zurück zum Gate, da es ja schon fast dunkel wird und noch ein ganzes Stück der schlechten Straße vor uns liegt. Der fiese Mann am Gate schaut ziemlich ungläubig drein, als wir schon wieder da stehen. Er will natürlich wieder ins Auto schauen und glaubt mir nicht, dass wir Maya einfach irgendwo abgegeben haben. Er steigt ins Auto und versucht, sie sogar mit Lockrufen aus ihrem Versteck zu kriegen. Nichts zu hören, aber er glaubt uns immer noch nicht! Christoph hat Fotos von uns, Raul und den vielen Kindern gemacht, und wir zeigen sie ihm. Er ist skeptisch, aber ein Kollege erkennt Raul auf dem Bild. Gut, das wäre geklärt. Jetzt muss er aber erst noch etwa zehn Minuten telefonieren, und wir fragen uns, was er da macht?! Es wird schon langsam dunkel, als wir nach insgesamt etwa 20 Minuten endlich weiterfahren dürfen. Welch ein Glück, dass Muggl vier große Scheinwerfer am Hirn hat! Um 20:30 Uhr kommen wir endlich an. Hugo hatte das Büro der Cooperativa schon verlassen, kommt aber gleich angelaufen. So viele Fahrzeuge kommen da vor allem zur Nachtzeit nicht an, sodass unser Eintreffen nicht unbemerkt bleibt.

Er hätte tatsächlich eine junge Frau für uns ausfindig gemacht, die auf Maya aufpasst. Ja, die durchsuchen bei der Einfahrt jetzt die Autos, erkläre ich ihm. Er muss sich da wohl mit Juan Carlos etwas anderes ausdenken. Er erklärt uns, wie der kommende Morgen aussehen wird und wo wir duschen und parken können. Wir sind so kaputt, dass wir es gerade noch schaffen, unsere Sachen für die nächsten fünf Tage zu packen. Dann fallen wir todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen um 7:00 Uhr sind wir mit unserem Gepäck am Büro der Cooperativa. Um 7:30 Uhr werden wir zum Comedor, einer Art Outdoor-Speisesaal im Hinterhof einer Familie, geführt, wo wir Frühstück bekommen (Rührei mit Bohnen und Kaffee). Von jetzt an werden wir die nächsten Tage regelrecht gemästet.

Die anderen Teilnehmer unserer Gruppe kommen alle erst am Morgen aus Flores. Ein Minibus hat sie um 5:00 Uhr abgeholt, und wir sind froh, dass wir schon da sind und nicht so früh aufstehen mussten. Um 8:00 Uhr sollten sie ankommen, wir warten. Langsam kommt unser Team inklusive Mulis an, nur die anderen der Gruppe verspäten sich. Um 9:00 Uhr sind auch sie endlich da, kriegen dann auch erstmal alles erklärt und auch noch Frühstück. Bis wir loskommen, ist es halb 11, und ich habe schon fast wieder Hunger. Als wir losziehen, sind wir eine Gruppe von insgesamt 17 Personen: elf Abenteurer, ein Guide namens Rosa mit Assistent Rodolfo, die Köchin Ingrid mit Hilfsköchin, der Muliführer Giovanni und ein junger Kerl namens Juan, der unser englischer Dolmetscher sein wird, sowie zwei Pferde und fünf Mulis.

Unter den elf Abenteurern sind Eva aus Frankreich (ursprünglich aus Wien), Rafael und Lisi aus Österreich, Nerie aus New York (ursprünglich aus Guatemala City), Johanna und Jannis aus Deutschland, Matthias aus Deutschland, Sophie aus Dänemark, Florian aus Deutschland und wir zwei.

17,5 Kilometer ist unsere heutige Tagesetappe. Relativ schnell wird der Untergrund grob, und man kann an den tiefen Furchen erkennen, wie tief der Schlamm in der Regenzeit hier ist. Der eingetrocknete Boden ist hart wie Teer, und wir balancieren geschickt darüber. Man muss immer aufpassen, wo man hintritt, sodass gar nicht viel Zeit bleibt, die Landschaft zu bewundern, die zwar die ganze Zeit aus Wald besteht, trotzdem aber schön ist. Die beiden Köchinnen sind uns mit Pferd kurz voraus und versorgen uns unterwegs mit frischen Früchten und Sandwiches. Unsere Guides schleppen Wasserflaschen mit, die wir unterwegs auffüllen können. So wandern wir unter dem Schatten der Bäume durch den Dschungel und finden es trotz der brennenden Sonne eigentlich ganz angenehm. Moskitos und sonstige Plagegeister gibt es hier während der Trockenzeit zum Glück nicht, was leider auch auf das übrige Tierleben zutrifft. Die Wildtiere sind zu dieser Zeit in höheren Lagen in den Bergen, wo sie mehr Wasser zur Verfügung haben. So bleibt nur denen, die ganz vorne laufen, mal ein flüchtiger Blick auf eine kleine Schlange oder den ein oder anderen Wildfasan.

Gegen 16:00 Uhr kommen wir in der Mayastätte El Tintal an, wo wir von Brüllaffen begrüßt werden. Kurz bevor wir das Camp betreten, erklärt uns Rosa noch etwas zu den Mauerresten, auf denen wir gerade stehen, als uns ein junger Mann mit blonden, zerzausten Haaren, Poncho, kurzem Lederlendenschurz mit nichts drunter und barfuß entgegenkommt. Er grüßt, als wäre es das Normalste auf der Welt, halbnackt durch den Dschungel zu laufen. Wir grüßen zurück und versuchen, unsere Aufmerksamkeit bei Rosa zu lassen, was uns aber nicht wirklich gelingt. Immerhin schaffen wir es, uns solange zusammenzureißen, bis er außer Hörweite ist, bevor wir in lautes Gelächter ausbrechen. Christoph hat in diesem Moment die GoPro laufen, das Video müsst ihr euch unbedingt ansehen!

Er hat definitiv unseren Tag gemacht! Als wir dann endlich unser Camp erreichen, erwarten uns Zelte mit Matratzen, Kissen und Decken, Hängematten, Erfrischungsgetränke und wieder frische Früchte. So kann man es aushalten! Es gibt Regenwasserduschen und ein Plumpsklo. Die Küche ist rustikal, und gekocht wird am offenen Feuer, wo unsere Köchinnen schon das Abendessen zubereiten. Wir ruhen uns erstmal kurz aus und laufen dann nur ein kleines Stück zur Pyramide El Tintal zurück, wo wir uns den Sonnenuntergang anschauen. Auch unser Freund im Lendenschurz ist wieder da, diesmal mit einer Rassel. Er summt irgendeine Melodie und rasselt dazu. Wir müssen uns schon wieder zusammenreißen, zu komisch ist dieser Anblick, vor allem weil es ihm richtig ernst scheint. Er sagt ganz ernst, diese Erfahrung „is already life changing“. Na dann warten wir mal, bis uns die Erleuchtung kommt oder sich unser „life changed“.

Alt werden wir an diesem Abend nicht, außerdem müssen wir morgen früh raus, da der längste Abschnitt noch auf uns wartet. Um 5:00 Uhr aufstehen, das Gepäck abgeben, damit die Mulis bepackt werden können, 5:30 Uhr Frühstück mit Rührei, Reis und Bohnen, 6:00 Uhr Abmarsch. 23 Kilometer liegen heute vor uns. Der Weg wird aber besser, den erhärteten schlammigen Abschnitt haben wir weitgehend hinter uns, und es geht den ganzen Weg ziemlich eben dahin, was es leichter macht. Unsere Gruppe hat so ziemlich das gleiche Tempo, sodass niemand zurückbleibt, und wir zügig vorankommen. Etwa sieben Stunden marschieren wir an diesem Tag und sind froh, als wir endlich das Camp in El Mirador erreichen. Es ist etwas rustikaler als das erste, trotzdem aber sehr gut organisiert. Auch hier stehen uns wieder Zelte mit Matratzen, Decken und Kissen zur Verfügung. Zum Duschen gibt’s einen Eimer Wasser pro Person. Royal Turkeys, das sind bunte wilde Truthähne, ziehen durchs Camp und suchen nach Futter.

Wir rasten erstmal, bevor wir zum Sonnenuntergang die 20 Minuten zur höchsten Pyramide La Danta aufbrechen. Raus aus den Wanderschuhen, und ich haue mir gleich mal am ersten Stein, der mir in die Quere kommt, den kleinen Zeh auf. Ein Hautfetzen hängt weg, und er blutet. Sch…! Damit die nächsten drei Tage noch etwa 50 Kilometer wandern, mir wird schon ganz schlecht. Also verarzte ich mich mal so gut es geht, klappe den Hautfetzen wieder dahin, wo er hingehört, und bandagiere ihn mit Compeed Blasenpflaster, das ich erst nach der Expedition wieder abmache. Zähne zusammenbeißen und durch.

Steil gehen die Stufen das letzte Stück zur Pyramide hoch. Oben angekommen, ist der Blick über den Dschungel faszinierend. Wir haben schönes Wetter und können recht weit sehen. Nicht dass man da viel sieht, weil weit und breit ja nichts kommt. Es ist einfach schön ruhig, keine Autos, keine Musik, nur unsere Gruppe, die sich immer noch über den blonden Typ im Lendenschurz lustig macht, den wir mittlerweile „the golden Mayan“ nennen! Wir sind eine tolle Truppe und lachen viel miteinander, und jeder von uns wartet auf’s life changing. Am nächsten Tag, es ist Sonntag, der 25. März und Christophs Geburtstag, stehen wir früh auf, um uns auch den Sonnenaufgang auf der Pyramide anzuschauen. Da hat er sich schon eine ziemlich coole Geburtstagslocation ausgesucht.

Heute erkunden wir die Stätte und wandern von Ausgrabung zu Ausgrabung und von Pyramide zu Pyramide. Das Gelände ist riesig. Spydermonkeys beobachten uns und protestieren immer dann, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Ihr werdet euch jetzt denken, wie sieht das denn aus, wenn Spydermonkeys protestieren? Die hängen sich mit Armen, Beinen und Schwanz in die Bäume und rütteln wie verrückt daran herum, bis Äste abbrechen, und werfen diese dann runter! Runter kommen die Burschen zwar nicht, aber wir machen trotzdem einen Bogen um sie. Knapp 14 Kilometer laufen wir auch an diesem Tag, und ich bin froh, dass es abgesehen von ein paar Stufen eben dahin geht. Der Zeh tut nämlich schon ziemlich weh. Am nächsten Tag steht nochmal ein hartes Stück an. Wir stehen wieder früh auf und marschieren um 6:30 Uhr zurück zum ersten Camp El Tintal. Es ist für uns schon anstrengend, aber den anstrengendsten Part haben definitiv die beiden Köchinnen. Sie sind jeden Tag schon um 4:00 Uhr wach, heizen das Feuer an und kochen für uns. Sie marschieren den gleichen Weg wie wir, auch wenn sie abwechselnd auf einem Pferd reiten, aber Pausen haben die beiden kaum, denn wenn wir im Camp ankommen, sind sie schon da und haben schon wieder Snacks für uns vorbereitet. Wir werden so gut umsorgt, dass wir trotz der Anstrengung sogar noch ein bisschen zunehmen!

Unser Dolmetscher Juan, ein 19-jähriger El Salvadorianer, der die Tour schon etwa sechs Mal mitgemacht hat, hat uns für unseren letzten Abend im Camp Bier organisiert. Und was gibt es Schöneres als ein kaltes Bier nach anstrengender sportlicher Betätigung! Es gibt genau ausreichend Hängematten, sodass jeder von unserer Gruppe richtig entspannen kann. Wir hatten richtig Glück, zum einen so coole Leute in unserer Gruppe zu haben, zum anderen die einzige Gruppe gewesen zu sein, die am 23. März gestartet ist. Uns kommen auf dem Rückweg mehrere Gruppen mit bis zu 20 Personen entgegen, da es auf Ostern zugeht und die Guatemalteken Ferien haben.

In jedem Camp, das wir erreichen, muss sich jeder in ein Buch eintragen, mit Namen, Reisepassnummer und Herkunftsland. Für den Fall, dass jemand unterwegs verloren geht, kann man wenigstens nachvollziehen, wo er verloren gegangen ist. Ich entdecke einen Eintrag von einer Person namens AXXA aus dem Herkunftsland Atlantis. Seitdem nennen wir unsere Gruppe „Brothers from Atlantis“. Wir verbringen einen äußerst amüsanten letzten Abend, denn wir mussten ja Christophs Geburtstags-Weinflasche noch austrinken, für die wir am Vortag einfach zu müde waren. Außerdem gab es, wie die letzten vier Tage auch schon, ein wenig Gras, und so kam eins zum anderen, während wir immer noch auf das lebensverändernde Erlebnis warteten.

Die 17,5 Kilometer am letzten Tag ziehen sich endlos hin, und ich kann es kaum erwarten, Maya wieder abzuholen. Wir hatten die ganze Zeit ein gutes Gefühl und waren froh, sie bei Raul und seiner Frau Dora gut untergebracht zu wissen. Ich bin gespannt, ob sie sich freut, uns zu sehen, und wie es ihr ergangen ist. Als wir nach drei Stunden endlich die ersten Häuser von Carmelita entdecken, ist die Erleichterung groß. Wir bekommen noch ein Mittagessen zum Abschluss und dürfen im kleinen Hotel der Kooperative duschen. Auch unser Guide Rosa hatte Spaß mit uns und meinte, sie hätte noch nie eine Gruppe gehabt, die sich so gut verstanden und so viel Spaß miteinander gehabt hätte. Wir verabschieden uns vorerst von den „Brothers of Atlantis“ mit der Aussicht, uns in Flores wiederzutreffen, da jeder den gleichen Weg hat.

Gerade als wir Carmelita verlassen wollen, werden wir noch aufgehalten. Ein Arbeiter fragt, ob wir ihn ein Stück mitnehmen können; er müsse nach Flores und hat jetzt zwei Wochen Ferien. Gut, wir haben zwar keinen Sitz, aber er kann gerne auf der Kühlbox mitfahren. Also hüpft er die nächsten drei Stunden mit uns mit. Als wir Maya abholen, rennt sie gerade über Rauls Grundstück, eines der Kinder hinterher. Es geht ihr bestens, und sie freut sich wahnsinnig, uns wiederzusehen. Ich finde, sie ist gewachsen, vor allem ihre Pfoten sind größer geworden. Sie hatte immer zwei Flecken am Kopf zwischen den Ohren, wo das Fell weg war, die sind nun verschwunden. Ja, sie sieht richtig gut aus! Dora gibt mir ihre Sachen; sie haben noch die Leine und das Handtuch gewaschen und Maya gebadet. Wir freuen uns sehr, dass wir so kurzfristig einen schönen Platz für sie gefunden haben, und sie haben sich offensichtlich sehr um sie gekümmert.

Am Abend treffen sich die „Brothers from Atlantis“ noch zum Abschied in der Sky Bar in Flores. Wir beschließen, in Kontakt zu bleiben, und einer von den Verrückten, nämlich Nerie, bucht noch an dem Abend in der Bar auf dem iPhone einen Flug für September in die Schweiz. So viel Spontanität habe ich noch nie erlebt! Jannis schlägt vor, ihn mit uns am 18. September 2018 um 11:00 Uhr am Flughafen in Zürich abzuholen. We’re looking forward

Grenzübertritt Belize nach Guatemala bei Melchor de Mencos

Am 19. März brechen wir in San Ignacio zur guatemaltekischen Grenze bei Melchor de Mencos auf. Der Übergang ist klein und voller Autos und kleiner LKWs. Wir parken Muggl rechts vor dem Gebäude und füllen zunächst einen Fragebogen aus: Wo waren wir, wo haben wir übernachtet (Hotels oder Camping), welche Sehenswürdigkeiten haben wir besucht und wie viel Geld haben wir ausgegeben? Danach erhalten wir am Schalter den Ausreisestempel. Christoph muss noch in ein Zimmer hinter den Zöllnerkabinen, um Muggl auszuchecken, da Muggl in seinem Reisepass eingetragen ist. Ich warte zwischen den Grenzen, da ich nicht zurück darf. Hoffentlich dauert es nicht lange, denn Maya wartet im Auto, und es ist ziemlich warm. Nach zehn Minuten kehrt Christoph zurück, und wir fahren weiter.

Bevor wir in Guatemala einchecken, zahlen wir 4 Dollar, und Muggl wird erneut besprüht. Dann parken wir gegenüber der guatemaltekischen Migration. Das Gebäude ist offen und übersichtlich: drei Warteschlangen und eine Kasse. Wir checken ein und erhalten 90 Tage für die C4-Länder: Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua. Danach zahlen wir für Muggl an der Kasse und kehren zu unserem Schalter zurück. Der Beamte wirft einen kurzen Blick auf Muggl, will nicht ins Auto schauen und fragt nicht nach Haustieren. Nach insgesamt 50 Minuten ist alles erledigt, und wir fahren weiter. Wir haben Maya quasi geschmuggelt, obwohl wir vorher beim Tierarzt ihre Reisepapiere geholt haben. Auch gut.

Das Versicherungsbüro, das laut iOverlander 200 Meter nach der Grenze auf der rechten Seite sein soll, finden wir nicht. Ich frage herum, aber niemand kennt es. In Flores versuchen wir es erneut, finden das Büro, doch es wirkt seit Langem geschlossen. Da für Guatemala keine Versicherung vorgeschrieben ist, lassen wir es bleiben.

Gesamtzeit: knapp eine Stunde!