Nächster Vortrag - Sahara Club Treffen 19.-22. Juni 2025

Die Polizei, dein Freund und Helfer

Das erste Mal in eine Polizeikontrolle geraten wir im Süden Mexikos – und das ausgerechnet an dem Tag, an dem wir nach Belize ausreisen wollen! Auf Baja California gab es ein paar Militärkontrollen und auch auf dem Festland einige Polizeicheckpoints. Meistens wurden wir durchgewunken, ab und zu befragt, woher wir kommen und wohin wir wollen. Manchmal wollte ein besonders neugieriger Polizist einen Blick in unseren Campervan, Muggl, werfen. Aber eine richtige Polizeikontrolle erlebten wir erst nach etwa 40.000 Kilometern. Nichts in den USA, nichts in Kanada!

Neues Spielzeug bekommen

Es ist Dienstagmorgen, der 20. Februar. Wir haben uns in Chetumal auf den heutigen Grenzübertritt nach Belize vorbereitet und fahren gerade auf der Avenida Insurgentes Richtung Süden, als uns eine Polizistin anhält. „Na bravo“, denken wir uns, „das hat uns gerade noch gefehlt. “ Ausgerechnet am letzten Tag erwischt es uns noch, und ich mache mich auf Verhandlungen mit korrupten Polizeibeamten gefasst. Die junge Beamtin meint, wir wären zu schnell gewesen, und grinst dabei. Ich frage, wie schnell wir denn waren, bekomme aber keine Antwort. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir zu schnell waren, außer diese breit ausgebaute Avenida wäre unsinnigerweise eine 30er Zone. Den Mexikanern traue ich ja alles zu. Wir sind erst etwa vier Kilometer gefahren, und Christoph fährt Muggl immer ganz langsam warm. Also frage ich nochmal, um wie viel wir denn zu schnell waren. Wieder keine Antwort. Die Polizistin scheint sehr amüsiert, und eine mexikanische Polizeikontrolle habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Hinter der Beamtin tritt ein Polizist hervor, auch er grinst und sagt, wir wären zu schnell gefahren, aber auch er gibt uns keine Antwort, wie schnell wir waren. Mir kommt das alles ganz komisch vor. Als der Polizist einen Schritt zur Seite tritt, sehe ich die Polizistin wieder, in der Hand eine Laserpistole, mit der sie auf das nächste Fahrzeug zielt. Jetzt ist mir alles klar: Die haben gerade neue Laserpistolen bekommen und finden das neue Spielzeug ganz toll. Man drückt uns einen Zettel in die Hand, auf dem steht, man solle doch bitte die Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts respektieren, und wünscht uns gute Fahrt und einen schönen Tag. Wir sind sprachlos, aber happy zugleich und verlassen Mexiko, ohne auch nur einen der berühmt-berüchtigten korrupten Polizisten getroffen zu haben.

Es gibt Sie doch

In Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras lässt uns die Polizei ganz in Ruhe. Obwohl es in Guatemala sehr viel Polizeipräsenz und Kontrollen gab, sind Touristen gänzlich uninteressant. Die erste korrupte Polizei begegnet uns tatsächlich in Nicaragua, und ich wundere mich schon ein bisschen, dass die trotz der Unruhen im Land noch Zeit haben, Touristen abzuzocken! Es ist Mittwochvormittag, der 16. Mai, und wir verlassen León Richtung Süden. Am Ortsausgang stehen zwei Polizisten und halten uns an. Einer kommt ans Fenster und meint, wir wären über eine durchgezogene Linie gefahren. Klar, sage ich, muss man hier ja, sonst kann man die Spur nicht wechseln, und wir wollen ja nach Granada und nicht nach León, denn da kommen wir ja gerade her. Eine kurze Diskussion hin und her, er will 20 US-Dollar von uns und winkt mit einem gelben Zettel, der das Ganze offiziell aussehen lassen soll. Ich sage, wir hätten kein Bargeld und verlange einen Einzahlungsschein für die Bank, dann würden wir unsere Strafe natürlich ganz ordnungsgemäß bezahlen. Er geht weg und diskutiert kurz mit seinem Kollegen, dann werden wir weitergewunken. Netter Versuch


Wir warnen gleich die anderen Overlander, die wir in León getroffen haben, denn die wollen am nächsten Morgen in die gleiche Richtung, und tatsächlich erwischt es einen von denen auch. Mit 100 US-Dollar hatten sie es versucht. Muss wohl am Sprinter liegen. Da kommt uns Muggls Alter und dass er schon so verkratzt und verbeult ist, zugute, was das Schmiergeld etwas schmälert. Aber auch die beiden machen es uns nach, verlangen einen Einzahlungsschein und werden weitergeschickt. Bei der Rückfahrt durch Nicaragua sechs Wochen später und in der fortgeschrittenen Krise lässt sich kein Polizist auch nur irgendwo sehen. Die Polizisten sind unter der totalen Kontrolle der diktatorischen Regierung und somit Feind der Bevölkerung, sodass sich die Polizei nicht mehr auf die Straßen traut.

Das nächste Mal besucht uns die Polizei am 23. Mai in einer regnerischen Nacht am Coyote Beach auf der Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Wir hatten einen schönen sonnigen Tag am Strand, und als es gegen halb acht zu regnen anfängt und außerdem schon dunkel ist, gehen wir ins Bett. Um kurz nach neun, uns kommt es vor wie mitten in der Nacht, weil wir ja schon geschlafen haben, weckt uns eine Polizeisirene mit zusätzlicher Discobeleuchtung auf. Das kommt einem schon ein bisschen beängstigend vor, wenn einen die Polizei mit vollem Programm besucht. Ich steige aus, und Christoph meint erst noch zu mir: „Du machst das schon. “ „Spinnst du? Du kommst gefälligst mit raus“, erwidere ich.

Der jüngere der beiden Polizisten ist sehr nett und fragt, ob alles in Ordnung ist, wer wir sind, was wir machen und wie lange wir hier bleiben wollen. Ein anderer, etwas grimmig dreinschauender älterer Polizist verlangt unsere Reisepässe und verschwindet damit. Wir stellen uns unter Muggls Markise und unterhalten uns mit dem jungen Polizisten, der uns erzählt, dass er schon mal in Hamburg war, aber im Herbst, was wohl ein rechter Temperaturschock für ihn gewesen sein muss! Der grimmige kommt wieder und belehrt uns, wie gefährlich es hier wäre und dass ja Raub und Raubmorde im ganzen Land immer wieder vorkämen. Ich verkneife mir zu sagen, dass wir schon fünf Monate in Mexiko überlebt haben und fast zwei in Guatemala. Der junge Polizist hat uns ja schon ausgiebig befragt und erklärt ihm, wir würden ja morgen früh weiterfahren. Der grimmige fragt, ob wir Waffen oder Drogen haben. Wir verneinen, und offenbar glaubt er uns, denn wir werden nicht durchsucht. Er gibt uns unsere Reisepässe zurück und murmelt eine Verabschiedung, bevor er hinter Muggl verschwindet. Der junge Beamte verabschiedet sich mit Handschlag, wünscht uns eine gute Nacht und eine gute Weiterreise.

Mit Costa Rica geht es auch gleich weiter. Am 4. Juni campen wir mit anderen Overlandern mitten in San José am Ende einer Straße hinter einem Walmart inmitten grüner Wiesen. Wir stehen gerade mal eine Stunde, es ist schon dunkel, als fünf Polizisten auf drei Motorrädern ankommen. Und ich sage noch: „Gut, dass die jetzt schon kommen und uns nicht mitten in der Nacht rausklopfen. “ Sie fragen, wo wir herkommen, und wollen unsere Ausweise sehen. Es wäre nicht gut, dass wir hier stehen, wir sollen doch lieber rüber zum Walmart-Parkplatz fahren, da wäre ein Wachmann, das wäre sicherer. Dass der Walmart für uns nicht infrage kommt, war uns vorher schon klar, und ich antworte, wir würden lieber hier stehen bleiben, weil es viel ruhiger ist und auch nicht so hell beleuchtet wie auf dem Parkplatz vom Walmart. Außerdem sind wir ja zu zweit. Begeistert sind sie zwar nicht, trotzdem lassen sie uns hier parken und verschwinden wieder. Wir haben tatsächlich eine sehr ruhige Nacht, und am Morgen gegen sieben Uhr kommt eine neue Truppe vorbei, diesmal vier Polizisten auf zwei Motorrädern, um zu sehen, ob wir noch leben und auch noch vollzählig sind. „Ob alles gut ist? “, fragen sie. „Ja, alles bestens“, antworten wir. Einer der Polizisten verabschiedet sich sogar mit „Auf Wiedersehen“ und „Gute Reise“ auf Deutsch!

Das nächste und das letzte Mal sind wir in Panama dran, und zwar gleich ein paar Kilometer nach der Grenze. Panama ist sehr strikt, was Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht, und komischerweise herrscht auf vielen Straßen außerhalb der Ortschaften eine Höchstgeschwindigkeit von nur 40 km/h! Das wurde uns ca. 15 Minuten nach der Grenze fast zum Verhängnis. Mit 67 km/h wurden wir „gelasert“. Ja, richtig gelesen, die Verkehrspolizei in Panama benutzt Laserpistolen! 50 US-Dollar sollte das kosten. Der Polizist sieht in Christophs Pass, dass wir heute erst eingereist sind, und fragt, wie lange wir schon hier wären. „Höchstens 20 Minuten“, sagen wir. „Ohhh“, erwidert er und sagt, er müsse uns ein Ticket schreiben und erklärt, dass wir bis zu unserer Ausreise Zeit hätten, es zu bezahlen, und fängt schon damit an. Wir sind enttäuscht über uns, weil wir nicht aufgepasst haben, und über die Sinnlosigkeit einer Begrenzung von 40 km/h auf dieser schnurgeraden und gut ausgebauten Straße. Der Beamte verschwindet kurz, und ich glaube, er hat sich in dem Moment von seinen Kollegen, es waren insgesamt drei oder vier Polizisten, das Okay geben lassen, uns ziehen zu lassen, denn als er zurückkommt, erklärt er, dass er uns kein Ticket ausstellen wird, aber wir sollen auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen achten! Wir können es kaum glauben, sind erstmal sprachlos und bedanken uns eindringlich bei dem freundlichen Polizisten, der uns an unserem ersten Tag in Panama so herzlich begegnet ist.

Auf der Rückreise durch Costa Rica, Nicaragua, Honduras und Guatemala gibt es keine Polizei- oder Militärkontrollen. Erst in Mexiko wird es wieder lustig. Auf der Fahrt von La Mesilla nach San Cristóbal de las Casas in Chiapas, das sind 176 km, kommen wir an drei Militärkontrollen, einer Polizeikontrolle und einem sehr modernen Polizeicheckpoint vorbei. Die drei Militärkontrollen sind, wie wir es schon von Baja California gewohnt sind, neugierige junge Männer, die einfach interessiert, wie ein Campervan von innen aussieht. Die Polizeikontrolle mustert uns nur von außen und winkt uns durch, ohne irgendetwas zu fragen. Am modernen und noch sehr neu aussehenden Checkpoint, wo jeder durch muss, kommen wir uns vor wie an einer Mautstation. Man fährt an die Schranke, wo man auf einen Buzzer drücken muss, der entscheidet dann nach Zufallsprinzip, ob wir kontrolliert werden oder weiterfahren dürfen. Ein grünes oder rotes Licht zeigt an, ob man kontrolliert wird oder nicht. Bei uns leuchtet es natürlich rot. „Bravo“, denken wir, und ein überdurchschnittlich großer Mexikaner (vermutlich der größte Mexikaner aller Zeiten) bittet uns, die Schiebetür zu öffnen. Es kommen aber nur die üblichen Routinefragen, die man sonst auch schon immer gestellt bekommt: Woher? Wohin? Haustiere? Tabakwaren? … etc. Von so einer professionell, ja sogar fast bedrohlich aussehenden Kontrollstation hätte ich fast erwartet, dass sie uns das halbe Auto ausräumen lassen, aber nichts. Auch hier werden wir mit „Buen Viaje“ verabschiedet.

Unser fazit

Wir haben bis auf die Situation in Nicaragua nur positive Erfahrungen mit Polizei und Militär gemacht. Die Menschen sind uns freundlich und höflich begegnet, was vielleicht auch ein bisschen an unserem Reisemobil lag. Das kann ich mir mit einem neueren und/oder größeren Fahrzeug auch anders vorstellen, wie ja auch die Erfahrung unserer Reisefreunde im Sprinter gezeigt hat, von denen 100 US-Dollar für das gleiche „Vergehen“ gefordert wurden. Trotz allem würden wir empfehlen, immer mit ins Fahrzeug zu gehen, wenn jemand hineinsteigen will. Theoretisch muss man sie ja gar nicht reinlassen, aber wir denken einfach, es könnte uns verdächtig machen, wenn wir Nein sagen würden. Polizisten sowie Militärs haben IMMER gefragt, ob sie reinschauen oder reingehen dürfen, wobei nie ein Polizist reingegangen ist, sondern nur Militärs. Außerdem haben wir immer laminierte Kopien unserer IDs und Führerscheine gezeigt. Nur einmal ist das einem Polizisten in Mexiko aufgefallen, und er wollte das Original sehen. Es zu sehen reichte ihm dann auch, er hat es nicht genommen. So war es bei uns. Wir haben aber auch schon Geschichten gehört, wo Reisende ihre Originaldokumente „freikaufen“ mussten oder jemandem bei einer Kontrolle etwas untergejubelt wurde. Man sollte generell vorsichtig sein, aber man muss unserer Erfahrung nach keine Angst davor haben. Ich beginne jede Begegnung immer mit einem Späßchen, was die Situation in der Regel gleich zu Beginn auflockert. Das hilft übrigens auch bei Grenzübergängen und ist natürlich einfacher, wenn man ein bisschen Spanisch spricht.

Grenzübertritt von Panama nach Costa Rica bei Paso Canoas

Die schnellste Grenze auf unserer bisherigen Reise

Am 15. Juni 2018 fahren wir bis unter den Bogen vor und parken am linken Streifen als vorderstes Fahrzeug an der roten Linie. Ein freundlicher und hilfsbereiter offizieller Grenzhelfer erklärt uns, was zu tun ist. Ich frage, ob es eine Wartefrist gäbe, wenn wir das Fahrzeug jetzt ausführen und wiederkommen möchten, da wir noch nicht wissen, ob Nicaragua uns reinlässt. Er erkundigt sich für uns, sodass wir sicher keine Probleme bekommen, und sagt, dass der TIP dann einfach wieder von vorne anfängt und es keine Wartezeit gäbe. Somit ist Guatemala zu diesem Zeitpunkt das einzige Land in Zentralamerika, wo man den TIP nicht schließen darf, wenn man innerhalb von drei Monaten zurückkommen möchte; man muss ihn pausieren und bei Wiedereintritt aktivieren.


Er schickt uns zum Aduana-Schalter, wo wir einen Stempel auf den TIP bekommen. Dann wirft er mit einem Kollegen einen Blick auf Muggl, signiert den Stempel und schickt uns zur Migration, wo wir auschecken müssen. Es wird ein Foto von uns gemacht und unsere Fingerabdrücke werden genommen. Mit dem Ausreisestempel müssen wir wieder zurück zur Aduana, der Beamte kontrolliert Christophs Pass und behält das abgestempelte TIP-Formular. Das ging schnell, obwohl wir zwischendurch noch auf dem Klo waren.

Weiter geht’s nach Costa Rica. Zwischen den Grenzen gibt es eine Fumigations-Station, und obwohl uns keiner deutet, dorthin zu fahren, machen wir es trotzdem. Wir wollen ja nicht, dass uns jemand hinterherrennt oder -schreit. Der Mensch notiert unser Kennzeichen, signalisiert, dass wir die Fenster schließen sollen, und Muggl wird einmal mehr entlaust. Kosten tut es nichts. Gleich danach kommt auf der rechten Seite ein grünes Gebäude, es sieht zwar nicht so aus, aber es ist die Grenze. Rundherum Parkverbotschilder, und wir fragen uns, wie wir das jetzt machen sollen, als ein freiwilliger Grenzhelfer uns deutet, dass wir im Parkverbot parken sollen. Man braucht gar nicht erst versuchen, das zu verstehen.

Es ist nicht leicht, die freiwilligen Grenzhelfer von den offiziellen zu unterscheiden. Die freiwilligen, wenn sie fair sind, geben sich vorher zu erkennen, indem sie sagen, sie würden uns für einen Tip (Trinkgeld) oder ein regalo (Geschenk) helfen. Nach fast 20 Grenzübergängen auf dieser Reise brauchen wir keine Hilfe mehr. Anfangs war das zwar ein bisschen mühsam, aber nur so lernt man und merkt sich auch, wie es funktioniert. Wir marschieren zur Migration und checken uns ein. Costa Rica hat bei der letzten Einreise schon nach einem Rückflugticket gefragt, es reicht aber auch, wenn man sagt, man reist im eigenen Fahrzeug. Diesmal wollte der Beamte den Fahrzeugschein nicht mal sehen. Wir kriegen unsere Stempel und müssen ums Eck, etwas versteckt, zur Aduana, um den TIP zu reaktivieren. Denn auch wenn man den TIP bei der Ausreise aus Costa Rica nicht pausieren hätte müssen, haben wir es trotzdem getan und sind somit jetzt schneller. Dazu müssen wir das Antragsformular und einen Importzettel ausfüllen. Er will den Versicherungsschein sehen, den wir ja vom letzten Mal noch haben. Er kontrolliert die VIN-Nummer und schaut sich Muggl kurz von innen an. Ein kurzer Blick in den Kühlschrank, den hatte sich schon lange niemand mehr angeschaut, und weil wir daran schon gar nicht mehr gedacht haben, waren wir am Vortag noch einkaufen. Aber scheinbar hatten wir nichts Verbotenes dabei. Ein kurzes „listo“ und der Beamte ist wieder verschwunden. Total: 50 Minuten inklusive Pinkelpause! Das liegt aber auch daran, dass wir den TIP nur reaktivieren mussten und die Versicherung schon hatten.

Grenzübertritt Costa Rica nach Nicaragua bei Peñas Blancas

Costa Rica - Nicaragua bei Peñas Blancas

Am 21. Juni 2018 treffen wir Mittags Joanna und Aidan, unsere compañeros, mit denen wir durch Nicaragua reisen wollen, in La Cruz, 20 km vor der Grenze zu Nicaragua. Um 12:15 Uhr treffen wir an der Grenze ein und müssen erst in einem kleinen Kiosk rechts davon unsere 8,- $ Tourist Tax bezahlen. Dann durchqueren wir die Schlange LKWs, die sich rechts an der Grenze vorbei gebildet hat, und parken gegenüber dem Migrationsgebäude, wo wir aus Costa Rica auschecken. Dort können wir dann auch gleich noch eine Kopie vom TIP machen und müssen dann, wie soll es auch anders sein, wieder 300m zurück in das Gebäude, wo wir damals bei der Einreise die Versicherung und den TIP bekommen haben. Am selben Schalter wird die Reaktivierung des pausierten TIPs wieder pausiert, da wir ja noch nicht wissen, ob Nicaragua uns reinlässt und nach Norden hin auch wieder raus oder ob wir schlimmstenfalls zurückkommen müssen. Das ist aber alles kein Problem, die Frau am Schalter ist sehr nett und schnell, sodass wir nach ein paar Minuten wieder draußen sind.

Auf geht’s nach Nicaragua, aber erst müssen wir wie immer am letzten Costa Ricaner vorbei, der meistens ein paar Meter von der Grenze entfernt positioniert ist und kontrolliert, ob wir auch wirklich alles erledigt und jeden Stempel haben. Wir kommen der nicaraguanischen Grenze näher, ein Mann will unsere Reisepässe sehen, erklärt, dass wir jetzt durch die Fumigation fahren müssen, danach links parken müssen und die Fumigation im Gebäude neben der Aduana bezahlen müssen. Alles klar! Hier ist das alles nicht so verwirrend für uns, weil wir ja schon mal da waren. Wir parken zufälligerweise genau da, wo wir das letzte Mal auch schon geparkt haben, und gehen erstmal zur Migration. Eine mehr oder weniger freundliche, rundliche junge Frau muss erstmal ihr Handy anstecken und gruschelt dann unter dem Tisch rum. Sie verlangt unsere Reisepässe, fragt (stark nuschelnd), was wir beruflich machen und an welchem Grenzübergang wir ausreisen wollen. Letzteres wissen wir noch nicht, weil wir ja noch nicht wissen, wie und wo wir durchs Land kommen. Wir zahlen 24,- $ und sind jetzt offiziell im Krisenland Nicaragua.

Jetzt geht’s um Muggl. Hinter dem Gebäude halten wir am Tresen der Seguridad (Versicherung). Eine Frau wird vom Häkeln abgehalten, der Versicherungsschein für 30 Tage und 12,- $ ist schnell ausgestellt. Weil wir jetzt schon mal auf der anderen Seite des Gebäudes sind und vorne kein Fahrzeuginspektor in Sicht war, suchen wir gleich den Menschen, bei dem wir die Fumigation zahlen müssen, aber der Schalter ist leer. Wir fragen bei der benachbarten Frau, die bei der Aduana sitzt, und die meint, der müsste eigentlich da sein. Sie kommt hinter ihrem Schreibtisch hervor, geht zum Schalter der Fumigation und klopft mal ordentlich gegen die Glasscheibe. Ein Mann im Glaskasten schreckt auf, und wir sind alle vier sehr amüsiert, sind wir doch schon dreimal daran vorbeigelaufen. 3,- $ kostet die Fumigation, und wir kriegen das dazugehörige Dokument von dem verschlafenen Mann ausgestellt.

Jetzt kommt der schwierigste Teil: Wir müssen den Fahrzeuginspektor finden, aber es ist wieder keiner da. Die Leute sind sehr hilfsbereit, und irgendjemand sagt, er würde ihn für uns suchen, jemand anderes sagt, der wäre in der Mittagspause. Na, das sind ja beste Voraussetzungen! Nach ca. 15 Minuten kommt aber tatsächlich jemand mit dem Fahrzeuginspektor im Schlepptau zu uns. Der drückt uns erstmal ein Papier in die Hand und dreht wieder um. Ich denke mir nur: „Neeiiiin, bitte nicht weggehen! “ Ich fülle den Zettel aus, und zum Glück ist der Inspektor wieder da. Er schaut Muggl kurz von außen an und fragt dann, ob er reinsteigen darf. Klar, wir haben ja nichts zu verbergen. Ein knapper Blick reicht ihm, er fragt, ob wir eine Drohne haben, was wir verneinen, und mit einem „Buen Viaje“ werden wir verabschiedet. Jetzt noch zur Aduana, wo wir die Versicherung, den Reisepass und den Führerschein herzeigen müssen und endlich Muggls TIP kriegen. Total: 2 Std. 15 Min. Total relaxed und von den Unruhen im Land nichts zu merken.

Grenzübertritt von Costa Rica nach Panama bei Sixaola

Am 8. Juni 2018 überquerten wir die Grenze zwischen Costa Rica und Panama bei Sixaola an der Karibikküste. Kurz vor dem blauen Bogen mit den gelben Lappen parkten wir rechts und gingen über eine kleine überdachte Brücke ins Gebäude. Am Ende des Gebäudes zahlten wir die Tourist Tax von 7 US-Dollar und machten Kopien unserer Dokumente. Danach fuhren wir durch das blaue Tor und parkten auf der linken Seite.

Gegenüber befand sich die Migrationsstelle, wo wir aus Costa Rica auschecken mussten. Ein Beamter schickte uns zunächst zum Schalter rechts daneben, um die Temporäre Importgenehmigung (TIP) für unser Wohnmobil „Muggl“ stillzulegen. Ein Mitarbeiter überprüfte kurz das Fahrzeug, verglich die Kennzeichen und stellte ein Formular aus, das den TIP für maximal 71 Tage unterbricht. Damit können wir auch an einer anderen Grenze wieder einreisen. Anschließend erhielten wir am linken Schalter unsere Ausreisestempel. Der Beamte blätterte durch unsere Pässe und entdeckte den Karibu-Stempel von unserer Einreise nach Alaska. Er lachte und zeigte ihn seinem Kollegen, der ebenfalls lachte.

Wir fuhren über die etwa 150 Meter lange Brücke, wo ein Beamter unsere Reisepässe sehen wollte. Er wies uns darauf hin, dass nur jeweils ein Fahrzeug auf die Brücke darf. Danach durchquerten wir die Fumigation, wo unser Wohnmobil besprüht wurde. Wir parkten auf der linken Seite und liefen mehrmals Zickzack über den Platz. Wir bezahlten die Fumigation (3 US-Dollar) und checkten bei der Migration in Panama ein. Es wurden Fotos von uns gemacht, unsere Fingerabdrücke genommen und nach einem Rückflugticket gefragt. Letztendlich reichten der Fahrzeugschein und die Importdokumente von Costa Rica als Beweis, dass wir ein eigenes Fahrzeug haben.

Für die Autoversicherung gab es zwei Büros. Das direkt am Parkplatz war geschlossen, aber ein junger Mann schickte uns etwa 10 Meter die Straße hinunter zu einem anderen Büro. Eine junge Frau in einer hellblau gestrichenen Blechhütte bearbeitete unsere Dokumente per WhatsApp mit einem Kollegen. Es dauerte fast eine Dreiviertelstunde, bis wir den Versicherungsschein erhielten, da wir die Dritten in der Schlange waren. Glücklicherweise bearbeitete die Frau uns noch vor ihrer Mittagspause.

Anschließend beantragten wir bei der Aduana die temporäre Importgenehmigung für unser Wohnmobil. Der Beamte wollte Kopien von Christophs Reisepass und Fahrzeugschein. Er überprüfte kurz das Fahrzeug und verglich die Kennzeichen. Nach den ersten fünf Nummern der VIN-Nummer war er zufrieden und verschwand. Insgesamt dauerte der gesamte Prozess 2,5 Stunden, verlief aber sehr entspannt.

Zusatz: Verkehrsvorschriften in Panama

Panama ist sehr strikt bei Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auf vielen Straßen außerhalb der Ortschaften gilt eine Begrenzung von 40 km/h. Etwa 15 Minuten nach der Grenze wurden wir mit 67 km/h von der Verkehrspolizei gelasert. Der Polizist erklärte, dass wir ein Ticket über 50 US-Dollar erhalten würden, da wir die Begrenzung überschritten hatten. Er sah in Christophs Pass, dass wir erst seit 20 Minuten im Land waren, und entschied sich, uns kein Ticket auszustellen. Er wies uns jedoch darauf hin, künftig auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu achten.

Während unseres Aufenthalts erfuhren wir, dass in Panama strenge Anschnallpflicht herrscht. Ohne Gurt zahlt man 70 US-Dollar, bei einem weiteren Verstoß innerhalb eines Monats 150 US-Dollar, und beim dritten Mal wird der Führerschein entzogen. Außerdem ist das Fahren ohne Schuhe verboten, und es gibt viele weitere Vorschriften zu beachten.