Nächster Vortrag - Sahara Club Treffen 19.-22. Juni 2025

Die Geschichte unserer Bremsscheiben – eine unglaubliche Tortur

Um die Geschichte zu verstehen, müssen wir in die Vergangenheit zurückkehren. Kurz nach unserem Start von San Francisco in Richtung Lake Tahoe hatten wir wieder einen Platten. Wir wechselten den Reifen auf dem Standstreifen der Interstate 580 Richtung Osten, mitten im Berufsverkehr. Man kann eben nicht wählen, wann man einen Platten hat! Mit dem montierten Reserverad fuhren wir bis Manteca und beschlossen, am nächsten Morgen eine Garage aufzusuchen, die uns den kaputten Reifen flickt und vielleicht gleich neue Reifen aufzieht. Unsere Mud Terrain-Reifen haben mittlerweile 50.000 Kilometer hinter sich, was für Reifen nicht viel ist. Doch das Profil ist ungleichmäßig abgenutzt, da wir mit Reifen, die für Schlamm und unbefestigte Straßen gedacht sind, hauptsächlich auf asphaltierten Straßen fuhren.

In den USA ist es nicht einfach, eine Werkstatt zu finden, die Reifen mit Schlauch und Springringfelgen repariert. Daher landeten wir bei der großen Kette Les Schwab. Dort wurden wir gut beraten und entschieden uns für die Toyo Open Country-Reifen. Der BF Goodrich All Terrain ist teurer, hat Lieferzeit und ist nicht unbedingt besser. Da wir alle vier Reifen wechseln mussten, ließen wir die Felgen gleich auswuchten. Während die Werkstatt die neuen Reifen montierte, gingen wir frühstücken. Eine gute Stunde später konnten wir Muggl wieder abholen. Weiter ging es nach Lake Tahoe. Nach einigen Kilometern stellten wir fest, dass es beim Bremsen ruckelte. Christoph vermutete, dass dies mit dem Reifenwechsel zu tun hatte. In Tahoe fuhren wir zu einer anderen Les Schwab-Filiale und erklärten unser Problem. Dort wiesen sie uns ab, das Rütteln habe nichts mit den Reifen zu tun, sondern liege an den Bremsen.

Wir fuhren weiter zum Yosemite-Nationalpark und dann Richtung Los Angeles. Das Rütteln begleitete uns ständig. Solange das Fahrzeug kalt war, war es nicht schlimm, aber wenn es warm wurde, rüttelte es stark und man wollte die Bremsen nicht zu stark betätigen. Kurz vor Santa Barbara hatten wir sowieso einen Termin in einer Werkstatt. Werner, ein Deutscher, wurde uns von Daniel empfohlen, den wir auf der Overland Expo in Flagstaff kennengelernt hatten. Der nordamerikanische Diesel hatte unsere Einspritzpumpe stark zugesetzt, und wir hatten bereits eine neue von unseren Mechanikern aus Deutschland schicken lassen. Werner schaute sich die Bremsscheiben an und stellte fest, dass sie stark abgenutzt waren. So ein Mist! Hätten wir das gewusst, hätten wir gleich neue Bremsscheiben mitbestellt. Die Zeit drängte, da unsere KFZ-Versicherung bald ablief und wir in ein paar Tagen die USA verlassen mussten. Die Agentur verlängerte unseren Vertrag nicht, und ein neuer Vertrag für sechs Monate und 1700 US-Dollar kam nicht in Frage. Wir beschlossen, die Bremsscheiben nach Mexiko schicken zu lassen. Dass dies kompliziert werden würde, ahnten wir noch nicht.

Wir baten den ADAC um Unterstützung und wollten die Scheiben zu einem Cargo-Office an einen der fünf internationalen Flughäfen in Baja California schicken lassen, wo wir sie abholen könnten. Tagelang, bzw. wochenlang, waren wir mit dem ADAC in Kontakt. Sie machten uns wenig Mut, da es schwierig sei, Pakete nach Mexiko zu schicken und vom Zoll zu bekommen. Wir bräuchten einen internationalen Zollagenten, und selbst das wäre keine Garantie. Sollte die Lieferung vom mexikanischen Zoll nicht akzeptiert werden, drohte sogar die Zerstörung der Ware. Das wollten wir nicht riskieren, denn es war schon schwierig, Bremsscheiben für unseren Iveco zu bekommen. Sie werden nur sporadisch hergestellt und waren gerade ausverkauft. Unsere Werkstatt hatte einen Satz von einem gebrauchten Iveco ausgebaut, der nur 5000 Kilometer runter hatte und praktisch wie neu war.

Das Paket war versandfertig und wartete beim ADAC auf weitere Anweisungen. In Mexiko trafen wir Yasmin und Stefan im Toyota Landcruiser (Zebra). Wir beschlossen, die Baja gemeinsam zu bereisen, um mehr Offroad unterwegs zu sein. Die Gegend ist dünn besiedelt, und bei einer Panne müsste man lange warten, bis jemand vorbeikommt. In Bahia de Los Angeles trafen wir auf eine amerikanische Community, die dort in einer kleinen Bucht lebte, ihre Ferienhäuschen hatte und ihr Rentnerdasein genoss. Sie luden uns ein, dort zu campen und das Internet zu nutzen, um unser Problem zu lösen. Ich könnte ins Detail gehen, aber das sprengt den Rahmen. Kurz gesagt, wir ließen die Bremsscheiben vom ADAC nach San Diego schicken, zu einem Freund, der eine Woche später zu Besuch kam. Das war der unkomplizierteste Weg, und wir durften so lange im Paradies bleiben, wo wir mit Walhaien schnorchelten, die Kayaks benutzten und mit Delfinen, Riesenschildkröten und Seehunden paddelten. Alle kümmerten sich toll um uns, und wir wurden oft abends zum Essen eingeladen. Letztendlich durften wir sogar die Werkstatt nutzen, wo Christoph und Stefan mit Hilfe der Männer die Bremsscheiben und Beläge selbst wechselten.

Endlich ist es geschafft. Nach zwei Wochen reisen wir mit gemischten Gefühlen weiter gen Süden. 280 Kilometer Schotterpiste entlang der Baja 1000 führen uns nach San Franciscito, wo wir übernachten, und dann weiter nach Guerrero Negro. Die letzten 30 Kilometer sind asphaltiert. Doch als wir zum ersten Mal abbremsen, ruckelt es immer noch. Sind es doch nicht die Bremsscheiben? Lief bei der Montage etwas schief? Wir wollen in den Ort, um Lebensmittel zu kaufen und Wäsche zu waschen. Die Männer lassen die Frauen in der Wäscherei und suchen eine Werkstatt. Doch ohne Spanischkenntnisse kehren sie schnell zurück und holen mich. Überraschung: ein Platten! Schon wieder! Wenn es läuft, dann läuft’s. Wir haben kein Glück. Zum Glück gibt es in Mexiko viele Autowerkstätten, und Reifen flicken sie routiniert. Unser System mit Schläuchen ist unpraktisch, aber diesmal haben wir uns an der Taco-Bude einen rostigen Nagel eingefahren. Der Reifen ist schnell repariert, und wir bitten, die Bremsen zu prüfen. Rechtes Radlager kaputt, stellt der Mechaniker fest. Zum Glück haben wir ein Ersatzteil dabei, und es wird sofort gewechselt. Die Mexikaner arbeiten geduldig und akribisch, was uns beruhigt. Nach drei Stunden ist es später Nachmittag, und wir haben noch nicht eingekauft. Wir beschließen, außerhalb von Guerrero Negro an der alten Werft zu übernachten. Erleichtert, dass das Problem gelöst ist.

Am nächsten Morgen kaufen wir ein, bevor es weitergeht. Wieder auf Asphalt und bei höherer Geschwindigkeit rüttelt es beim Bremsen wie zuvor. Ratlos kontaktieren wir unsere Werkstatt in Deutschland und andere Reisende mit dem gleichen Iveco, schicken sogar ein Video. Alle vermuten die Bremsscheiben. Unser Mechaniker meint, sie müssten leicht aufgehen; Rost oder Dreck dazwischen könnte das Rattern verursachen. In El Marasal suchen wir die nächste Werkstatt auf. Christoph und Stefan wollen die Bremsen zerlegen und gründlich reinigen. Ich frage, ob wir einen Platz und Werkzeug nutzen dürfen. Der Chef stimmt zu. Die Mechaniker sind hilfsbereit, beobachten uns und reichen Werkzeug. Sie vermuten, es könnte an den neuen Bremsscheiben liegen. Im Ort gibt es jemanden, der sie abdrehen kann. Der Lehrling bringt die Scheiben mit dem Fahrrad in die Metallwerkstatt. Fünf Stunden später ist alles wieder zusammengebaut. Christoph macht eine Testfahrt und kehrt niedergeschlagen zurück. Immer noch das gleiche Problem! Ein Mechaniker fährt mit und sagt, es müsse an den Bremsscheiben liegen. Wir verzweifeln. Immer noch Dreck im System? Ist etwas anderes kaputt?

Christoph grübelt noch immer, ob beim Reifenwechsel etwas schiefgelaufen ist. Aber was? Seitdem plagt uns das Problem. Ein blöder Zufall oder der wahre Grund? Jeder behauptet, es liege an den Bremsscheiben, alles andere haben wir dreimal überprüft. Keine Schrauben oder Bolzen sind gebrochen, keine Lager defekt. Die Mechaniker in der Werkstatt sind ratlos. Wir diskutieren über Ersatzteile und Reparaturen, um eine Lösung zu finden. Sie schlagen vor, alles morgen noch einmal zu prüfen. Was bleibt uns anderes übrig? Der Chef fragt: „Ihr wart gestern in einer Werkstatt in Guerrero Negro?“ „Ja“, antworte ich. „Das war bei seinem Bruder“, sagt er. Wir sind bekannt wie ein bunter Hund. Wir sollen um 8:00 Uhr wiederkommen. Am Abend suchen wir unser Camp außerhalb des Ortes zwischen Kakteen auf und diskutieren weiter. Stefan kennt sich mit Autos aus, aber auch er hat keine Erklärung. Christoph besteht darauf, dass der Reifenwechsel schuld ist, und wir wollen die Reifen von vorne nach hinten tauschen. Doch das scheitert, weil die Mexikaner die Muttern so fest angezogen haben, dass Stefan einen Schlüssel abbricht. Also morgen früh in der Werkstatt! Am nächsten Morgen erkläre ich, dass wir die Reifen tauschen möchten. Der Mechaniker wundert sich nicht und legt los. Ich schlage dem Chef vor, mit unserem Mechaniker in Deutschland zu telefonieren, der auch Spanisch spricht. Irgendwann wurde mir alles zu kompliziert, und meine Spanischkenntnisse reichten nicht mehr aus. Christoph macht nach dem Reifenwechsel eine lange Probefahrt, und das Problem ist verschwunden! Alle sind so perplex, dass niemand etwas dazu sagen kann. Der Werkstattmeister fährt selbst und bestätigt, dass alles in Ordnung ist und die Bremsleistung stimmt. Was noch unrund läuft, sind die Felgen. Christoph hatte recht: Der Reifenwechsel bei Les Schwab hatte Folgen. Dort ließen wir die Felgen wuchten, was misslang. Was für eine Tortur, das müssen wir erst einmal verdauen!

Camping in den USA & Kanada

Vor der Abreise beschäftigte uns die Frage: Wo finden wir Schlafplätze? Auf Dauer ist es teuer und unpraktisch, ständig auf Campingplätzen zu übernachten. Die Preise variieren: Staatliche Plätze (National Forest oder State Park) kosten zwischen 10 und 40 USD, private wie KOA sind teurer. Staatliche Plätze bieten oft keine Duschen oder WLAN, während private saubere Duschen und schnelles WLAN haben. Campingplätze sind jedoch nicht ideal, da man zwischen riesigen Wohnmobilen steht, die oft größere Fernseher haben als zu Hause. Die Atmosphäre gleicht einer Wohnwagensiedlung oder einem All-Inclusive-Hotel, was nicht unserem Reisestil entspricht. National Forest und State Forest Plätze bieten mehr Privatsphäre und sind oft gut bewachsen. Wir suchen lieber kostenlose Schlafplätze, an denen wir uns wohlfühlen und länger bleiben können, um uns vom Reisen zu erholen. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, solche Plätze zu finden:

  1. iOverlander App: Diese kostenlose App für Android und iOS zeigt Schlafplätze in der Nähe an, auch offline. Nutzer können Plätze bewerten und neue hinzufügen, was die App durch die Beteiligung vieler Reisender ständig verbessert. [iOverlander](http://ioverlander.com

  2. Free Campsites Website: Diese Seite listet Campgrounds und deren Kosten auf. Ohne Internetzugang ist sie jedoch nicht nutzbar. [Free Campsites](https://freecampsites.net)
     
  3. Supermarkt-Parkplätze: Auf den meisten Walmart-Parkplätzen ist Übernachten erlaubt, mit wenigen Ausnahmen. Auch Safeway und Cabela’s bieten diese Möglichkeit. [Walmart](https://www.walmart.com), [Safeway](https://www.safeway.com), [Cabela’s](http://www.cabelas.com

  4. Truckstops oder Travelcenter: Diese sind laut, da Lkw-Motoren oft die ganze Nacht laufen. Sie bieten jedoch Duschen und Wäschereien. Duschen kosten meist 10 USD, aber zu zweit stört das niemanden. 

  5. KOA (Kampgrounds of America): Diese Luxus-Campingplätze bieten WLAN, Duschen, oft einen Spa und Laundry. Strom und Wasser sind inklusive. [KOA](http://koa.com

  6. State Park Campgrounds: Diese staatlichen Plätze kosten 15-25 USD und bieten oft Duschen. Freies Stehen ist verboten, aber Ranger sind manchmal nachsichtig. [State Parks](http://www.camping-usa.com/stateparks/

  7. National Forest Campgrounds: Diese bieten Self-Registration und erlauben freies Stehen, wenn das Fahrzeug geeignet ist. Duschen gibt es selten, Toiletten sind aber meist sauber. [National Forest](https://www.forestcamping.com
  8. BLM Land (Bureau of Land Management): Dieses Land steht jedem zur Verfügung, manchmal ist ein Permit nötig. Informationen gibt es in Visitor Centers. [BLM](https://www.blm.gov/programs/recreation)
     
  9. Soziale Medien: Kontakte über Instagram und Facebook führen oft zu Einladungen, im Garten oder Gästezimmer zu übernachten. Die Gastfreundschaft in den USA und Kanada ist beeindruckend. 

  10. Einfach fragen: Wenn alle Stricke reißen, hilft es oft, jemanden um Erlaubnis zu bitten, auf seinem Grundstück zu übernachten. Amerikaner und Kanadier sind offen und hilfsbereit. 

  11. Eine weitere hilfreiche Seite bietet Informationen, wo man wie lange stehen darf: [Your RV Lifestyle](https://www.your-rv-lifestyle.com/how-to-find-free-rv-camping-sites/

Diesel in Kanada und den USA

Jeder europäische Reisende mit einem älteren Dieselfahrzeug in Nordamerika fragt sich bald, warum das Auto schwarz raucht und der Kaltstart harziger ist als gewohnt. So erging es uns, als wir das Auto in Baltimore abholten. Damals war noch alles in Ordnung, denn der Tank war mit deutschem Diesel gefüllt. Die ersten Tage verliefen problemlos, da die Temperaturen hoch waren – über 30 Grad Celsius – und wir uns auf Meereshöhe bewegten.

Doch als wir höher fuhren und die Temperaturen sanken, begann das Problem. Unser Iveco sprang morgens schlecht an. Oft musste ich den Motor brutal anwerfen, was schmerzhaft war. Diese Prozedur dauerte 10 bis 15 Sekunden, bis der Motor lief. Dann rauchte das Auto eine Minute lang schwarz, grau und weiß. Ich machte mir ernsthafte Sorgen, ob etwas kaputt war.

Heute weiß ich, dass dies bei älteren Dieselmotoren nicht ungewöhnlich ist. Der Diesel in Nordamerika hat eine andere, schlechtere Qualität als der in Deutschland, der Schweiz und anderen westeuropäischen Ländern. Das Zauberwort ist „Low Sulfur Diesel“. Dieser Diesel schmiert weniger und hat einen niedrigeren Cetanwert, was bedeutet, dass der Brennwert und die Leistung geringer sind.

Gib hier deine Überschrift ein

Man kann das Problem nicht vollständig beseitigen, aber einige Maßnahmen mildern es. Wähle die Tankstelle sorgfältig; die billigste ist nicht immer die beste. Hier eine Liste mit Tankstellen und ihren Cetanwerten:

Kanada:
– Petro Canada (45-52)
– Sunoco Gold (45-50)
– Shell V-Power Diesel (keine Angabe, aber einer der besten)
– Husky Diesel Max (42-45)
– Autogas/Cascadian Biofuels nur in BC (45-50)
– Red River Co-op (41-44)

USA:
– BP – Amoco branded (51)
– Chevron (49, mit Techron 51)
– Conoco Philips (48, in Kalifornien 48-53)
– Petro Canada (47-51)
– Shell (46)
– Sinclair (46)
– Marathon (45)
– Exxon/Mobile (43-46)
– BP (40-42)
– Hess (40-45)

(Alle Cetanwertangaben ohne Gewähr)

Vorteile von Diesel mit höherem Cetanwert:
– Geringerer Verbrauch
– Ruhigerer Motorlauf
– Gutes Kaltstartverhalten
– Hohe Leistung/Drehmoment
– Geringer Schadstoffausstoß

Ein niedriger Cetanwert hat gegenteilige Auswirkungen. In Europa beginnt der Cetanwert bei 58, in den USA kann er auf 40 sinken, was Probleme verursacht.

Nützliche Links:
– [Best Diesel Fuel Additive](https://autofella.com/best-diesel-fuel-additive/)
– [Cetanzahl – Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Cetanzahl)
– [Dieselkraftstoff – Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Dieselkraftstoff)

Vermeide es, in Nationalparks zu tanken, da der Diesel dort oft lange im Tank ist und einen hohen Wasseranteil haben kann. Meide auch Tankstellen, an denen gerade ein Tank-Lkw steht oder kürzlich da war, um Bodensatz im Tank zu vermeiden. Tanke vor längeren Strecken voll, um undefinierbare Tankstellen zu vermeiden. Es sind zwar Märchen, dass man auf dem Alaska Highway 500 km keinen Menschen sieht und keine Tankstelle kommt, aber ich würde lieber auf Nummer sicher gehen.

Diesel Additiv

Viele Reisende verwenden einen Dieselzusatz, um das Problem mit dem schlechten Diesel zu bekämpfen. Dieser Zusatz wird vor dem Tanken in den Tank geschüttet. Er erhöht die Schmierung und den Cetanwert, was dem Motor guttut.

Wir verwenden das Produkt von STANDADYNE Fuel Systems, Diesel Fuel Additive (blaues Etikett). Es wird vom Bosch Service empfohlen und viele Reisende sind zufrieden. Eine Flasche reicht für ca. 1000 Liter und kostet etwa 25 US-Dollar. Alternativ gibt es das Produkt von Luckas in jedem Walmart.

STANDADYNE ist erhältlich bei:
– Napa Autoservice Zubehör
– Autozone
– O’Reillys Autozubehör
– Tractor Supply (ähnlich wie Landi oder BayWa)

In Staaten wie Oregon und Montana sind Steuern gespart, daher sollte man sich dort mit STANDADYNE eindecken, wenn genügend Platz vorhanden ist.

Nun eine Gute und rauchfreie Fahrt! 😉

Grenzübertritte zwischen USA und Kanada

Grenze an der Route 221 in Lacolle QC in Richtung Montréal

Die erste Grenze, die wir überquerten, lag an der Route 221 in Lacolle, QC, Richtung Montréal. Es war Sonntag, der 23. April 2017. Dieser Grenzübergang ist klein und offenbar wenig frequentiert, wie die überraschte Reaktion des Grenzbeamten zeigte. Er fragte erstaunt: „What are you doing here?“ Unsere Antwort: „Wir wollen nach Kanada.“ Das Interesse an unserem Fahrzeug war groß, ein Kollege kam hinzu, um es zu begutachten. Unsere Reisepässe wurden kontrolliert, und wir beantworteten Fragen zu unserer Anzahl, ob wir Alkohol, Tabakwaren, Waffen, Haustiere oder tierische Produkte mitführten. Die Beamten waren neugierig und fragten auch nach der Verschiffung: Kosten und Dauer. 

Sie verabschiedeten uns mit: „Welcome to Canada and enjoy!“

Grenze von Kanada nach USA - Port Huron

Am 29. April 2017 kehrten wir über Point Edward in die USA nach Michigan zurück. Wir wurden gefragt, wie viele wir sind, ob wir Waffen haben und nach unseren Versicherungen, sowohl Auto- als auch Krankenversicherung. Die Papiere wollte er nicht sehen. Nach Lebensmitteln fragte er nicht, aber nach unserem Reiseziel. Zuletzt erkundigte er sich, ob wir Spanisch sprechen, und sagte beruhigt „sehr gut“, als ich mit „ja“ antwortete. 

Nach fünf Minuten waren wir durch.

Grenze zwischen Kanada Waterton NP - USA Glacier NP

Am 22. Juni reisten wir bei Chief Mountain vom Glacier Nationalpark in den Waterton Nationalpark. Eigentlich ist es derselbe Park: Zwei Drittel liegen in den USA und heißen Glacier, ein Drittel in Kanada und heißt Waterton. Wieder die gleichen Fragen: Wie viele sind wir, haben wir Waffen dabei, wie sind unsere Reisepläne? Außerdem fragten sie nach Feuerholz. Ja, wir hatten welches dabei und mussten es abgeben. 

In wenigen Minuten waren wir durch. 

Grenze Kanada nach Alaska/PokerCreek

Am 10. Juli 2017, einem nebligen Vormittag, begrüßte uns die Grenzbeamtin mit: „Hello, how are you?“ Sie fragte, ob wir zu zweit sind, ob wir Haustiere, Waffen oder Tabakwaren dabei haben. Nach Lebensmitteln fragte sie nicht. Sie bewunderte unsere Weltkarte im Führerhaus und fragte, ob wir „all over the world“ reisen. Wir sagten, vorerst nur Nord- bis Südamerika. Sie erkundigte sich nach unserem Beruf und verschwand mit unseren Reisepässen. 

Drei Minuten später gab sie uns freudig die Pässe zurück und sagte, sie habe uns einen „special stamp“ gegeben: „because you made it :-)“ Ein Karibu ziert nun unseren Pass. 

Grenze Alaska - Kanada/Beaver creek

In Beaver Creek, nach fünf Minuten erledigt: Fragen nach Waffen, tierischen Produkten und unserer Aufenthaltsdauer. Der Beamte wollte wissen, wie man auf Deutsch fragt: „Wie lange willst du in Kanada bleiben?“ Wir gaben einen kurzen Sprachkurs und wurden mit „Willkommen in Kanada“ verabschiedet.

Grenze Kanada BC - Alaska /Dalton Cache

In Dalton Cache rollte der Officer aus dem Gebäude ins Zollhäuschen. Sonntags kommen hier offenbar nicht viele vorbei. „Where are you from?“ – „Germany.“ „What is this? A Mercedes?“ – „No, an Iveco, he is Italian.“ „You German guys driving an Italian vehicle? Seriously?! “ Der Officer hatte Humor. Er fragte, ob wir Lebensmittel aus Kanada dabei haben. Wir verneinten. Zum Abschied sagte er: „Enjoy Canada und Tschüss.“ Ja, er sagte wirklich „Tschüss!“ 

Wieder in fünf Minuten durch.

Grenze Alaska - Kanada /Fraser

Am 3. August 2017 in Fraser: Ein junger Officer und folgende Unterhaltung: 

„Where do you live?“ – „Switzerland.“ „Vehicle shipped over?“ – „Yes.“ „Where did you start?“ – „Baltimore.“ „When do you fly home?“ – „Next year August.“ „How many days will you stay in Canada?“ – „About three weeks.“ „Are you working while traveling or just took time off?“ – „No work, please! We took time off.“ „Have you more than 10,000 cash with you?“ – „Unfortunately not!“ „Doing everything with credit card?“ – „Yes.“ „Enjoy your time in Canada!“ – „Thank you.“

Grenze Kanada Victoria Vancouver Island nach USA/Port Angeles Washington

Am 26. August 2017 von Victoria, Vancouver Island, nach Port Angeles, Washington, USA per Fähre: Dieses Mal dauerte das Grenzübertritt etwas länger. Die Zeit wurde knapp. Am 3. Oktober sollten wir die USA nach Mexiko verlassen. Da unser Fahrzeug verspätet ankam, galt unsere Versicherung bis zum 10. Oktober. Wir hatten vor, an der Grenze um eine Verlängerung von zwei Wochen zu bitten. Die Grenzkontrolle fand bereits in Victoria im Hafen statt, während wir auf die Fähre warteten. Die ersten Fragen waren: „How many travelers?“ „Where do you live?“ „What are you doing for work?“ „How long do you wanna stay in the US?“

Dann kommt unser Einsatz. Wir sagen, dass wir am 3. Oktober draußen sein müssen und noch die Küste bis Mexiko hinunterreisen wollen. Ob er unser Visum um zwei Wochen verlängern könnte, weil wir zu viel Zeit in Alaska verbracht haben? Ich füge hinzu, dass der Sommer dort dieses Jahr besonders schön war, weil es so heiß war und es deshalb kaum Black Flies und Moskitos gab. Er hebt kurz die Sonnenbrille, schmunzelt und sagt: „Good to know.“ Zögernd fragt er dann, ob wir unsere Berufe, Arbeitsplätze und den Wohnort bestätigen können, und schickt uns ins Büro. Wir packen Papiere und Laptop ein und gehen hinein. Wieder stellen sie uns die gleichen Fragen, und wir erklären unser Anliegen erneut.

Der Officer schickt uns nach draußen und lässt uns warten. Ich denke, er will erst die anderen Reisenden abfertigen, weil wir den Verkehr aufhalten. Als niemand mehr ansteht, ruft er uns wieder rein und fragt weiter: Wo wir in die USA eingereist sind, wann wir wo und wie lange waren. Da muss man schon nachdenken, wenn man nicht mal weiß, welcher Wochentag ist. Er will wissen, ob wir unser Fahrzeug hierher verschifft haben, welches Fahrzeug wir fahren, was das verschiffen gekostet hat und wie lange das gedauert hat. Außerdem will er wissen, wie viel wir für die Reise gespart haben, bzw. was unser Budget ist. Geduldig warten wir, während er zwischendurch andere Reisende abfertigt. Er sagt, das kostet dann 6 Dollar pro Person, und wir können auch mit Kreditkarte bezahlen. Wir freuen uns, und noch mehr, als er sagt, er hat uns jetzt nochmal sechs Monate gegeben. Er tackert einen Zettel in unseren Pass und meint, den müssten wir abgeben, wenn wir nach Mexiko ausreisen. Er wüsste nicht, ob wir dann gleich anschließen nochmal ein drittes Mal sechs Monate bekommen könnten, das liegt im Ermessen des Officers. Wir packen unsere Unterlagen wieder zusammen, angeschaut hat er sie nicht.

Als wir alles verstaut haben, begutachten wir unsere Reisepässe und stellen mit Erstaunen fest, dass da „Germany (West)“ steht… Das ist ja nun doch schon 28 Jahre her!

Lebensmittel einkaufen in den USA & Kanada

Lebensmittel einkaufen in den USA und Kanada

Wer in die USA oder Kanada reist, wird oft den Rat bekommen: Geh zu Walmart, dort findest du alles, was du brauchst,es ist günstig und du kannst sogar auf dem Parkplatz campen! Das mag teilweise stimmen, aber die Wahrheit liegt, wieso oft, irgendwo in der Mitte.
 
Das Übernachten im Camper auf dem WalmartParkplatz kann tatsächlich sehr praktisch sein (aber dazu mehr in einemanderen Beitrag). Die Lebensmittel, die man dort bekommt, sind meiner Meinung nach oft grenzwertig, und dieVerpackungsgrößen sind einfach nicht für unsere Kühlschränke gemacht!
 
Wie man vielleicht aus meinen ersten Sätzen schon erahnen kann, sind wir keine besonderen WalmartFans. Lasst euchbitte nicht von uns beeinflussen; wir versuchen lediglich, unsere Erfahrungen wiederzugeben und erhalten keineProvisionen von irgendwelchen Märkten.
 
Für Deutsche und Schweizer ist es oft verwirrend, dass Gemüse und Obst teurer sind als Fleisch. So kann manbeispielsweise ein Kilogramm Rindersteak für 10 USD kaufen, während ein Kilogramm Erdbeeren 14 USD kostet!Blöderweise ist es auch günstiger, bei McDonald’s zu essen, als sich Gemüse zu kaufen und selbst zuzubereiten.Vermutlich ist das der Grund, warum viele Menschen hier etwas mehr auf den Rippen haben.
 
Wir gehen nun auf folgende Märkte etwas näher ein: Walmart, Safeway, Albertson, Aldi, Trader Joe’s und CanadianSuperstore.

Walmart

Wie bereits erwähnt, sind wir keine großen Fans, aber es gibt Unterschiede von Walmart zu Walmart. So erlebten wir imkanadischen Dawson Creek, dass wir im Walmart viele gute, teils europäische Produkte zu bezahlbaren Preisen fanden wir konnten kaum glauben, dass wir in einem Walmart waren! Allerdings ist das vermutlich eine kanadischeBesonderheit, da uns dieses Phänomen in den USA nicht begegnet ist. Dort sehen alle Walmarts etwa gleich aus. Walmarthat sicherlich den Vorteil, dass man hier vom Gartenstuhl über Pfannen bis zu Lebensmitteln alles bekommt. Ich möchtenicht schlecht reden, aber ich habe kein gutes Gefühl, wenn ich ein Kilogramm Fleisch für ein paar Dollar kaufe ichkann mir nicht vorstellen, dass dieses Fleisch von einer glücklichen Kuh stammt! Gemüse ist, wie schon erwähnt, relativteuer und wird somit schnell zum Luxusartikel. Gutes Brot haben wir bei Walmart noch nie gesehen.
 
Walmart findet man überall in den USA und Kanada.
https://www.walmart.com/

Safeway

Safeway bietet im Großen und Ganzen eine hochwertigere Produktpalette. Allerdings gleich vorweg: Ohne eine MemberCard braucht man gar nicht erst anzufangen, denn die Preise sind ohne diese Karte sehr hoch. Man kann es sich erstleisten, wenn man die Rabatte mitnimmt. So haben wir bei einem Einkauf über 120 USD schon 30 USD gespart undsomit nur noch 90 USD bezahlt! Das lohnt sich in jedem Fall, und das Beste ist, man sammelt Punkte, die man 1:1 beimTanken an einer ChevronTankstelle einlösen kann somit hat man doppelt gewonnen! Nicht immer, aber häufig findetman auch essbares Brot. Eine Theke mit europäischer Wurst und Käse, die allerdings verhältnismäßig teuer sind, gibt esimmer.
 
Albertson, so glauben wir, hängt mit Safeway zusammen, da der einzige für uns erkennbare Unterschied die Marktfarbe ist, die Blau statt Rot ist. Vielleicht täuscht es auch, und diese beiden Märkte gehören nicht zusammen. Was bleibt, ist,dass die Produktpalette sehr ähnlich ist, jedoch die Preise etwas höher sind.
 
Safeway findet man fast überall in den USA und Kanada, Albertson ist weitaus weniger häufig vertreten.
https://www.safeway.com/

Aldi

Jetzt wird es interessant 😉 Ja, richtig, es gibt Aldi! Wir waren auch ganz überrascht und hatten uns nach langem Hin und Her doch entschieden, einen Einkauf zu tätigen. Dies sollte nicht unser Nachteil sein, da uns Aldi USA tatsächlich enormpositiv überrascht hat. Die Produktpalette ist vielfältig, und es sind auch viele deutsche Produkte zu finden, wie z.B.Nürnberger Bratwurst (tatsächlich die echten) oder Apfelschorle. Es gibt auch eine reichhaltige Käseauswahl undWurstwaren, die ganz gut schmecken. Besonders überrascht hat uns die Gemüse und Obstauswahl, die zu humanenPreisen angeboten wird. Je nachdem, ob der Markt in einem Staat ist, wo Alkohol im Supermarkt verkauft werden darf,gibt es eine annehmbare Bier und Weinauswahl.
 
Es gibt aber auch hier ein paar Dinge, die wir nicht so toll finden, wie z.B. ein Dutzend Eier für unter einen Dollar. Ichkann mir nicht vorstellen, dass Hühner für diesen Eierpreis artgerecht gehalten werden können! Alles in allem ist Aldi aufunserer SupermarktRangliste auf Platz 2 gelandet!
 
Aldi ist eigentlich nur im Osten und im mittleren Westen vertreten. An der Westküste gibt es Aldi nicht. Das Ganze istetwas aufgeteilt wie in Deutschland mit Aldi Süd und Nord, aber dazu später noch.
https://www.aldi.com/

Trader Joe`s

Zweifellos unsere Nr. 1 in puncto Preis, Qualität und Sortiment! Trader Joe’s ist eine Tochter von Aldi Nord und hier nuran der Westküste und vereinzelt im Rest der USA vertreten. TJ ist ein Mekka für Veganer, Vegetarier und Menschen mitLaktose oder Glutenunverträglichkeit. Man bekommt hier alles, ähnlich wie in einem Reformhaus. Ebenfalls ist dieGemüse und Obstauswahl vielfältig und bezahlbar. Fleisch ist relativ teuer, aber alles ist Bio, und somit kann davonausgegangen werden, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden. Auch die Wurst und Käseauswahl ist recht gut, und manbekommt je nach Markt das ein oder andere heimische Produkt, das man vermisst, wenn man länger auf Reisen ist. Fürmich eines der Highlights bei TJ ist die Wein und Bierauswahl, die sehr vielfältig ist. Man findet hier sowohl USWeineals auch ÜberseeWeine aus Italien, Frankreich usw. Die Preise für Wein sind angemessen, die Qualität sehr gut. Bierkostet etwa dasselbe wie im Liquor Store. Es gibt in den Märkten immer ein paar lokal produzierte Produkte, somit kannman Glück haben und anständiges Brot bekommen (nicht immer).
[Trader Joe’s](https://www.traderjoes.com/)

Canadian superstore

Wie der Name schon sagt, gibt es diesen Markt nur in Kanada. Auf den ersten Blick gleicht dieser Markt etwas einemWalmart, auf den zweiten Blick findet man viele tolle Produkte, wie z.B. Leberwurst von der Firma Frey, die vermutlichdeutsche Wurzeln hat, wenn man dem Namen glauben kann. Dem Geschmack kann man in jedem Fall glauben der istsehr deutsch 😉 Es gibt hier aber auch noch mehr, was wirklich ziemlich okay ist. Die Gemüse und Obstauswahl istreichhaltig und gut zu bezahlbaren Preisen. Besonders gut finde ich die Käse und Wurstauswahl, z.B. einenüberdimensionalen Camembert für 7 CAN (ca. 5 USD).
https://www.realcanadiansuperstore.ca/

Farmers Markets

Farmers Markets gibt es mittlerweile überall im Land verteilt, und man kann dort auch recht gut einkaufen, wie z.B. Eier vom Bauernhof oder frisches saisonales Gemüse, selbstgemachte Konfitüre, Honig, Brot usw. Wir lieben es, lokal aufMärkten einzukaufen. Das ist meistens noch nicht mal teurer als im Supermarkt, daher ist das sicherlich eine gute Option,wenn man sich nicht von chemisch hergestellten Nahrungsmitteln ernähren will. Die Märkte sind meistens am Mittwochund Samstag und werden häufig bei Ortseintritt angekündigt.

Das Thema Gutes Brot

Man findet verteilt über die USA und Kanada immer wieder mal Swiss und German Bakeries, die zum Teil sehr gutesBrot haben.Speziell in den Metropolen wie Vancouver, Seattle etc. ist es leicht, eine solche zu finden.Wir hatten aberauch auf Farmers Markets, von denen es mittlerweile relativ viele gibt, schon einige Male Glück und sehr gutes Brotkaufen können.Wie schon erwähnt, gibt es bei Safeway und Trader Joe’s häufig gutes, knuspriges Brot.
 
Für diejenigen unter euch, die selbst backen und dies gerne mit Roggen oder Dinkelmehl tun, sei gesagt: Deckt euch mitdiesen Mehlen in Kanada ein, da sie in den USA viel schwerer zu bekommen sind.Auch wenn man sie in Kanadaallgemein besser bekommt, wurden wir meistens nur in Organic Markets fündig.In den USA wird es wohl an derWestküste einfacher sein, gutes Mehl zu bekommen, da die Menschen hier im Großen und Ganzen bewusster leben.
 
Bäckerei Forscher nähe Zion Nationalpark USA (unsere Brot Nr. 1)
Farmers Market Jackobsville Kanada
Dawson Creek Swiss Bakery
Vancouver, Breka eine Kette aber gutes Brot
Victoria auf Vancouver Island, Cobs Bakery
Alpine Bakery in Whitehorse (Knapp nach Forscher Nr. 2 unserer Top Brote)
Valemont Kanada, Swiss Bakery

Alkohol

Man sollte sich vorher erkundigen, in welchem Staat man Alkohol im Supermarkt bekommt und wo man in einen LiquorStore gehen muss. Als Bayer darf ich das eigentlich gar nicht öffentlich sagen, da ich jetzt vermutlich nicht mehr nachBayern einreisen darf, aber ich mag diese MicrobreweryKultur in Kanada und speziell in den USA. Es gibt sounglaublich viele kleine Brauereien, die zum Teil hervorragende IPAs und Pale Ales brauen, die man unbedingt probierenmuss! Die Auswahl ist so groß, dass man jeden Tag ein anderes trinken kann und vermutlich 1000 Jahre brauchen würde,um alle zu verkosten. Es gibt auch vieles für unsere besseren Hälften, wie z.B. IPA mit GrapefruitGeschmack usw., wasmir zugegebenermaßen auch ganz gut mundet 😉 Es gibt auch unglaublich viele BrauereiGaststätten, einfach Brewerygenannt. In der Regel gibt es dort Burger, Salate etc. gute Qualität zu vernünftigen Preisen und das Beste ist, jededieser Microbreweries braut ihr eigenes Bier, das in den meisten Fällen sehr gut mundet. Unsere persönlichen Favoritenbisher befinden sich in Oregon und Washington.

Grenzübertritt von USA nach Tecate Mexiko

Am 9. Oktober geht es endlich nach Mexiko! Wir überqueren die Grenze in Tecate, da viele Reisende diesen Übergang als einfach und unkompliziert empfehlen. An der Grenze fahren wir, bis uns jemand stoppt. Ein junger Beamter fragt, ob wir Spanisch sprechen. Christoph sagt: „No.“ Ich antworte: „Un poco.“ Er bittet uns, die Schiebetür zu öffnen, wirft einen kurzen Blick hinein und fragt nach dem Fahrzeugschein und der Fahrgestellnummer. Christoph sucht, der Beamte wartet geduldig, doch als Christoph die Papiere findet, will er sie gar nicht sehen. Wenigstens wissen wir jetzt, wo sie sind. Der Beamte verabschiedet sich mit „Adios“ und geht.

Aber wo bekommen wir unser Visum und wie werden wir den weißen Zettel los, den sie uns bei der Einreise nach Washington in den Pass geheftet haben? Ich frage ihn, und er schickt uns zurück in die USA. Er erklärt, wo wir parken und entlanglaufen müssen. Wir fahren um die Ecke, parken unter einem Wellblechdach, wo unser Fahrzeug knapp passt. Ein anderer Beamter weist uns ein und sagt, wir dürfen nur 20 Minuten parken. Dass es 1,5 Stunden dauern würde, ahnten wir nicht. Wir laufen zurück in die USA, wo sie den Zettel entfernen, dann wieder Richtung Mexiko in ein Büro vor der Station, wo der Beamte nach der Fahrgestellnummer gefragt hat. Wir füllen einen Zettel mit Namen, Geburtsdatum, Passnummer, Reisegrund und Ziel in Mexiko aus. Der Beamte schickt uns zur Bank, erklärt freundlich, wohin wir als Nächstes müssen. Die „Bank“ sind zwei Schalter, wo wir das Visum bezahlen. Dann zurück zum Beamten, der uns den Stempel mit einer Aufenthaltserlaubnis für 180 Tage gibt.

Nebenbei bietet er uns Honig und Salsa an. Ich brauche einen Moment, um das zu verstehen, da ich nicht damit gerechnet habe, dass uns jemand etwas verkaufen will. Ich übersetze es für Christoph, und wir müssen uns das Lachen verkneifen. Die Situation ist so komisch, dass wir tatsächlich Honig und Salsa kaufen. Danach schickt er uns in die Apotheke zum Kopieren, denn wir brauchen eine Kopie des Visums, um das Auto einzuführen. Also in die Apotheke, die gleich neben dem Grenzdschungel liegt. Dann zurück zur „Bank“, um das Visum für unser Fahrzeug zu bezahlen. Das Formular muss zweimal ausgefüllt werden, weil sich die Beamtin vertippt hat. Genau kontrollieren, damit uns kein O statt einer 0 zum Verhängnis wird! Unser Fahrzeug darf jetzt 10 Jahre bleiben. Wir sind neidisch!

Nun brauchen wir noch eine Autoversicherung. Die Agenturen sind im Ort, und wir verlassen den Grenzdschungel. Im Büro der Versicherungsagentin fühlen wir uns wie auf einem Basar. Wir brauchen eine Versicherung für ein Motorhome. Sie schreibt 379 US-Dollar auf einen Zettel. Wüssten wir nicht von anderen Reisenden, was sie bezahlt haben, hätten wir uns nicht gewundert. Wir brauchen nur Haftpflicht, keine Vollkasko. Der Preis sinkt auf 279 US-Dollar. Immer noch zu viel! Wir sagen, dass Freunde weniger bezahlt haben. Sie sucht weiter und bietet uns schließlich die Versicherung für 227 US-Dollar für sechs Monate an. Ein Schnäppchen im Vergleich zur US-Versicherung für 1270 US-Dollar.

Pannen Bitte nur Freitags wenn am Montag Feiertag ist

Wir sind auf dem Weg nach Page, Arizona, einer Stadt im äußersten Norden des Bundesstaates, nahe der Grenze zu Utah. Unser Ziel: der atemberaubende Horseshoe Bend und der mystische Antelope Canyon. Doch unser dritter Platten durchkreuzt unsere Pläne. Ausgerechnet an einer Steigung in einer Kurve beschließt der Reifen, die Luft abzulassen. Schnell weichen wir auf den Schotter neben der Straße aus, um der Gefahrenzone zu entkommen.

Mittlerweile sind wir im Reifenwechseln geübt, doch die brennende Sonne der Wüstenlandschaft Arizonas macht die Arbeit nicht leichter. Wir müssen zudem aufpassen, dass wir uns nicht in einen der winzigen, überall verstreuten Kakteen knien. Das Ausrichten der Faltrampen und das Positionieren des Wagenhebers ist auf dem steinigen Untergrund eine Herausforderung, da unser Fahrzeug, Muggl, einfach zu viel Bodenfreiheit für unseren Wagenheber hat. Nach etwa einer halben Stunde ist der Reifenwechsel geschafft. Zum Glück ist der Verkehr auf den langen Strecken in Arizona nicht allzu dicht, sodass wir sicher auf die Straße zurückkehren können.

Nun heißt es durchhalten: Bis Page sind es noch gut 100 Kilometer, und unser einziger Reservereifen ist bereits im Einsatz. Ein kurzer Stopp beim Horseshoe Bend liegt jedoch drin. Diese beeindruckende Laune der Natur, eine enge Schlaufe des Marble Canyon, liegt kurz vor Page. Nach einem zehnminütigen Spaziergang durch die Wüste erreichen wir die atemberaubende Aussicht.

In Page angekommen, suchen wir zunächst einen Reifenhändler, der auch Schlauchreifen flickt. In den USA ist das selten, da es als gefährlich gilt und die Versicherung dafür zu teuer ist. Wir wurden schon mit den entsetzten Worten: „Reifen mit Schlauch? Nein, das machen wir nicht! Das ist ja illegal!“ abgewiesen. Diesmal haben wir Glück: Big O Tires kann uns helfen und der kaputte Reifen wird sofort repariert. Doch es gibt ein Problem: Manche Schlauchreifen haben zwischen Schlauch und Felge ein Inlett (Felgenband), und dieses ist ebenfalls beschädigt. Da es normalerweise nicht so leicht kaputt geht, haben wir keinen Ersatz dabei und die Werkstatt hat nichts auf Lager. Sie können es jedoch bestellen, was ein paar Tage dauert, denn es ist Freitag und am Montag ist Memorial Day.

Na bravo! Fünf Tage gefangen in Page, einer Stadt, in der nichts los ist und ringsum nur Wüste. Eigentlich wäre das nicht so schlimm, aber ohne Reservereifen können wir Muggl nicht riskieren. Wir vertreiben uns die Zeit und richten unser „Büro“ auf dem Parkplatz vor einem Subway ein, wo wir deren WLAN nutzen und unsere Homepage aktualisieren. Einen Nachmittag verbringen wir am Lake Powell, zwischen den größenwahnsinnigen Amerikanern in riesigen Wohnmobilen und ATVs (All-Terrain Vehicles, also Quads). Die Abkühlung im See tut gut. Zum Glück müssen wir nicht zwischen all den Wohnmobilen campen. Wir verbringen die Tage einige Kilometer außerhalb auf einer Recreation Area. Zwar bedeutet das hin und her Fahrerei, aber dort haben wir unsere Ruhe und gehen das Risiko ohne Reservereifen ein. Wo der Amerikaner keine Steckdose hat, campt er in der Regel nicht, es sei denn, er hat ein Aggregat. Wir haben Glück: Die meiste Zeit sind wir abends allein.

Am dritten Tag machen wir eine lustige Begegnung. Als wir an diesem Spätnachmittag aus Page zurückkommen, ist das Gelände komplett leer. Kein Camper, Zelt oder Auto, nur unter einem Baum im Schatten sitzt eine kleine Gestalt. Christoph fragt die Gestalt, ob alles in Ordnung sei und wie er hierher gekommen sei. Die Gestalt gibt zu verstehen, dass alles in Ordnung ist und er sich nur ausruhen würde. Carl aus Toronto, Kanada, wandert! Seit gut drei Monaten ist er unterwegs, eineinhalb hat er noch vor sich. Sein Rucksack mit Zelt, Schlafsack und Proviant wiegt nur sechs Kilogramm! Wir haben uns gerade im Supermarkt mit Steaks, frischem Gemüse und kaltem Bier versorgt und fragen Carl, was er zum Abendessen auf seiner Speisekarte stehen hat. Da er extrem an Gewicht einsparen muss, gibt es bei ihm meistens Päckchensuppen, die er mit Wasser auffüllt und von der heißen Sonne aufheizen lässt. Klingt lecker! Christoph fragt ihn, wann er das letzte Mal ein Steak gegessen hat, und ich muss euch nicht genauer beschreiben, wie Carl sich gefreut hat, als wir ihm anboten, mit uns Steak mit Salat zu essen. Als Christoph ihm noch ein kaltes Bier in die Hand drückte, war das für ihn der Himmel auf Erden. Er sprintete los, um Feuerholz zu sammeln, als wäre er an diesem Tag noch keinen Schritt gegangen. So verbringen wir zusammen einen langen, warmen Sommerabend am Lagerfeuer und erzählen uns Reisegeschichten. Carl fühlt sich sichtlich wohl in unserer Gesellschaft und bietet uns als Dessert Marshmallows an, die er dabei hat, da sie ja nichts wiegen. Am nächsten Morgen weckt er uns um sechs Uhr, damit wir uns verabschieden können, und marschiert davon.

Mittlerweile ist Dienstag, der 30. Mai, und das bestellte Teil sollte irgendwann im Laufe des Tages in der Werkstatt eintreffen. Daher haben wir den Termin erst für Mittwochmorgen vereinbart. Heute wollen wir den Antelope Canyon besuchen. Da die Touren am Memorial Day Weekend komplett ausgebucht waren, haben wir für Dienstagnachmittag reserviert. Also geht es erst einmal wieder nach Page, wo wir am Supermarkt noch einen Stopp einlegen. Beim Aussteigen vernehmen wir ein lautes PFFFFFFFFFFFF. Wir können zusehen, wie dem hinteren linken Reifen die Luft ausgeht. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Was läuft denn verkehrt mit unseren Reifen oder Schläuchen?! Zum Glück ist die Werkstatt gleich um die Ecke. Also Kompressor raus, aufpumpen, hoffen, dass die Ampel grün ist, und um die Ecke. So stehen wir auf dem Parkplatz vor der Werkstatt und schauen zu, wie dem Reifen die Luft ausgeht.

Schläuche haben sie auf Lager, und so wird der Reifen ruckzuck repariert bzw. der Schlauch ausgetauscht. Wir können pünktlich zu unserer Antelope-Canyon-Tour aufbrechen. Zwischenzeitlich haben wir uns bei anderen IVECO-Fahrern und Schlauchreifen-erfahrenen Menschen erkundigt, was dazu führen könnte, dass uns immer die Luft ausgeht. Unsere Erkenntnis: Heutzutage werden eigentlich keine Schlauchreifen mehr hergestellt. Das bedeutet, die Innenseiten der Reifen sind nicht mehr so glatt wie früher und wetzen sich schneller ab. Also beschließen wir, die Schläuche, die wir austauschen, eine Nummer größer zu nehmen. Außerdem könnten die Schläuche, die wir montiert hatten, schon eine Weile oder falsch gelagert gewesen sein, sodass der Gummi nicht mehr so elastisch war. Wie auch immer, wir werden es im Langzeittest feststellen.

Am Mittwochmorgen erhalten wir endlich unser Inlett und die Werkstatt hat ordentlich mit uns zu tun. Mit komplett neuen Schläuchen verlassen wir kurz nach Mittag, machen einen letzten Stopp an der Tankstelle und verlassen die Wüstenstadt Page, um unsere Reise nach Norden fortzusetzen.

Komische Geräusche, tierische Entdeckungen und heisse Quellen

Kurz nach halb fünf weckt mich ein knisterndes Geräusch. Ich lausche, kann es aber nicht einordnen. Ich wecke Christoph und frage, ob er es auch hört. Er verneint, dreht sich um und schläft weiter. Das Geräusch verstummt, beginnt aber immer wieder. Es klingt wie ein leises Bitzeln, schwer zu beschreiben. Ich überlege, was es sein könnte. Plötzlich riecht es verbrannt. Ich springe auf, wecke Christoph, und wir suchen die Quelle.

Es kommt aus dem Küchenkästchen unter der Spüle, wo der Kühlschrank steht. Kein gutes Zeichen! Christoph zieht sofort die Sicherung. Wir räumen alles aus, was nicht fest verbaut ist: Bettzeug, Polster, alles unter dem Bett. Ich staple alles draußen auf Campingtisch und -stühlen und bin froh über den klaren Himmel und den Sonnenaufgang. Wir stehen idyllisch neben einem kleinen Bach. Wir packen das Werkzeug aus und bereiten uns auf alles vor. Die Rückwand des Kästchens muss weg, aber alles ist so kompliziert verbaut, dass man das halbe Auto zerlegen müsste. Auch die Arbeitsplatte lässt sich nicht entfernen, da der Wasserhahn angeschlossen ist und sie von unten mehrfach festgeschraubt wurde. Immerhin können wir die Platte so weit lösen, dass wir einen Blick hineinwerfen können. Die Schelle des Wasserhahns ist locker, Wasser tropft auf die Kabel und die Elektronik des Kühlschranks. Na bravo!

Hoffentlich ist nichts kaputt. Mit der Taschenlampe in der einen und Küchentüchern in der anderen Hand tupfe ich alles trocken. Ich ziehe die Schelle fest und forme aus einer alten Plastikverpackung eine Kappe, die wir mit Pattex über die Elektronik kleben. Dann rücken wir alles zurecht, schrauben es zusammen, stellen den Tisch wieder hinein, machen das Bett und räumen das Werkzeug weg. Fast eineinhalb Stunden dauert die Aktion. Als wir fertig sind, bemerken wir den herrlichen Tag. Die Sonne scheint, große gelbe Schmetterlinge flattern umher. Ein kleiner Trost für den morgendlichen Ärger, denn es ist mein Geburtstag, und so wollte ich ihn nicht beginnen.

Na ja, denke ich, wenn man an seinem Geburtstag früh aufsteht, hat man mehr vom Tag. Wir frühstücken gemütlich mit einer kleinen Flasche Champagner, die Christoph bei Aldi mit dem Kommentar „für einen besonderen Tag“ gekauft hat, und wandern dann zu heißen Quellen in den Bergen. Eine gute Stunde dauert die Wanderung. Unterwegs begegnet uns eine Klapperschlange! Ich gehe vorne, Christoph hinter mir, als ich links in den Blättern erst ein Rascheln und dann ein Rasseln höre. Ich sage nur: „Stop! Rattlesnake“ und halte die entgegenkommenden Wanderer auf. Eine gut eineinhalb Meter lange Klapperschlange schlängelt sich rasselnd vor uns über den Weg und verschwindet im Gebüsch. Einer der Wanderer meint, das sei der Wahnsinn! Er lebt sein ganzes Leben in Utah, geht viel wandern und hat noch nie eine Klapperschlange gesehen. Scheinbar sind sie gar nicht so häufig.

Als wir ankommen, erwartet uns noch eine Schlange, die wir als ungiftig einstufen. Sie ist schüchtern und verschwindet im Wald. Viele kleine Pools mit unterschiedlich warmen Temperaturen und ein eiskalter Wasserfall laden zum Verweilen ein. Dort, wo die Quellen entspringen, ist das Wasser so heiß, dass man es kaum aushält. Wir lassen uns einweichen, denn seit wir im Muggl wohnen, fallen die Duschen knapp aus. Auch hier flattern große gelbe Schmetterlinge, wir genießen die Sonne und hüpfen von Pool zu Wasserfall und zurück. Verschrumpelt und sauber wie lange nicht mehr machen wir uns auf den Rückweg zu unserem kleinen Bach, wo wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen. 

Wunderschönes Alaska

Über den Top of the World Highway reisen wir am 10. Juli von Dawson City (Kanada) über den nördlichsten Grenzübergang Nordamerikas, Polker Creek, nach Alaska (USA) ein. Das Wetter ist ausnahmsweise nicht auf unserer Seite: Nebel und Nieselregen verhüllen die Landschaft, die hier so atemberaubend sein soll. Doch Alaska überrascht uns bald mit heißen, sonnigen Tagen und glasklaren Seen. Wer hätte gedacht, dass wir in Alaska überwiegend kurze Hosen und T-Shirts tragen würden? An der Grenze fragt uns eine freundliche Beamtin, ob wir Haustiere, Waffen oder Tabakwaren dabei haben, was wir natürlich verneinen. Sie bewundert unsere Weltkarte im Führerhaus und fragt, ob wir die ganze Welt bereisen. Wir verneinen erneut und sagen: „Nein, erstmal nur Amerika, dann sehen wir weiter. “ Sie verschwindet mit unseren Reisepässen in ihrem Zollhäuschen und kehrt nach drei Minuten zurück, stolz verkündend, sie habe uns einen ganz speziellen Stempel in den Pass gestempelt: „because you made it! “ Jetzt ziert ein Karibu unsere Pässe, und wir sind ganz stolz.

Kurz bevor wir Kanada verlassen hatten, lernten wir Corinna und Reiner aus Ahrweiler bei Bonn auf einem kleinen Campingplatz kennen. Wir wollten uns nur kurz dazusetzen und Hallo sagen, plötzlich war es 1:00 Uhr morgens. Das kann schon mal passieren, wenn es nicht dunkel wird. Da wir nun in dieselbe Richtung reisen, werden wir die beiden künftig noch öfter sehen und viele Abende gemeinsam verbringen, manchmal verabredet, manchmal zufällig. Unser nächstes Ziel und die nördlichste Stadt, die wir auf unserer Reise besuchen werden, ist Fairbanks. Ursprünglich hatten wir nicht geplant, so weit nach Norden zu fahren. Wenn wir es nach Anchorage schaffen, ist das schon gut, dachten wir. Aber irgendwie machen wir es wie Forrest Gump: „Jetzt sind wir schon so weit gefahren, jetzt können wir auch noch weiterfahren. “

Fairbanks ist eine verschlafene Großstadt, und man fühlt sich hier wirklich wie am Ende der Welt. Man sieht sofort, dass die Winter hier lang und hart sind: Aus den Motorhauben der Autos hängen Kabel mit Steckern, die Heizmatten unter der Ölwanne, an den Dieselleitungen und dem Kühlsystem versorgen, damit im Winter nichts einfriert. Alle Parkplätze haben Steckdosen, an denen man sein Auto während des Einkaufs oder Zahnarztbesuchs anschließen kann. Wir campen zwei Nächte mit Corinna und Reiner auf dem Parkplatz der Universität. Manchmal muss man eben einfallsreich sein, wenn man keinen festen Wohnsitz hat. Ich finde sogar heraus, dass man das WLAN der Uni empfangen kann – und zwar ohne Passwort. Die Abende und Nächte sind nicht kalt, ein bisschen frisch, aber angenehm, was zum gemeinsamen draußen Kochen und Verweilen einlädt. Tagsüber, wenn die Sonne herauskommt, wird es sogar richtig warm, und wir besuchen den Bauernmarkt, wo wir regionale Spezialitäten wie Fireweed-Marmelade kaufen. Fireweed ist die Nationalblume von Alaska und blüht in einem wunderschönen Pink.

Von Fairbanks geht es jetzt nur noch Richtung Süden. Unser nächstes Ziel ist der Denali Nationalpark, in den man nur die ersten 15 Meilen mit dem eigenen Auto hineinfahren darf. Will man weiter oder sogar bis zum Ende, muss man das mit einem Tourbus machen, was einfach 92 Meilen (ca. 160 km) sind. Man landet in Kantishna, dem Ende des Nationalparks, und am Wonder Lake, der glasklar ist. Es ist zwar teilweise ein bisschen nervig, den ganzen Tag mit vielen anderen Touristen und einem ununterbrochen quatschenden Busfahrer zu verbringen, aber so weit hinten im Park ist die Natur noch total unberührt, sodass man sich damit arrangieren kann. Es gibt keinen Kiosk, keine Essensstände, keine Mülleimer. Man muss seinen Proviant selbst mitbringen und auch seinen Abfall wieder einpacken, was streng kontrolliert wird. Es liegt nicht der kleinste Müll herum, und nichts ist verschmiert oder sonst irgendwie verschandelt.

Wir sehen Bergziegen als kleine weiße Punkte auf den Hügeln, Grizzlies in der Ferne, die teilweise ihre Jungen dabei haben, Moose (Elche) versteckt im Gebüsch und jede Menge Karibus, die oft einfach auf der Straße stehen. Die Landschaft ist beeindruckend weit. Obwohl es ein bisschen bewölkt ist und sich der Mount Denali, der mit 4900 Metern der höchste Berg Nordamerikas ist, nicht richtig sehen lässt, sind wir begeistert. Auf dem Rückweg wird es still im Bus. Es war ein langer Tag, und alle sind müde, als wir plötzlich in einen Stau geraten. Wahrscheinlich wieder ein Karibu auf der Straße, denken sich alle im Bus. Doch als der Bus vor uns ausweicht, marschiert ein Wolf in unsere Richtung, legt sich etwa fünf, sechs Meter vor uns auf die Straße und wälzt sich auf dem Schotter. Er steht wieder auf, riecht am Boden, streckt sich und legt sich erneut hin, um sich wieder zu wälzen. Das macht er vier, fünf Mal. Dann läuft er langsam direkt an unserem Bus vorbei. Alle beobachten ihn staunend, und sogar der Busfahrer, der seinen Job schon seit 17 Jahren macht und kurz vor der Pensionierung steht, hat so etwas noch nie gesehen und zückt seine Kamera.

Wir lassen diesen gelungenen, aber anstrengenden Tag in der 49th State Brewery in Healy bei bestem Bier und Burgern ausklingen. Hier kann man übrigens den Filmbus aus dem Film „Into the Wild“ mit den Originalrequisiten besichtigen. „Into the Wild“: Für die, die den Film nicht kennen, ist die wahre Geschichte eines jungen Amerikaners, der in den 90ern sein Hab und Gut spendet oder verschenkt und dem erfolgsgetriebenen Leben, in das ihn die Gesellschaft sowie seine Eltern zwängen wollen, den Rücken kehrt. Er reist einige Jahre quer durch die USA und lässt sich im Herbst 1992 in einem alten Bus der Fairbanks City Verkehrsbetriebe nieder, den eigentlich Jäger im Sommer als Unterschlupf nutzen. Im Frühjahr darauf geht ihm der Proviant aus, und die späte Schneeschmelze wird ihm zum Verhängnis. Der „Magic Bus“, wie Alexander Supertramp ihn in seinem Tagebuch nennt, wird zur Pilgerstätte. Will man aber dem sogenannten Stampede Trail folgen, muss man gelegentlich einen Fluss überqueren, was nicht ungefährlich ist. Da erst vor einem Jahr eine junge Schweizerin bei dem Versuch, den originalen Magic Bus zu erreichen, ertrunken ist, hat die Brauerei kurzerhand den Bus von der Filmgesellschaft gekauft, sodass sich nun niemand mehr für ein Erinnerungsfoto in Lebensgefahr begeben muss.

Weiter geht es für uns den George Parks Highway hinunter Richtung Süden, wo wir am Ufer des Susitna River einen schönen Platz zum Campen finden. Der Fluss macht an dieser Stelle eine Kurve, und eine graue Sandbank bietet guten Untergrund zum Stehen. Außenrum liegt genügend Treibholz, um ein Lagerfeuer zu machen, und somit die beste Gelegenheit, mal wieder Brot zu backen. Es ist unter der Woche und sehr ruhig. Am Wochenende sieht das hier sicher anders aus, und während wir den Nachmittag am Flussufer genießen, treibt sogar ein Biber vorbei. Ich musste zweimal hinschauen, da sich das Holzstück, das ich glaubte zu sehen, plötzlich bewegte.

Anchorage hat uns nicht besonders begeistert, obwohl die gelben Straßenlaternen und die blau blühenden Blumenampeln in Muggl-Farben dekoriert sind. Wir verbringen nur einen Nachmittag dort. Wir wollen auf die Kenai-Halbinsel, wo wir einmal mehr mit dem Wetter Glück haben. Auf dem Weg dorthin regnet es zwar noch und es ist dunkel bewölkt, aber mit uns kommt auch die Sonne an (woher auch immer), und wir parken Muggl ganz am Ende des Spits und spazieren am Hafen entlang. Außenrum schneebedeckte Hügel und Berge, Fischkutter liegen an den Pieren, die Fischer zeigen stolz ihre gefangenen Heilbutte, und Seeadler kreisen durch die Lüfte. Wir schauen begeistert zu, wie schnell und mit welcher Geschicklichkeit sie ihre Heilbutte zerteilen. Ein einzelner Fisch hat etwa 1,50 m Länge! Ein Stück im Inneren der Halbinsel finden wir ganz zufällig eine kleine Einfahrt am Rande der Landstraße. Ich rufe einfach: „Hier rechts! “ und wir landen auf einer kleinen Lichtung an einem Bach zwischen Tannenbäumen und Fireweed, welches auf Deutsch übrigens Schmalblättriges Weidenröschen heißt. Die Abendsonne taucht unser heutiges Zuhause in ein warmes Licht, und obwohl uns alle vor Moskitos und Blackflies in Alaska gewarnt haben, lassen diese sich bisher zu unserer Freude nicht blicken, was auch heute so bleiben soll.

Als nächstes soll es nach Kenai Village gehen. Ich hatte irgendwo gelesen, dass Old Town schön sein soll, was aber in unseren Augen nicht so ist. Trotzdem ist irgendwie etwas los in diesem kleinen, verschlafenen Ort. Wir folgen der Menge und landen an der Küste, wo der Kenai River ins Meer mündet und wir von den Dünen herab ein reges Getümmel am Strand entdecken. Wir parken das Auto und mischen uns unter die Menge, um herauszufinden, was da los ist. Menschen in Gummihosen und riesigen Keschern stehen teilweise bis zum Hals im Wasser. Was sie da fangen, können wir auf den ersten Blick nicht erkennen. Und warum alle auf einmal? Ein Wettbewerb? Es ist der 21. Juli und die Laichzeit der Lachse. Drei Wochen um diese Zeit des Jahres dürfen die Alaskaner ihren Jahresbedarf an Lachs fischen. Die Regel: nur mit dieser Art Kescher und ‚nur‘ 25 Stück Lachs pro Familie plus 10 Stück Lachs pro Kind. Das macht z.B. für eine fünfköpfige Familie 55 Lachse! Aber ja kein Stück zu viel, das wird nämlich kontrolliert und bestraft, wenn man zu viel mitnimmt. Wir schauen ungläubig zu, wie die Männer und auch Frauen stolz ihre riesigen Lachse aus dem Wasser ziehen. Teilweise ist das ein richtiger Kampf, und die geschickte Drehung des Keschers lässt den Lachs darin nicht mehr entkommen. Die Lachse werden vor Ort mit einem kleinen Knüppel und gezieltem Schlag auf den Kopf getötet, an Ort und Stelle ausgenommen, zerteilt und in Kühlboxen verfrachtet. Ich muss zugeben, kein schöner Anblick, aber so ist das nun mal, und so wird es hier seit Jahrzehnten praktiziert. Dazwischen spielen und rennen Kinder herum, als wäre es das Normalste auf der Welt, was es für sie wohl ist – so ähnlich wie wenn man bei uns auf einem Bauernhof aufwächst. Ich kann mich noch gut erinnern, als meine Oma damals Hühner geschlachtet hat

Unser Schlaf- und Rastplatz für die nächsten Tage soll der Kenai Lake werden. Steil soll es zum Südufer hinuntergehen, und man bräuchte 4×4, haben wir uns sagen lassen. Kein Problem, und wir freuen uns, weil dann natürlich die Chancen gut sind, dass dort nicht allzu viel los ist, denn es ist Samstag. Es geht tatsächlich steil hinunter und felsig ist der Weg, aber noch nicht mal unten angekommen, sehen wir ein Fahrzeug nach dem anderen, normale PKWs, und wir fragen uns, wie sind die hierher gekommen oder besser, wie kommen die da wieder hoch? Was uns in den USA immer wieder überrascht hat: Die Straße kann noch so schlecht sein, die Amerikaner sind offenbar recht schmerzfrei und fahren mit ihren Autos überall hin. Im besten Fall schleppen sie auch noch einen Wohnanhänger mit. Eine Hochzeit im kleinen Kreis findet heute am Kenai Lake statt, und wir lassen uns erklären, das wäre eine beliebte Kulisse für Hochzeitsfotos. Na dannWir finden am Ende der Bucht noch ein Plätzchen, und weil es ein langer Tag war, wollen wir sowieso nur noch schlafen. Am Sonntagvormittag brechen die meisten, also fast alle, schon wieder auf. Es quietscht und scheppert, als sie sich den Weg nach oben bahnen. Motoren heulen, und wäre es nicht taghell, würden wir die Funken sprühen sehen, da bin ich mir sicher. Wir ziehen für die nächsten zwei Tage um, und zwar an das andere Ende der Bucht, wo wir einen etwas breiteren Kiesstrand haben und wo sich niemand direkt neben uns parken kann. Abends machen wir Lagerfeuer und grillen, tagsüber genießen wir die Sonne und das blaue, eiskalte (12 Grad) Wasser des Kenai Lakes.

In Seward angekommen, parken wir erstmal am Visitor Center, um uns einen Überblick über die Gegend zu verschaffen. Wen erspähen wir am nahegelegenen Supermarktparkplatz? Corinna und Reiner, die wir mittlerweile Team Reico nennen. Ich flitze hinüber, und wir verabreden uns zum Campen in einem ausgetrockneten Flussbett entlang der Exit Glacier Road. Corinna, die bei den beiden die meiste Zeit fährt, traut sich schon ziemlich viel, denn das Flussbett ist sehr steinig, und sie sind ja mit einem normalen Camper (Citroën) unterwegs. Wir sind stolz! Dort lernen wir noch Ludwig und Uschi aus Regensburg kennen, die auch im Camper auf Reisen sind. Ja, die Welt der Reisenden ist klein. An diesem Abend kochen wir zu sechst am Lagerfeuer. Es gibt fangfrischen gegrillten Lachs mit Remoulade und Kartoffeln, Obstsalat als Nachspeise. Außerdem backen wir noch Zimtschnecken und Brot im Dutch Oven. Am nächsten Morgen regnet es ein wenig, und unsere Wege trennen sich wieder. Wir wollen heute noch auf den Gletscher wandern. Als wir uns gerade Frühstück machen, späht auf einmal jemand zur Tür rein und sagt: „Guten Morgen, fahrt ihr zufällig zum Exit Glacier? “ Isabelle aus Hamburg ist mit Rucksack und Zelt unterwegs – und zwar alleine! Also rücken wir zusammen, frühstücken erstmal und nehmen sie dann mit zur Wanderung auf den Gletscher. Es hat aufgehört zu regnen, und die Sonne kommt raus, sodass wir bei bestem Wetter und Sicht bis zum höchsten Punkt hochsteigen können. Sogar ein Schwarzbär und ein paar Murmeltiere lassen sich blicken, allerdings ganz in der Ferne.

Nach Haines ist es nun ein ganzes Stück Fahrt, die uns über den letzten Abschnitt des Alaska Highways und über Kanada wieder nach Alaska in den kleinen, verschlafenen Ort führt. 880 Meilen sind das, also 1416 km, aber nach Haines wollen wir unbedingt, denn dort sind Bären garantiert! Die Entfernungen hier sind unglaublich, und man kann es sich gar nicht vorstellen, wenn man noch nie hier unterwegs war. Kaum angekommen, führt uns unser Weg entlang des Chilkoot River bis zum Chilkoot Lake am anderen Ende des Ortes. Dort sollen sie sein, die Grizzlies. Wir parken und warten, und schon nach etwa 10 Minuten werden die Leute, ortsansässige Fischer und ein paar Touristen, unruhig und springen zurück in ihre Autos. Zwei junge Grizzliebrüder laufen im kniehohen Wasser den Fluss entlang, fangen im Vorbeigehen Lachse und verspeisen sie genüsslich. Das Publikum versteckt sich hinter Autotüren und beobachtet gespannt, was passiert. Die zwei Bären sind etwa drei Jahre alt, sagt man uns, und wurden in diesem Frühjahr von der Mutter verjagt, weil sie neuen Nachwuchs bekommen hat. Sie laufen und plantschen bis zum Ende des Flusses, wo dieser aus dem See entspringt, und dort, wo das Wasser tiefer wird, wird eben geschwommen. Als sie genug geschwommen und geplantscht haben, kommen sie an Land. Dort, wo die Bootsrampe ist, ist es leicht auszusteigen. Die Leute springen in ihre Autos und verriegeln die Türen. Die zwei Brüder sind schnell und erkunden alles ganz genau. Picknickbank und -tisch riechen nach Essen und wollen genau inspiziert werden. Da kann man schon mal einfach drüber spazieren. Nachdem nichts zu finden ist und die beiden ja sowieso schon einen Lachs nach dem anderen verspeist haben, verschwinden sie kurzerhand hinter uns im Wald. Was für ein Spektakel, wir sind sprachlos!

Für die Nacht suchen wir uns eine kleine Parkbucht zwischen Flussufer und der schmalen Straße, die zum See führt, und übernachten dort. Mitten in der Nacht werden wir von einem sehr lauten Schnauben aufgeweckt – und zwar beide. Es hört sich an, als wären die beiden Bärenbrüder wieder unterwegs und schnüffeln hinter Muggl, genau dort, wo wir schlafen. Hoffentlich muss ich diese Nacht nicht aufs Klo! Den nächsten Tag verbringen wir ganz am See und am Fluss. Es gibt weiter vorne ein Metallgatter im Fluss, das von den Einheimischen die Sushi Bar genannt wird. Hier kommen Bären auch tagsüber sehr gerne, um Lachse zu verspeisen. Somit ist daneben an der Straße ein Bereich gesperrt, wo man nicht parken oder stehen darf. Von dort kommen nämlich die Bären aus dem Wald, um ihre Mahlzeiten einzunehmen. Am Mittag fischt dort eine ausgewachsene Bärendame, und die Sushi Bar heißt deshalb Sushi Bar, weil die Bären die gefangenen Lachse ganz leicht gegen das Gitter drücken können und so einfach fressen können. Die Bärendame fasst einfach ins Wasser und holt einmal mit der rechten Tatze und einmal mit der linken Tatze einen Lachs heraus. Man könnte ewig dabei zusehen Diese Nacht campen bzw. parken wir am Chilkoot Lake, obwohl dort Campen eigentlich verboten ist. Das ist offiziell das erste Mal, dass wir bewusst illegal übernachten… naja, „wo kein Kläger, da kein Richter“, und es hat uns nachts auch keiner rausgeklopft. Es war sogar so ruhig, dass ich glaube, es ist nicht mal ein Bär vorbeigekommen, außer Christoph. Der hat Unruhe gestiftet, der hat nämlich in manchen Nächten Hummeln im Hintern und es fällt ihm schwer, zwei Sekunden still zu liegen. Ich sag euch, das kann ganz schön nervig sein bei einem nur 1,80 m auf 1,20 m kleinen Bett, und außerdem wackelt dann auch der ganze Muggl.

Von Haines aus nehmen wir die Fähre nach Skagway und sparen so eine lange Fahrt. Zwei Stunden später erreichen wirden Hafen, umgeben von riesigen Kreuzfahrtschiffen. Skagway ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrten, was mich überrascht, da ich von AlaskaKreuzfahrten bisher nichts gehört hatte. Warum nicht? In Skagway werden wir kreativ beider Suche nach einem Übernachtungsplatz und landen auf dem Friedhof. Das klingt schlimmer, als es ist: Der Gold Rush Cemetery wurde bis kurz nach der Jahrhundertwende genutzt. Da er unterhalb eines Hangs liegt und teilweise von einem Erdrutsch verschüttet wurde, ist er quasi geschlossen. Er wirkt wie ein Friedhof aus einem Wildwestfilm, mit einfachen Holzkreuzen und schiefen Grabsteinen. Als wir ankommen, fällt das sanfte Nachmittagslicht durch die Bäume und tauchtdie Gegend in eine magische Stimmung. Ein Spaziergang führt uns über einen kleinen Pfad zu einem Wasserfall, der auseiner schmalen Schlucht im Berg entspringt. Am Parkplatz gibt es ein Plumpsklo, und nachts ist es ruhig. Was will manmehr? Es bleibt ruhig bis 8:00 Uhr morgens, dann kommen die Touristenbusse und der historische Zug zum White Pass fährt los.
 
In den nächsten Tagen zieht es uns wieder in die Wildnis. Wir folgen der Dyea Road ein Stück nach Norden, wo einkleiner Fluss in die Bucht mündet. Christoph hat am Straßenrand Pilze entdeckt und stürmt in den Wald, während ich zumFluss und zur Brücke gehe. Dort angekommen, bin ich sprachlos: Der Fluss wimmelt von Lachsen, die dicht gedrängt ihre Eier ablegen. Ich wusste, dass es das hier um diese Zeit gibt, aber wir hatten es nicht gezielt gesucht. Umso schöner, eszufällig zu finden. Ich frage einen Guide, der mit einer Touristengruppe ankommt, ob es hier Bären gibt. Ja, gleich dahinter dir! sagt er. Erschrocken drehe ich mich um, sehe aber keinen Bären. Er lacht und erklärt, die Bären kommen nurnachts, tagsüber ist es ihnen zu belebt. Aha! Wir fahren weiter entlang der Dyea Road und campen mit Lagerfeuer aneinem schönen Fluss, wo uns die Jeepsters überraschen. Die Jeepsters sind eine hawaiianische Familie: Sam, Lucie unddie dreijährige Tochter Kali, unterwegs im 1966er Jeep namens Jeepster mit Dachzelt. Da der Guide am Lachsfluss erklärt hatte, dass die Bären nur nachts kommen, stehen wir am nächsten Morgen um 4:00 Uhr auf und warten. Doch die Bären lassen sich nicht blicken. Für uns geht es von Skagway zurück ins Landesinnere und damit nach Kanada

Nach Arizona anstatt Alaska – ein lohnenswerter Umweg

Wie wir vom Umweg nach Arizona wieder auf den richtigen Weg finden und dabei die schönsten Nationalparks entdecken

Nach Alaska wollten wir ursprünglich, doch nun sitzen wir in Arizona am Lake Mead und studieren die Karte, um die beste Route Richtung Norden zu finden. Im Nachhinein erweist sich unser Umweg als Glücksfall. Zwar wird unser Tachostand um geschätzte 6500 Kilometer steigen, doch dafür liegen nun einige spektakuläre Nationalparks und Sehenswürdigkeiten auf unserer Route, die wir sonst verpasst hätten – und das wäre wirklich schade gewesen. Wir müssen nicht einmal von der Strecke abweichen, denn sie liegen alle direkt auf unserem Weg!

Da wir nun schon hier unten sind, haben wir die Gelegenheit genutzt, um Las Vegas zu besuchen. Im Mai ist es hier nicht so heiß wie im August oder September, und den Abstecher nach Las Vegas hatten wir ohnehin auf dem Weg nach unten geplant. Ich war schon einmal dort, für Christoph ist es das erste Mal. Ich finde, Las Vegas muss man einmal gesehen haben, wenigstens einmal. Und wie ihr alle wisst: „What happens in Vegas, stays in Vegas. “ Deshalb werde ich mich dazu auch nicht weiter äußern.

Nach Las Vegas besuchen wir den Hoover Dam, machen einen Rundflug über den Grand Canyon und campen drei Tage am Lake Mead, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Der erste Nationalpark auf unserer Strecke ist der Zion Nationalpark. Mit seiner roten, felsigen Erde und dem Grün der Bäume und Büsche bietet er ein wirklich beeindruckendes Bild. Leider ist gerade Ferienzeit (Ende Mai) und es ist unglaublich viel los. Wir entscheiden uns für nur eine Wanderung und da wir in Sachen Bergsteigen fit sind, wählen wir den „Angels Landing“. Mit seinen knapp 500 Höhenmetern (insgesamt ist er 1.765 Meter hoch) ist er eine Herausforderung, vor allem weil davor gewarnt wird, dass man unbedingt schwindelfrei sein sollte.

Um 8:00 Uhr machen wir uns auf den Weg, was sich als zu spät herausstellt. Zwar sind noch nicht viele Menschen unterwegs, aber als wir uns auf den Rückweg machen, kommen uns ganze Horden entgegen. Wenn man es bis zur hintersten Stelle der Plattform ganz oben geschafft hat – das letzte Stück muss man an einer Kette entlang gehen, was ich mit meinen spärlichen alpinen Kenntnissen als leichten Klettersteig einstufen würde – blickt man fast 500 Meter senkrecht nach unten. Kein Wunder, dass man schwindelfrei sein sollte!

Auf dem Rückweg begegnen wir einer zitternden Chinesin, die sich an der Kette festklammert und fragt, ob es noch weit sei. Wir raten ihr, umzukehren, wenn sie jetzt schon solche Angst hat, denn es wird immer steiler. Doch sie dreht nicht um und hält den Verkehr auf. Hauptsache, man kann danach sagen, man war oben. Trotzdem war es schön da oben, und für uns war nicht die Höhe oder die steilen Abgründe das Schlimmste, sondern die Menschenmassen.

Etwas außerhalb des Zion Nationalparks in Richtung Osten finden wir an einem kleinen Bach mit Sandstrand einen wunderschönen, ruhigen Platz zum Campen. Dort bleiben wir vier Tage, um uns nach der vielen Fahrerei zu erholen und die Sonne zu genießen. Als wir ankommen, baut gerade jemand sein Zelt auf. Ob es ihn störe, wenn wir unser Lager neben ihm aufschlagen, frage ich. „Nein, gar nicht“, antwortet Bruce, ein pensionierter Lehrer aus Vancouver, der für einige Wochen mit dem Motorrad unterwegs ist. Den Abend verbringen wir zusammen und erzählen uns Reisegeschichten bei Kaiserschmarrn mit Früchtekompott. Da Bruce’s Platz begrenzt ist, bestehen seine Mahlzeiten eher aus Fertignudeln und Päckchensuppen. Sein erster Kaiserschmarrn ist daher eine willkommene Abwechslung, und er lädt uns ein, ihn in Vancouver zu besuchen. Wir sollen uns kurz vorher melden, wenn wir in der Nähe sind.

Ach, wir hätten ewig bleiben können. Dieser Ort ist schon jetzt einer unserer Lieblingsplätze, nicht zuletzt wegen der nahegelegenen Bäckerei Forscher, die köstliches Roggenbrot im Holzofen backt, wie man es aus Bayern kennt. Doch unser Ziel heißt Ushuaia! Auf dem kurzen Weg vom Zion Nationalpark zum Bryce Canyon Nationalpark passieren wir den Horseshoe Bend. Diese beeindruckende Laune der Natur liegt kurz vor Page im Norden Arizonas, nahe der Grenze zu Utah. Zuerst sieht man nur einen riesigen Parkplatz, von dem aus man etwa zehn Minuten durch die Wüste spaziert, bis man vor einer Klippe steht. Unter einem zieht sich der Marble Canyon in einer engen Schlaufe durch die Felsen. Von oben sieht das, wie der Name schon sagt, wie ein Hufeisen aus. Manche Naturschauspiele sind wegen ihrer Einfachheit so schön, und der Horseshoe Bend gehört dazu. Das grüne Wasser des Canyons zwischen den rötlichen Felsen und der blaue Himmel im Hintergrund.

Von Page aus buchen wir eine Tour zum Antelope Canyon. Den Canyon kann man mittlerweile nur noch mit einer Tour besuchen; ein Zutritt ohne Guide ist nicht mehr möglich und zudem lebensgefährlich. Bei plötzlichem Gewitterregen füllt sich der Canyon innerhalb von Minuten mit Wasser. Vor einigen Jahren kam so eine ganze Familie ums Leben. Also stellen wir uns in einer Reihe mit hunderten anderer Touristen an und warten. Immerhin haben wir noch Tickets ergattert, denn wir haben ein Talent dafür, an besonders beliebten Sehenswürdigkeiten immer an Feiertagen zu landen. Das Warten ist nicht schlimm, wir sind eine lustige Truppe, und zwei amerikanische Rentnerpärchen halten uns bei Laune. Der Antelope Canyon liegt im Indianerreservat, und eine junge Frau führt uns hinein. Das sanfte Licht, die Terracotta-Töne und die Formen sind so warm und weich, dass man kaum glaubt, durch Felsen zu wandern. Man fühlt sich sofort wohl und will gar nicht mehr hinaus.

Knapp eine Stunde verbringen wir in den teils schmalen Gängen, steigen Stufen hinauf und hinunter und lassen uns Formationen zeigen, die an Adler oder Indianerhäuptlinge erinnern. Nicht weit von Page entfernt liegt der Bryce Canyon Nationalpark, der eine faszinierende Vielfalt von Stein- und Felsformationen zeigt. Ich hätte nie gedacht, dass Steine und Felsen so beeindruckend sein können. Man kann den ganzen Park mit dem Auto abfahren und hat spektakuläre Aussichtspunkte, von denen man weit über das Grand Staircase Monument blicken kann. Felsen in unterschiedlichsten Formen, Türme, Bögen, Fenster – manche Gebilde sehen aus, als hätte sie jemand gebaut. Ja, das stimmt, die Natur hat sie gebaut, genauer gesagt das Wasser, das in Form von Schnee, Gewitter mit Hagel oder Regen die Kalksteine so ausgewaschen hat, dass die skurrilsten Formen entstanden sind. Ein Gewitter mit Hagel überrascht uns an diesem Nachmittag auch noch. Ganz plötzlich fängt es an zu regnen, und als wir die Scheibenwischer einschalten, bildet sich schnell ein weißer Rand. Gewitter mit Hagel hätte ich hier in der sonst so kargen Wüstenlandschaft nicht erwartet. Am nächsten Morgen machen wir eine Wanderung zwischen den riesigen Kalksteingebilden.

Man fühlt sich ganz klein, obwohl die Felsformationen von oben gar nicht so groß aussehen. Steht man aber mittendrin, sieht die Landschaft ganz anders aus. Chipmunks und Präriehunde begleiten uns, und dort unten scheint man auf einem anderen Planeten zu sein. Nach ein paar Tagen erreichen wir den Grand Teton Nationalpark. Es ist mittlerweile Anfang Juni, und tagsüber ist es schön warm. Auf den Gipfeln des Grand Teton Massivs liegt noch viel Schnee, unten aber blüht der Löwenzahn, und wir fühlen uns fast wie daheim, nur dass hier Büffel grasen statt Kühe. Vor einer Woche sind hier Gänseküken geschlüpft, und auf der Wiese vorm Visitor Center wimmelt es nur so von den kleinen flauschigen Tierchen. Wir machen eine Wanderung um den halben Jenny Lake, denn eine Seite ist gesperrt. Hubschrauber fliegen Baumaterial in die höheren Lagen, weil der viele Schnee, der noch so spät gefallen ist, große Teile der Trails zerstört hat.

Uns wird klar, dass wir unglaubliches Glück hatten mit unserem Umweg nach Flagstaff! Im Visitor Center sagt man uns, dass es Anfang Mai noch ordentlich geschneit hätte und es diesen Winter mit insgesamt gut über 600 Inches Schnee, das sind 15 Meter, einen absoluten Rekord gegeben hatte. Wir sollten vorsichtig sein, weil jetzt die Bären herauskommen, hungriger als sonst im Frühjahr, weil auch sie erst warten mussten, bis der Schnee schmilzt, um erfolgreich Futter zu suchen. Die Ufer der Seen sind überschwemmt, das Schmelzwasser treibt den Wasserstand hoch. Wir wandern am Ostufer des Sees entlang und entdecken in der Ferne im hohen Gras mühevoll einen Elch oder ist es doch nur ein Hirsch? Schwer zu sagen auf die Distanz. Das Wetter könnte nicht besser sein, und die Sonne brennt tagsüber ganz schön herunter. Wir müssen aufpassen, dass wir uns keinen Sonnenbrand holen. Wir campen gerade außerhalb des Nationalparks an einem See mit Feuerstelle, wo wir abends Burger grillen und aufmerksam der Umgebung lauschen. Doch es lässt sich kein Tier blicken.

Nördlich des Grand Teton Nationalparks liegt der Yellowstone Nationalpark. Am Donnerstag, den 8. Juni, erreichen wir ihn gegen Mittag. Wir fahren an Schneefeldern vorbei und staunen: Es ist warm, wir tragen Shorts und Flipflops, doch der Schnee schmilzt nicht so schnell, wie es plötzlich warm wurde. Der späte Wintereinbruch zeigt sich deutlich. Wir sind froh, dass wir den Umweg über Flagstaff gemacht haben, sonst wären wir Anfang Mai im Schneetreiben hier gelandet. Der Park erwacht gerade aus dem Winterschlaf, es ist wenig los. Wir fahren hinaus, um kostenlos zu campen und einen einsamen Platz zu finden. Eine kleine Ebene östlich des Parks, etwas höher am Waldrand, wird unser Schlafplatz. Auf dem Weg dorthin begegnen uns Elche, Büffel und eine Herde Bighorn-Schafe. So viel Wild haben wir auf der ganzen Reise noch nicht gesehen. Wir kochen schnell etwas und ziehen uns ins Auto zurück, um Bären nicht zu reizen. Abends wird es kühl, also schauen wir einen Film auf dem Notebook.

Letzlich sehen wir ihn: Ein Grizzly tapst vom Waldrand die Wiese entlang, direkt auf uns zu. Christoph sagt erschrocken: „Da hast du jetzt deinen Grizzly!“ Ich hatte die ganze Zeit darauf gewartet, wilde Bären zu sehen. Der Bär schnüffelt ums Auto, so nah, dass ich ihn nicht mehr sehen kann. Er riecht offenbar das Abwasser, das wir 20 Meter entfernt ausgeschüttet haben. Grizzlies haben einen extrem guten Geruchssinn, man sagt über zwei Kilometer weit. Er scharrt am Boden, findet nichts und schaut kurz ins Fenster, wo Christoph gerade hinausschaut. Unbeeindruckt marschiert er zur Abwasserstelle, findet auch dort nichts und verschwindet im Dickicht. Unser erster Grizzly! Christoph wird diese Begegnung nicht vergessen.

Am nächsten Tag fahren wir wieder in den Park, sehen Geysire, die zu bestimmten Zeiten ausbrechen. Die Farben der Geysirbecken sind bei Sonnenschein ein Spektakel, überall dampft es. Die Landschaft wirkt fremd, fast wie ein anderer Planet. Auf Stegen und Brücken wandern wir durch den Park, die Oberfläche ist zu gefährlich und empfindlich. Wir wandern zu einem kleinen Wasserfall, am Ende des Trails hat eine Murmeltierfamilie ihre Höhle. Die Jungen kommen neugierig heraus, obwohl wir nah sitzen. Die Mutter ist nicht da, aber man hört sie pfeifen, um die Kleinen zu ermahnen, wenn sie sich zu weit entfernen. In dieser Nacht verlassen wir den Park durch den Nordwest-Ausgang und finden an einem kleinen Bach einen Schlafplatz. Am nächsten Morgen kehren wir früh zurück, Rehe, Hirsche und Kitze schlafen noch auf der Wiese vor dem Albright Visitor Center. Sie wissen, dass sie dort sicherer vor Wölfen und Bären sind. Wölfe sehen wir nicht, dafür viele Bisonherden, Rehe, Hirsche, Bighornschafe und Bären mit Jungtieren.

Es ist Frühling. Unser letzter Nationalpark in den USA ist der Glacier Nationalpark. Es ist ein bärenstarkes Jahr, sagt man uns. Die Bärenmütter finden viel zu fressen und bringen die meisten ihrer Jungen durch. Ende Juni blüht es überall, es gibt viele Beeren. Am ersten Tag im Glacier Nationalpark sehen wir eine Grizzlydame mit einem Jungen. Sie überqueren die Straße, die uns aus dem Park führt. Das Junge, vermutlich im Frühjahr geboren, steht neugierig am Straßenrand, stellt sich auf die Hinterpfoten und folgt dann seiner Mutter. Die Bärin trägt ein Halsband und wird vom Nationalpark überwacht. Auf der anderen Seite angekommen, fressen sie weiter. Das Junge schaut neugierig hinter dem Gras hervor, fast wie ein Pandababy mit schwarzen Rändern um die Augen. Im Auto gegenüber bellt ein Hund, das Junge streckt sich noch mehr, die Mutter bleibt unbeeindruckt und zieht weiter. Das war ein aufregender Tag, zum ersten Mal einen Grizzly mit Jungem zu sehen. Wir sind froh, im Auto zu sein, denn Grizzlies mit Jungen gelten als aggressiv. Am nächsten Morgen sind wir wieder früh im Park, wollen eine vierstündige Wanderung machen und haben Bärenspray dabei. Es ist wie Pfefferspray, nur stärker, und soll im Notfall den Bären orientierungslos machen, wenn man es richtig einsetzt.

Das Wetter ist herrlich, und wir planen eine Wanderung zum Ice Lake, insgesamt 16 Kilometer hin und zurück. Der schmale Pfad führt durch Wälder und über Blumenwiesen, wird stellenweise steil, und am Ende überqueren wir ein Schneefeld. Das Panorama am Ice Lake ist beeindruckend und eisig. Unterwegs treffen wir Lynn, eine ältere Frau, die den Trail zum etwa hundertsten Mal wandert. Sie lebt in der Nähe des Parks und beobachtet seit Jahren die Grizzlies. Sie erzählt von einer Grizzliedame namens Panda, die sie seit ihrer Geburt im Nationalpark beobachtet. Panda hat inzwischen Nachwuchs, und Lynn plant, ein Buch über sie zu schreiben. Ich erwähne, dass wir am Vortag eine Bärin mit Jungem gesehen haben, die wie ein Panda aussieht, und dass wir Fotos gemacht haben. Lynn, die wir auf Mitte 70 schätzen, ist begeistert und bittet um die Fotos. Wir tauschen Handynummern aus, und sobald wir Internet haben, schicke ich ihr die Bilder.

Auf dem Hinweg zum Ice Lake entdeckte Christoph Rotkappen, wollte sie aber nicht mitnehmen, um sie nicht zu zerdrücken. Auf dem Rückweg finden wir sie wieder, denn Amerikaner sammeln selten Pilze. Wir kaufen Toastbrot im Parkkiosk und bitten im Restaurant um Sahne, um Rahmschwammerl mit Semmelknödel zu kochen. Am Waldrand außerhalb des Parks bereiten wir unser Abendessen zu. Am nächsten Morgen fahren wir über Chief Mountain zur kanadischen Grenze und zum Waterton-Lakes-Nationalpark. Die Route führt an schneebedeckten Bergen und blühenden Wiesen vorbei. Die Grenze liegt einsam inmitten idyllischer Natur, und ich frage mich, wie oft hier ein Bär vorbeikommt. Im Park angekommen, holen wir uns den kostenlosen Jahrespass, da Kanada seinen 150. Geburtstag feiert. Wir sparen 140 kanadische Dollar und planen, am nächsten Tag früh zum Upper Rowe Lake zu wandern. Heute machen wir nur zwei kleine Spaziergänge und werden von einem aufgebrachten Eichhörnchen beschimpft, wahrscheinlich haben wir sein Revier betreten.

Wir übernachten außerhalb des Parks, um Kosten zu sparen, und finden einen ruhigen Feldweg. Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, um Tiere zu sehen, und sind die Ersten am Parkplatz. Mit festen Bergschuhen, Bärenspray und Glocke machen wir uns auf den Weg. Christoph klingelt wild, um Bären zu warnen, was mich fast in den Wahnsinn treibt, da ich gut höre. Als wir frischen Bärendreck entdecken, wird noch lauter geklingelt. Der Bär ist sicher nicht weit, wahrscheinlich versteckt er sich und hofft, dass wir bald verschwinden. Der Upper Rowe Lake Trail wird steil und schneebedeckt, sodass wir umkehren müssen. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Lower Rowe Lake und rasten am Ufer. Der Schnee taut, und man sieht, wie hoch er im Winter lag. Wir sehen wenige Tiere, nur Vögel und Eichhörnchen, die viel Lärm machen.

Zurück am Parkplatz packen wir unser Zeug und fahren zum Visitor Center. Auf dem Weg entdecken wir einen großen braunen Schwarzbären, der Löwenzahn frisst. Wir halten an, und ich mache Fotos. Erst als ein Hund bellt, wird der Bär aufmerksam, bleibt aber ruhig. Er hat nur ein halbes Jahr Zeit zum Fressen, also überlegt er gut, wofür er seine Zeit nutzt. Ja, es gibt braune Schwarzbären, was wir erst lernen mussten. Grizzlies erkennt man an einem Nackenbuckel und ihrer Größe. Unser Umweg endet hier, und die nächsten Nationalparks, Banff und Jasper, stehen auf unserer Liste.