Nächster Vortrag - Sahara Club Treffen 19.-22. Juni 2025

Baltikum – Lettland

Lettland

Der Weg durch Lettland führt uns durch immer größere und dichtere Wälder, weil wir die großen Straßen meiden und oft abgelegene Waldwege wählen. Was das Navi als Straße anzeigt, erstaunt uns sehr. Unser schwammerlsüchtiger Fahrer verschwindet immer wieder im Wald, um Pilze zu sammeln. Ich zweifle, ob so viele Pilze gesund sind. Immerhin kennt er sich aus, da bin ich beruhigt. Ich fürchte eher, wir könnten irgendwann leuchten.

Nach so viel Natur zieht es uns in die Stadt: Riga. Das bedeutet, wir müssen ein bis zwei Nächte auf einem Citycampingplatz verbringen, dicht an dicht mit anderen Campern. Das ist nicht unser Ding, aber es ist nur für kurze Zeit. Den Tag in Riga verbringen wir in der Stadt, vor allem in den riesigen Markthallen. Seit 1910 gibt es dort einen Markt, der nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufgebaut und vergrößert wurde. Heute umfasst das Gelände mit den Markthallen 5,7 Hektar, davon sind 1,6 Hektar überdacht. Man findet hier fast alles und kann sich ewig umsehen. Diesmal kaufen wir die Schwammerl statt sie selbst zu sammeln, und abends gibt es Rahmschwammerl mit Semmelknödel.

Am nächsten Morgen zieht es uns wieder hinaus, genauer gesagt an die Küste. Wir treffen Korbinian, einen Freund aus meiner oberbayerischen Heimat, und Hund Charly in Kolka. Diesmal stimmen die Koordinaten aus dem Spiegelartikel. Wir finden einen kleinen Parkplatz am Meer mit schönem Sandstrand und Feuerstelle, wo wir abends gemütlich am Lagerfeuer sitzen.

Am Morgen beschließen wir, ins Wasser zu gehen. Schließlich sind wir im Urlaub, und ohne im Meer zu baden, geht es nicht. Außerdem ist es windstill, und Sommerfeeling kommt auf. Am Strand sitzen wir in Campingstühlen, während ein pfälzisches Ehepaar in Decken gehüllt und mit Daunenjacken bis zur Nasenspitze zugezogen ein Thermometer in der Hand hält. „12 Grad hat das Wasser“, rufen sie herüber. Da müssen wir durch, und das Wasser ist bei weitem nicht so kalt wie erwartet. Dennoch wird das Wetter kühler, je weiter wir nach Norden kommen, und die Shorts rutschen im Schrank immer weiter nach hinten.

Fazit: Wir leuchten noch nicht, aber wir sind auch noch nicht daheim, und das Gefrierfach ist voll!

Baltikum, die langersehnte Testfahrt

Die Testfahrt kann starten

Wir wollten wissen, wie unser Fahrzeug läuft, wie lange unsere Wasservorräte reichen, ob die Elektroinstallation hält und wie die Dusche funktioniert. Die baltischen Staaten sind ein Camper-Paradies: Man darf fast überall wild campen und findet schöne Plätze mit Feuerstellen und Plumpsklos. Die Balten sind stolz auf ihre Wälder, und jeder ist willkommen. Man kann Berge von Pilzen und Heidelbeeren sammeln, was Christoph besonders freut, da er Schwammerl liebt.

Wer nach Litauen will, muss seinen Weg sorgfältig wählen und die schmale Schneise zwischen den beiden Russlands beachten. Der einzige Zugang führt über Polen, denn an der Küste gibt es ein „kleines“ Russland, das uns bisher nie aufgefallen ist. Im Landesinneren liegt Weißrussland. Man landet schnell unbeabsichtigt in der Nähe der Grenze, was dort nicht gut ankommt.

Unser Weg führt uns durch grüne Landschaften und holprige Straßen über Druskininkai nach Vilnius, einer schönen Stadt mit freundlichen Menschen. Bei 25 Grad herrscht Urlaubsfeeling! 30 Kilometer nördlich liegt Trakai mit seiner mittelalterlichen Wasserburg – eine Bilderbuchkulisse, zwar touristisch, aber unbedingt einen Ausflug wert.

Alle paar Tage steuern wir einen Campingplatz an, um Wasser aufzufüllen und die sanitären Anlagen zu genießen. Die Koordinaten für den nächsten Campingplatz fanden wir in einem Reiseartikel des Spiegels. Unser Navi führte uns immer weiter auf schmaleren Straßen in eine abgelegene Gegend. Schließlich standen wir bei einem älteren Herren im Hof, der leicht angetrunken, aber amüsiert über unser Erscheinen war. Christoph blieb im Fahrzeug, da wir ein Batterieproblem hatten und ihn nicht abstellen konnten. Der Herr sprach kein Wort Englisch oder Deutsch und erklärte mit Händen und Füßen. Der Alkohol erschwerte das Verständnis. Schließlich führte er mich hinter das Haus und deutete über den Fluss. Vielleicht waren wir einfach auf der falschen Seite? Nebenbei deutete er, dass man dort angeln könne, und sprach ein paar Brocken Deutsch: einszehn, zweizehn, dreizehn. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen, und machte ihm klar, dass wir weiter mussten, um auf die andere Seite zu gelangen. Er fand das schade, schenkte mir zum Abschied eine Tomate und ließ mich gehen.

Wir fuhren 20 Kilometer den Fluss entlang zurück, über die Brücke, die wir schon passiert hatten, und etwa auf der Höhe, wo wir dem älteren Herren begegnet waren, standen wir plötzlich vor einem Tor. Was kann das sein? Vielleicht der Eingang zu einem Nationalpark? Wir dachten nichts dabei und fuhren durch. Wer hat schon mal den Eingang eines Nationalparks mit der russischen Grenze verwechselt? Die Grenzbeamtin war not amused, sprach nur Russisch, und auf allen Monitoren war unser Bild. Wir verstanden nichts und wussten nicht, wo wir hinwollten. Sie holte jemanden, der Englisch sprach. Wir erklärten: „We are lost. “ Er sagte, das denke er auch, er könne uns hier nicht reinlassen, da es ein Pendlergrenzübergang sei. Wir erklärten, dass wir gar nicht reinwollten, sondern nur wieder raus.

Geschafft! Was für eine Aufregung! Wir fuhren die 20 Kilometer den Fluss entlang zurück und probierten die letzte Richtung aus, wo wir noch nicht gewesen waren. Endlich fanden wir das, wonach wir über zwei Stunden gesucht hatten.

Am nächsten Morgen bekam unser Fahrzeug eine neue Batterie. Wir hatten eine dabei, da die alte schon länger Probleme machte. Nur wie kriegen wir das schwere Ding heraus? Der Campingplatzbesitzer holte Hilfe, die fünf Minuten später da war. Fünf Minuten später war die Batterie ausgetauscht. Er fragte bescheiden, was wir mit der alten machen wollten. Wir schenkten sie ihm und waren sicher, dass er sie wieder zum Laufen bringen würde.

Die nächste Sehenswürdigkeit, die man wirklich gesehen haben muss, ist der Hill of Crosses in der Nähe von Šiauliai. Ein ziemlich touristischer Wallfahrtsort, aber sehr beeindruckend. Der Hügel ist mit Tausenden von Kreuzen übersät, die Pilger dort aufstellen, oft mit einem Dank oder Wunsch beschriftet. Auch wir mussten unser Kreuz dort aufstellen, bzw. hängen. Selbstgebaut, natürlich, mit Hilfe des Werkzeugkastens, Schrauben und Kabelbindern.

Fazit: Die Leute hier sind sehr freundlich, kontaktfreudig und hilfsbereit.